Ustermer Ortspartei löst sich auf – GLP profitiert
Dass die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) auf nationaler Ebene längst auf dem Sterbebett liegt, ist bekannt. Die Ustermer Ortspartei beschleunigt dieses schleichende Ableben auf lokaler Ebene und hat an der Generalversammlung vom Mittwochabend einstimmig die Auflösung auf Ende September beschlossen. Das schreibt die BDP Uster in einer Medienmitteilung. Damit verschwindet die Partei aus der Ustermer Politlandschaft, die der ehemalige Stadtrat Thomas Kübler (FDP) einst dem linken Lager zuordnete und als «‹parteipolitischen Wurmfortsatz›» bezeichnete.
Als einziges verbliebenes Parteimitglied hat Ivo Koller ein politisches Amt inne. Der Ustermer Gemeinderat schliesst sich der GLP Uster an. «Die Auflösung ist sicherlich kein Schnellschuss und wohl überlegt», kommentiert Koller das Ende der BDP.
BDP Uster gegründet
27.08.2013

Thomas Altenburger ist der erste Präsident der neu gegründeten BDP Uster. Thomas Altenburger ist der erste Präsident der neu gegründeten BDP Uster. Die neue Ortssektion will im Frühjahr 2014 in den Gemeinderat einziehen.
Beitrag in Merkliste speichern
Koller trat der Ortspartei kurz nach deren Gründung im Jahr 2013 bei. Der Beitritt sei auch eine Sympathiebekundung zur damaligen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) gewesen. Zur Erinnerung: Das ehemalige SVP-Mitglied Widmer-Schlumpf wurde, nachdem sie gegen Christoph Blocher (SVP) die Wahl gewonnen hatte, zusammen mit der Bündner SVP aus der Partei ausgeschlossen. Darauf gründeten deren Vertreter die BDP.
«Heuchlerische» SVP
«Die klare Absicht von Widmer-Schlumpf für den Atom-Ausstieg bezeugte damals die progressive Grundhaltung der noch jungen Partei», sagt Koller. Für ihn war der Beitritt zur BDP zudem ein Statement für einen «anständigen Umgang» miteinander und gegen die «polemische und heuchlerische Politik» der SVP.
Dennoch spricht Koller heute von einem «Geburtsfehler» der Partei, denn: «Die Gründung der BDP war aus der Not geboren». Deswegen hatte die Partei im Gegensatz zur GLP von Anfang an keine gesunde Basis.»
«Die GLP liegt mir aufgrund meiner sozial-liberalen Überzeugungen näher als die Grünen.»
Ivo Koller (BDP), Gemeinderat
Die Mitgliedschaft bei der GLP sei für ihn denn auch ein logischer Schritt. Aus seiner links-grünen Einstellung macht er keinen Hehl: «Ich war immer schon ein Grüner.» Auch Gemeinderatskollegen hätten ihn immer wieder als «verkappten Grünen» bezeichnet, sagt Koller. «Diesen Spruch bekam ich immer zu hören, wenn ich mit meinem grünen Velohelm oder der grünen Regenjacke unterwegs war.» Mit Vorstössen, die sich um die Erhaltung des schattenspendenden Baumbestandes am Bahnhof Uster oder den Ökofonds drehen, hat Koller seine grünen Absichten schon mehrfach im Parlament unter Beweis gestellt.
Eine Fusion mit der CVP, wie es die nationale BDP-Partei anstrebt, kam für Koller, der schon für die Jungfreisinnigen im Gemeinderat politisierte, nie in Frage. Auch ein Beitritt bei der Grünen Partei sei trotz seiner ökologischen Ansichten nie ein Thema gewesen. «Die GLP liegt mir aufgrund meiner sozial-liberalen Überzeugungen näher als die Grünen.»
GLP erfreut über Zuzug
Beatrice Caviezel, Präsident der Ustermer Grünliberalen, zeigt sich erfreut über den Zuzug. «Ivo Koller passt sehr gut zu uns», sagt sie. Gemeinsame Interessen wie die Zentrumsentwicklung in Uster oder die gemeinsame Lancierung des Samstagsmarktes seien Beispiele der «übereinstimmenden Philosophie».
Für Caviezel sind Wechsel zur GLP, wie letzten Jahres von Alt-Nationalrat Daniel Frei und Kantonsrätin Claudia Wyssen (beide ehemals SP) oder von Mönchaltorfer Gemeinderat Hansruedi Galliker (ehemals FDP), eine Folge der klaren Positionierung der Partei in der politischen Landschaft: «Wir sprechen eine bereite Wählerschaft und auch gewählte Politiker an.»
Ende der Mittefraktion?
Trotz gewichtigem Zuwachs mag sich Caviezel nicht restlos freuen: «Ich bedaure die Auflösung der BDP Uster», sagt sie.
Mit der BDP verschwindet eine weitere Partei aus dem einst als sogenannte Mittefraktion bezeichneten Zusammenschluss. Im Frühjahr hatte sich schon die CVP der FDP angegliedert. Damit bleibt in der Fraktion neben der GLP nur noch die EVP übrig.
