Eine der Lehren aus der Coronakrise ist, dass wir uns stets auch auf das Unerwartete vorbereiten müssen. Mit entsprechenden Konzepten, Strukturen, dem Personal und dem entsprechenden Material. Denn wenn es hart auf hart geht, schaut jedes Land zuerst für sich selbst. Und es fehlt plötzlich in der technologischen Spitzennation Schweiz an so simplen Schutzmitteln wie Masken. Einfach weil wir zu wenig weitsichtig waren, unsere Sicherheit vernachlässigt und uns auf die Versorgung aus dem Ausland verlassen haben.
Seit Jahrzehnten ist es die Aufgabe der Armee, sich auf solche unerwartete, extreme Situationen vorzubereiten. Damit sie in Krisensituationen die Sicherheit der Schweiz gewährleisten kann, braucht sie die nötigen Konzepte, Strukturen, das Personal – und die notwendigen Mittel. Insbesondere beim Material gibt es seit einigen Jahren aber bedenkliche Schwachstellen. Akut ist diese bei der Luftverteidigung.
Die Luftabwehr verfügt kaum mehr über zeitgemässe Mittel und die Luftwaffe operiert heute mit einer ausgedünnten Flugzeugflotte. Die Tiger sind bestenfalls noch für Trainings zu gebrauchen ist. Das verwundert auch nicht weiter, hätten sie doch, wenn sie Autos wären, längst Oldtimerstatus. Diesen gibt’s für mindestens 30-jährige Fahrzeuge. Die Jets wurden 1978 beschafft. Die 1996 in Dienst genommenen F/A-18 vermögen dank verschiedener Modernisierungen zwar noch ihre Aufgabe zu erfüllen. Doch spätestens in zehn Jahren stehen auch sie an ihrem Lebensende. Der einst so viel beschworene Luftschirm über der Schweiz ist bedrohlich löchrig geworden.
Daher stimmen wir nun am 27. September über die Beschaffung neuer Kampfjets ab. Maximal sechs Milliarden Franken sollen dafür eingesetzt werden. Aus Kostengründen ist es sinnvoll, die beiden heute noch im Einsatz stehenden Flugzeugtypen durch einen einzigen zu ersetzen, wird damit der Unterhalt doch zusätzlich vereinfacht. Und auch wenn die F/A-18 noch bis 2030 in der Luft sein können, ist die Abstimmung jetzt dringend, dauert ein geordneter Beschaffungsprozess doch mehrere Jahre.
Die Schweiz muss die Sicherheit nicht nur am Boden gewährleisten können, sondern auch in der Luft. Zwar gibt es um unser Land herum keine bewaffneten Konflikte. Doch scheinbar stabile Verhältnisse können sich rasch ändern. Anders als noch vor 30 Jahren sind die Risiken heute schwerer vorhersehbar. Wegen neuer Arten der Kriegsführung – Stichwort Cyberwar – verschwinden die konventionellen Bedrohungen nicht. Vielmehr wird das Spektrum erweitert. Und auf alle muss die Armee eine Antwort haben.

