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«Es gibt aktuell massive Eingriffe in die persönliche Freiheit»

Patrick Jetzer ist der Kopf hinter der Kundgebung von Corona-Skeptikern am Samstag in Zürich. Im Interview spricht der Dübendorfer über Verschwörungstheorien, die Risiken und Nebenwirkungen von Masken sowie die angekündigte Störaktion von Antifaschisten.

Patrick Jetzer ist gegen das Tragen von Masken, im Alltag sei das kontraproduktiv.

Archiv: Christian Merz

«Es gibt aktuell massive Eingriffe in die persönliche Freiheit»

Herr Jetzer, der Lockdown ist lange vorbei, die Grundrechte sind wiederhergestellt, das Leben hat sich zu einem guten Stück normalisiert – wieso jetzt diese Kundgebung, wieso die Forderung «zurück in die Freiheit»?
Patrick Jetzer: Es gibt aktuell massive Eingriffe in die persönliche Freiheit, etwa durch die Maskenpflicht oder den Zwang, Kontaktdaten angeben zu müssen. Und mit den durch erhöhtes Testen generierten zunehmenden Ansteckungszahlen wird der Ruf nach weiteren Zwangsmassnahmen immer lauter.  Da wird ein Überwachungs- und Polizeistaat aufgebaut. Die Spitäler vor Überlastung zu schützen, ist ja wohl schon lange kein Argument mehr.

An der Kundgebung sind ein Dutzend Vereinigungen beteiligt, in deren Dunstkreis sich auch Verschwörungstheoretiker sowie Rassisten und Antisemiten bewegen. Die bekommen durch Sie eine Plattform in der Öffentlichkeit.
Diese Vereinigungen bilden sicherlich ein breites politisches Spektrum ab, extremistisch sind sie aber nicht. Das Problem ist, dass es sich dabei zumeist um offene Gruppen handelt, bei denen sich theoretisch jeder einklinken kann, gerade auf Social Media. Wenn sich diese Personen dann in irgendeiner anderen Telegram-Gruppe rassistisch äussern, fällt das natürlich auf die erwähnten Vereinigungen zurück. Das ist bedauerlich, verhindern kann man es aber leider nicht.

«M eine persönlichen Ansichten decken sich auch nicht eins zu eins mit denen aller beteiligten Person. »

An der Corona-Demonstration Anfang August in Berlin haben Rechtsextreme die Kundgebung für ihre Zwecke genutzt. Was tun Sie, wenn am Samstag extreme Rechte auftauchen und Parolen brüllen?
Natürlich will ich solche Leute nicht an der Kundgebung. Das zu kontrollieren, übersteigt unsere Möglichkeiten allerdings bei Weitem. Dafür ist die Polizei zuständig, die für die öffentliche Sicherheit sorgen muss. Sie wird aber wohl vor allem mit Linksextremen beschäftigt sein. Die Antifa hat Störaktionen angekündigt.

Auf Twitter begründet die Antifa die geplante Aktion damit, dass der Abtreibungsgegner Daniel Regli im OK mit dabei sei. Die Antifa bezeichnet Regli als «homophob».
Daniel Regli hat sich das eine oder andere Mal mit Berufung auf die Bibel zur Homosexualität geäussert. Er ist in gewissen Kreisen eine umstrittene Person, dessen bin ich mir bewusst, und meine persönlichen Ansichten decken sich auch nicht eins zu eins mit denen aller beteiligten Person. Das ist aber noch lange kein Grund, jemanden auszuschliessen. Denn hier geht es darum, gemeinsame Ziele zu verfolgen. Im Übrigen ist Daniel Regli gar nicht im OK dabei und er wird auch nicht als Redner auftreten. Das war eine bewusste Entscheidung von mir. 

Prominente Corona-Skeptiker
Die bewilligte Kundgebung «Zurück in die Freiheit» findet am Samstag, 29. August, von 17 bis 19 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich statt. Als Redner treten auf: Andreas Heisler (Hausarzt), Marco Caimi (Männerarzt), Markus Erb (Rechtsanwalt), Christian Zürcher (Internist), Urs Hans, Biobauer und Kantonsrat (ehemals Grüne). Die Organisatoren rechnen mit 500 Teilnehmern. Die Antifaschistische Aktion Zürich hat per Twitter Störaktionen angekündigt. (tba)

Sie kämpfen gegen die Maskenpflicht, an der Kundgebung müssen die Teilnehmer aber eine tragen – staatlich verordnet. Werden Sie sich fügen oder den Abbruch der Veranstaltung riskieren?
Wir werden auf die geforderte Pflicht aufmerksam machen. Wie das BAG schreibt: Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Menschen mit medizinischen Gründen. Wir werden kooperativ sein, erwarten aber auch ein gewisses Augenmass der Polizei. Schliesslich wurden die nicht bewilligten Black-lives-matter-Demos auch nicht wegen fehlender Masken und mangelnder Distanz aufgelöst.

«J eder wird zum Polizisten seines Nächsten gemacht. »

Was haben Sie denn gegen Masken?
Die Problematik ist folgende: Die Atemluft ist ein Weg, mit dem sich der Körper entgiftet. Sie enthält Toxine, Viren, Bakterien, Pilze – das alles sammelt sich in der Maske an, und nach einer halben Stunde ist der CO2-Wert im Blut erhöht. Auch kommt es häufig zu Hautausschlägen. In der Öffentlichkeit kann man Masken nicht hygienisch tragen, weshalb ein Nutzen auch nur unter klinischen Bedingungen belegt werden kann.

Die Mehrheit der Virologen und Epidemiologen empfehlen aber das Tragen von Masken.
Dass das die Mehrheit ist, bezweifle ich stark. Es sind einfach die sogenannten Experten, die vom Bund zitiert werden und in den Medien zu Wort kommen. Ich habe beim BAG nach Studien gefragt, die den Nutzen von chirurgischen Masken gegen die Verbreitung von Viren beweisen. Erhalten habe ich keine. Wenn sich jemand Sorgen macht, dann kann er sich mit einer FFP3-Maske schützen. Aber deswegen alle Menschen zum Maskentragen zu zwingen, ist grotesk. So bringt man nur die Leute gegeneinander auf, jeder wird zum Polizisten seines Nächsten gemacht.

Weltweit steigen die Corona-Infektionen wieder an. Machen Sie sich gar keine Sorgen?
Sollte ich? Wenn man sich die Mühe macht und auch die Mortalität und die Anzahl Hospitalisierungen anschaut, dann rücken diese vermeintlichen Schreckenszahlen in den Hintergrund. Denn die allermeisten positiv Getesteten sitzen einfach putzmunter zu Hause in der Quarantäne.

Das Coronavirus ist also bloss ein «Grippchen»?
Es kann einem sehr schlecht gehen mit dem Coronavirus, aber auch mit einer Grippe – jährlich sterben sehr viele Menschen an Influenza. Tatsächlich liegt die Mortalität während der angeblichen Corona-Pandemie im Rahmen einer normalen Grippewelle.

Allerdings wird immer deutlicher, dass eine Corona-Infektion schwere Folgeschäden haben kann.
Neurologische Störungen, Herzmuskelentzündungen, Verlust des Geruchsinns – das alles ist nicht corona-spezifisch, sondern ist auch mit vielen anderen Viren möglich.

«D as geht nicht mit meinem Verständnis für Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit einher. »

Sie und beteiligte Gruppierungen kämpfen auch gegen einen vermeintlichen Impfzwang. Doch ein generelles Impfobligatorium sieht der Gesetzgeber auch in der extremsten Auslegung nicht vor.
Es gibt über Jahre erprobte Impfmethoden, bei denen eine Immunisierung etwa über abgetötete Viren erfolgt. Das kann man gut finden, oder auch nicht. Nun aber sollen genetische Impfstoffe eingesetzt werden, die die menschliche DNA beeinflussen. Ein solches Verfahren ist weltweit noch nie angewendet worden, mögliche Risiken sind komplett unerforscht. Dass diese Wirkstoffe mittels einer massiv verkürzten Zulassung auf den Markt kommen sollen, ist weit entfernt von jeder Ethik und Wissenschaft.

Dennoch: Niemand wird dazu gezwungen.
Noch nicht, aber in diese Richtung wird gearbeitet, und der öffentliche Druck, sich impfen zu lassen, wird extrem zunehmen. Aber nicht nur in Bezug auf Impfungen, sondern auch im Zusammenhang mit Tests und Therapien. Und das geht nicht mit meinem Verständnis für Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit einher.

Steckt Microsoft-Chef Bill Gates dahinter, der uns allen mithilfe der WHO Mikrochips injizieren und die Menschheit damit kontrollieren will?
Schon klar, man will uns in die Verschwörer-Ecke stellen. Tatsache ist, dass die WHO wie schon bei der Schweinegrippe nicht mehr die Gefährlichkeit des Virus als Massstab für das Ausrufen einer Pandemie nimmt, sondern allein die Anzahl Infektionen. Wer aufgrund welcher Erkenntnisse solche Empfehlungen ausspricht, ist ausserdem alles andere als transparent. Im Fall von Bill Gates sehe ich keine Anhaltspunkte, dass er plötzlich vom Saulus zum Paulus mutiert sein soll.

« Erschreckend ist doch aber, dass überhaupt an implantierbaren Mikrochips geforscht wird. »

Also ist er doch des Teufels?
Bill Gates ist sicher nicht der Weltbeherrscher mit finsterem Plan. Aber er stand wiederholt wegen Verstössen gegen das Kartellrecht vor Gericht, sein Unternehmen wäre beinahe zerschlagen worden. Und er investierte viel Geld in Unternehmen, die jetzt von der aktuellen Situation profitieren und ihn nun noch reicher machen. Erschreckend ist doch aber, dass überhaupt an implantierbaren Mikrochips geforscht wird – etwa am Massachusetts Institute of Technology .

Gibt es demnach doch eine Verschwörung?
Die weltweiten Auswirkungen von Corona sind viel zu komplex, um von einer finsteren Macht oder einem geheimen Zirkel geplant worden zu sein. Da ist etwas ins Rollen gekommen, das riesige Ausmasse angenommen hat und sich nicht mehr stoppen lässt, weil Politiker, Wissenschaftler und Medien nicht gerne Fehler zugeben und mittlerweile einfach zu viele davon profitieren.

Jetzer wollte Stadtpräsident werden
Patrick Jetzer ist Präsident der corona-kritischen Vereinigung Wirsindanderermeinung.ch und Mitglied von Wir2020. Er ist Autor des Buches « Corona-Fakten-Check», das demnächst im Libertarian Verlag erscheint.
Jetzer ist Gründer der Ethischen Partei Schweiz EPS, für die er Anfang 2018 für das Dübendorfer Stadtpräsidium kandidierte. Als komplett unbekannter Kandidat ohne lokalpolitische Parteischwerpunkte blieb er jedoch chancenlos. Ein halbes Jahr später ging die EPS in der Vereinigung Friedenskraft auf, aus der Jetzer schliesslich austrat. Der 48-Jährige ist gelernter Chemielaborant und absolvierte die höhere Berufsprüfung zum Pharma-Spezialisten. Jetzer hat zwei erwachsene Kinder. (tba)

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