Herr Jetzer, der Lockdown ist lange vorbei, die Grundrechte sind wiederhergestellt, das Leben hat sich zu einem guten Stück normalisiert – wieso jetzt diese Kundgebung, wieso die Forderung «zurück in die Freiheit»?
Patrick Jetzer: Es gibt aktuell massive Eingriffe in die persönliche Freiheit, etwa durch die Maskenpflicht oder den Zwang, Kontaktdaten angeben zu müssen. Und mit den durch erhöhtes Testen generierten zunehmenden Ansteckungszahlen wird der Ruf nach weiteren Zwangsmassnahmen immer lauter. Da wird ein Überwachungs- und Polizeistaat aufgebaut. Die Spitäler vor Überlastung zu schützen, ist ja wohl schon lange kein Argument mehr.
An der Kundgebung sind ein Dutzend Vereinigungen beteiligt, in deren Dunstkreis sich auch Verschwörungstheoretiker sowie Rassisten und Antisemiten bewegen. Die bekommen durch Sie eine Plattform in der Öffentlichkeit.
Diese Vereinigungen bilden sicherlich ein breites politisches Spektrum ab, extremistisch sind sie aber nicht. Das Problem ist, dass es sich dabei zumeist um offene Gruppen handelt, bei denen sich theoretisch jeder einklinken kann, gerade auf Social Media. Wenn sich diese Personen dann in irgendeiner anderen Telegram-Gruppe rassistisch äussern, fällt das natürlich auf die erwähnten Vereinigungen zurück. Das ist bedauerlich, verhindern kann man es aber leider nicht.
«M eine persönlichen Ansichten decken sich auch nicht eins zu eins mit denen aller beteiligten Person. »
An der Corona-Demonstration Anfang August in Berlin haben Rechtsextreme die Kundgebung für ihre Zwecke genutzt. Was tun Sie, wenn am Samstag extreme Rechte auftauchen und Parolen brüllen?
Natürlich will ich solche Leute nicht an der Kundgebung. Das zu kontrollieren, übersteigt unsere Möglichkeiten allerdings bei Weitem. Dafür ist die Polizei zuständig, die für die öffentliche Sicherheit sorgen muss. Sie wird aber wohl vor allem mit Linksextremen beschäftigt sein. Die Antifa hat Störaktionen angekündigt.
Auf Twitter begründet die Antifa die geplante Aktion damit, dass der Abtreibungsgegner Daniel Regli im OK mit dabei sei. Die Antifa bezeichnet Regli als «homophob».
Daniel Regli hat sich das eine oder andere Mal mit Berufung auf die Bibel zur Homosexualität geäussert. Er ist in gewissen Kreisen eine umstrittene Person, dessen bin ich mir bewusst, und meine persönlichen Ansichten decken sich auch nicht eins zu eins mit denen aller beteiligten Person. Das ist aber noch lange kein Grund, jemanden auszuschliessen. Denn hier geht es darum, gemeinsame Ziele zu verfolgen. Im Übrigen ist Daniel Regli gar nicht im OK dabei und er wird auch nicht als Redner auftreten. Das war eine bewusste Entscheidung von mir.

