Die Projektgruppe rührt die Werbetrommel für den Schlossguet-Umbau
Etwa 100 Personen haben sich am Montagabend in der Grosshalle in Turbenthal für die Informationsveranstaltung zum geplanten Umbau des Schlossguets eingefunden. Eingeladen hatte die Projektgruppe um Leiterin und Gemeinderätin Katharina Fenner (FDP), Monika Bosshard, Wolfgang A. Pfaffenbichler und Gemeinderat Heinz M. Schwyter (parteilos).
Zuerst präsentierte Architekt Thomas Wirz das Bauprojekt, welches seit Mitte Juni bekannt ist. Es sieht vor, die bestehende Wohnung im Schlossguet zu renovieren. Im Mitteltrakt des Gebäudes soll auf zwei Etagen die Bibliothek untergebracht werden. Im Rest sind Büroräumlichkeiten geplant, die vermietet werden.
«Wir brauchen Ihr Ja»
Gefolgt wurde Wirz’ Ansprache von einer Kostenübersicht. Die Projektgruppe geht davon aus, dass der Umbau grob geschätzt 2,8 Millionen Franken kostet. Abweichungen von plus und minus 20 Prozent sind möglich. «Wir müssen das genauer wissen, und deshalb brauchen wir nächsten Montag Ihr Ja für den Projektierungskredit», betonte Fenner.
Dann wird an der Gemeindeversammlung über den Kredit in der Höhe von 200’000 Franken abgestimmt. Im Rahmen dieser Projektierung soll Klarheit über die effektiven Kosten und den jährlichen Folgeaufwand geschaffen werden. Bereits im Vorfeld ist klar, dass die Rechnungsprüfungskommission den Kredit zur Ablehnung empfiehlt. Der Turbenthaler Gemeinderat steht hingegen hinter dem Projekt.
Mehr Platz, mehr Möglichkeiten
Da die Bibliothek den grössten Teil des Schlossguets beziehen würde, durfte Bibliotheksleiterin Silvia Lins deren Aufgabe beleuchten. So sei die Bibliothek mehr als nur ein Ort, wo man Bücher ausleihen könne.
«Wir haben Schulklassen bei uns und sind ein Treffpunkt.»
Silvia Lins, Leiterin Bibliothek Turbenthal
Das zeigten auch die steigenden Besucherzahlen. «Wir haben Schulklassen bei uns, sind ein Treffpunkt und führen kulturelle Veranstaltungen durch.» Am neuen Standort hätte die Bibliothek mehr Platz und mehr Möglichkeiten.
Ambitionierter Zeitplan
Nach Lins’ Plädoyer für die Bibliothek ergriff Gemeinderat Heinz M. Schwyter das Wort. Er legte den ambitionierten Zeitplan dar. Sollte der Projektierungskredit genehmigt werden, würde das Bauprojekt schon nächsten Sommer den Stimmbürgern vorgelegt. «Im Jahr 2022 sollte das Schlossguet dann für die Bibliothek bezugsbereit sein.»
Ab dann brauche die Bibliothek ohnehin eine neue Heimat. Wegen steigender Schülerzahlen möchte die Primarschule das jetzige Bibliotheksgebäude selber nutzen. Und zwar als Kindergarten und für die Schulsozialarbeit.
Spenden fürs Schlossguet
Dann sprach er den brisanten Punkt an: die Kosten. Für den Umbau könnte eine Steuererhöhung von zwei Prozent nötig werden. Auf einer Folie versuchte Schwyter darzulegen, dass dies für den durchschnittlichen Steuerzahler in Turbenthal jedoch eine tragbare Belastung sei.
«Vier Einzahlungen sind bereits vor der Veranstaltung eingegangen.»
Heinz M. Schwyter (parteilos), Gemeinderat und Mitglied Projektgruppe Schlossguet
Die Gemeinde wolle ohnehin nicht alles den Steuerzahlern auferlegen. Neben dem Lotteriefonds, wo 500’000 Franken beantragt sind, habe man auch Stiftungen angeschrieben. «Aber bisher noch keine positiven Rückmeldungen erhalten», ergänzte Schwyter.
Die Gemeinde hat ausserdem ein Spendenkonto für das Schlossguet eingerichtet – auf Initiative eines Bürgers. Informationen dazu fanden die Anwesenden auf einem Flyer, der auf jedem Stuhl platziert war. «Vier Einzahlungen sind bereits vor der Veranstaltung eingegangen», sagte Schwyter.
Mehr als ein paar Bretter
Nach der einstündigen Präsentation durften die Besucher Fragen stellen. Dieses Angebot wurde rege genutzt. So wollte ein Teilnehmer wissen, wieso man das Projekt jetzt anstrebe, wo die Gemeindefinanzen im Argen liegen. Schwyter meinte dazu, dass nie der richtige Zeitpunkt sei. «Wir haben ein Projekt mir vertretbaren Kosten. Wenn wir in drei Jahren etwas Neues aufziehen, gibt es ein anderes Hindernis.»
Ebenso fragte ein Teilnehmer, wieso man das Schlossguet nicht einfach so belasse und nur das Nötigste saniere. «Wir müssen mehr als nur ein paar Bretter austauschen», meinte Katharina Fenner dazu. «Für die reine Instandhaltung sprechen wir von Kosten von mehreren hunderttausend Franken.»
Entscheid am Montag
Einem Teilnehmer war ausserdem unklar, wieso es einen Projektierungskredit brauche. Es liege ja ein Projekt vor. Dazu präzisierte Architekt Wirz, dass noch viel zu klären sei. «Wir müssen etwa sechs bis acht Monate arbeiten, um das konkrete Bauvorhaben zu erstellen.»
Neben den Fragen gab es auch bereits diverse Voten. Für die einen ist die Zeit nun reif, das Schlossguet umzubauen. Für andere ist wegen der Finanzlage der falsche Zeitpunkt dazu. Darüber befinden dürfen die Turbenthaler am kommenden Montag an der Gemeindeversammlung. Dort entscheidet sich, ob die nächste Etappe in Angriff genommen wird.
