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Viele Fragen nach Baumfällung in Uster

Nach den Baumfällungen im Zellweger-Park bombardiert Gemeinderat Paul Stopper (BPU) die Stadt mit Fragen zum Sinn und Zweck der Aktion. Die Stadt verstecke sich hinter dem Sicherheitsaspekt, lautet einer der Vorwürfe.

Im Februar liess die Stadt beim Zellweger-Park Bäume fallen. , So sieht der Wald heute aus., Auch in Vergangenheit liess die Stadt mit der Begründung der Auslichtung und Sicherheit Bäume fällen., Zurzeit werden auf dem Areal Wohnungen gebaut, was dem Sicherheitsgedanken noch zusätzlich Gewicht geben dürfte.

Karin Giacomuzzi

Viele Fragen nach Baumfällung in Uster

Wäre Paul Stopper Förster im Zellweger-Park, würde er dort die nächsten Jahre keinen Finger krumm machen. Stopper ist aber bekanntermassen BPU-Gemeinderat und Präsident der «Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster». Einer, der sich Biosphären – ob Garten oder Wald – möglichst unangetastet wünscht.

Deswegen hat er auch nicht weniger als drei Anfragen verfasst, die sich um Eingriffe des Baumbestandes auf dem Areal drehen. Dort liess die Stadt im Februar 15 Bäume fällen, noch weiter zurück liegt ein Holzschlag, der 2013 stattfand.  Beide Baumfällungen sind Thema in den Anfragen, die er beim Stadtrat eingereicht hatte.

Aus Sicht der Stadt waren die Fällungen in diesem Jahr aus mehreren Gründen nötig. Beispielsweise um die Sicherheit der Passanten zu verbessern oder den Jungbäumen zu mehr Licht zu verhelfen.

Im Zweifel für die Sicherheit?

Beim Thema Sicherheit argumentiert Stopper, dass die betroffene Wegführung über das Grundstück der Zellweger Park AG eine ausreichende Sicherheitsdistanz aufweise. «Eine Gefahr für die künftigen Benützer des neuen Weges bestand also durch die Bäume überhaupt nicht», schreibt Stopper in der Anfrage.

Und dazu wollte er wissen, ob künftig bei jeder Baumfällung das Argument der Sicherheit ins Feld geführt werde, um «jegliche Diskussionen über das Ausmass von Holzschlägen vom Leibe halten zu können».

«Es gehört nicht zur Arbeit eines Försters, jeden Baum zu zählen.»

Philipp Jucker, Leiter Natur, Land- und Forstwirtschaft Stadt Uster

Darauf entgegnet der Stadtrat knapp: «Das Argument der Sicherheit kommt nur dann zum Tragen, wenn die Sicherheit der Passanten oder der Infrastruktur gefährdet ist.» Für Philipp Jucker, Leiter Natur, Land- und Forstwirtschaft der Stadt ist dieses Argument im vorliegenden Fall gegeben. «In Siedlungsgebieten, und dazu gehört der Zellweger-Park, muss der Sicherheit ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.»

Auslichtung für Jungwuchs

Ein weiteres Ziel der Fällungen sei es Platz für die Jungbäume zu schaffen, die Licht und Raum für ihr Wachstum benötigen, sagt Jucker. Dabei werde aber nicht aufgeforstet, sondern der Wald natürlich verjüngt. So könnten beispielsweise Eichen oder Kirschbäume besser aufkommen. «Ob diese aber gross und alt werden, hängt auch davon ab wie sorgfältig Hundehalter, Biker oder andere Passanten den Jungwuchs behandeln», sagt Jucker.

«Wenn der Stadtrat schon auslichten will, muss er hinterher anhand des Baumbestandes nachweisen können, dass die Massnahme gewirkt hat.»

Paul Stopper (BPU), Gemeinderat

Auch die Fällung im Jahr 2013 zeige, dass die damaligen Absichten, das Wachstum der Jungbäume zu fördern, «grundsätzlich funktioniert» hätten. «Damit wurde die Baumartenvielfalt gefördert.»

Jucker widerspricht Stoppers Einwand, der in seiner Anfrage moniert, dass «fast sämtliche» Nadelbäume gefällt worden seien. «Es hat noch mehrere Nadelbäume. Wir sprechen hier immer noch von einem Mischwald.» 

Nadelbäume für Tiere

Gemeinderat Stopper argumentiert, dass Nadelbäumen wie die Fichte den Vögeln Schutzmöglichkeiten vor Stürmen und vor natürlichen Feinden bieten. «Im Gegensatz zu Laubbäumen geben Nadelbäume den Tieren auch im Winter Schutz», ergänzt Stopper auf Anfrage.

In seiner Anfrage will er vom Stadtrat detaillierte Auskunft über die Anzahl, Art, Alter und Gesundheitszustand der Bäume, die von 2013 bis Ende 2019 auf dem Areal gefällt wurden. Zudem will er wissen, wie viele Eichen auf dem Grundstück durch die Auslichtungen von selbst gewachsen seien.  In beiden Fällen sagt der Stadtrat, dass dies nicht dokumentiert werde. «Wenn der Stadtrat schon auslichten will, muss er hinterher anhand des Baumbestandes nachweisen können, dass die Massnahme gewirkt hat», findet dagegen Stopper, «aber anscheinend ist ihm das egal.»

Wald und Bestockung

Zu dieser Sachlage entgegnet Jucker: «Es gehört nicht zur Arbeit eines Försters, jeden Baum zu zählen.» Die Bäume im Zellweger-Park würden ausserdem einen gewissen Schutz geniessen. Einerseits sei ein Teil davon als Wald festgesetzt, der nicht gerodet werden darf. Andererseits sei die sogenannte Bestockung daneben im Inventar der Natur- und Landschutzobjekte der Stadt Uster als «wertvolle Grünanlage» definiert, die erhalten und aufgewertet werden müsse. Die Stadt werde auch künftig im ganzen Zellweger-Park  Fällungen vornehmen, wenn dies aus Sicherheitsgründen nötig sei, so Jucker.

Damit wird Stoppers Wunsch nach einem unangetasteten Wald auf dem Zellweger-Park sobald nicht in Erfüllung gehen. Einen Eingriff lässt aber auch Stopper gelten: «Dass die Stadt mit der Abholzung die an der Eschenwelke erkrankten Bäume entfernen liess, ist nachvollziehbar.»

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