Wo es im Tösstal kreucht und fleucht
Von aussen sieht das Grundstück unscheinbar aus. Wenn nicht oben an einer alten Garage ein Schild mit einem grossen Frosch hängen würde, könnte man das Vivarium Tablat glatt übersehen.
Die Geschichte dieses kleinen Naturzentrums begann vor rund 30 Jahren. Damals zog der Biologe Ruedi Bärtschi in den Turbenthaler Weiler. Zu seinem Grundstück gehören auch 1200 Quadratmeter Land. «Dort war eine ehemalige Güllewiese», erinnert sich Bärtschi.
«Sünnele» in der Strauchhecke
Für den Naturschützer war sofort klar, dass sich etwas ändern musste. «Hier soll ein Naturgarten als Lebensraum für zahlreiche heimische Pflanzen und Tiere entstehen.» So begann Bärtschi damit, artenreiche Strauchhecken zu pflanzen. Diese eignen sich hervorragend als Unterschlupf für kleine Lebewesen wie Igel oder Eidechsen.
«Das ist ein natürlicher Prozess.»
Ruedi Bärtschi, Biologe und Inhaber des Vivarium Tablat
«Dort können sie am Heckenrand sünnele und sind etwas vor Hauskatzen und Greifvögeln geschützt.» Und auf der artenreichen Magerwiese, die Bärtschi nur zum Teil mäht, finden wohl Hunderte von Insekten ihr Futter. «Wenn der Lebensraum stimmt, kommen auch die Tiere zurück», meint er.
Vor Jahren legte er ausserdem einen kleinen Teich an. In der Zwischenzeit ist ein Teil des Gewässers wieder verlandet. «Das ist ein natürlicher Prozess.» Der Teich ist trotzdem – oder gerade deswegen – immer noch bewohnt. Er bietet beispielsweise Lebensraum für Libellen oder Amphibien wie Frösche und Molche.
Fressen und gefressen werden
Doch nicht alle Tiere kamen von sich aus nach Tablat. So hält Bärschi im Innenraum in so genannten Aquaterrarien einheimische Amphibien wie Gelbbauchunken und Feuersalamander. Im Garten befinden sich ebenfalls Terrarien, wo er unter anderem alle acht einheimischen Schlangenarten untergebracht hat.
Die Wassernattern werden etwa alle zwei Wochen mit Fischen gefüttert. «Meistens sind es Schwalen, die ich von einem Berufsfischer kaufe», sagt er. Die anderen Schlangenarten wie Zornnatter oder Kreuzotter fressen Mäuse.
Einige von ihnen stammen ebenfalls aus dem Vivarium. Im Innenraum hat Bärtschi ein Terrarium mit Zwegmäusen: «Die Tiere vermehren sich unheimlich schnell», erklärt er. Und deshalb enden einige als Schlangenfutter. Auch das gehöre zur Natur. «Aber lebendig verfüttere ich sie nicht», betont er.
Niemals kostendeckend
Die Artenvielfalt in seinem Vivarium zeigt Bärtschi auch interessierten Besuchern. Jeweils am Sonntag von Mai bis Oktober öffnet er die Tore. Unter der Woche bietet der pensionierte Biologielehrer auf Voranmeldung auch Führungen für Gruppen und Schulklassen an.
Trotz des Booms von Ferien in der Schweiz öffnete Bärtschi auch dieses Jahr das Vivarium nicht während der Sommerferien. Dass er deshalb auf Einnahmen verzichtet, macht Bärtschi keine Kopfschmerzen. Angestellte habe er ohnehin keine. «Die ganze Einrichtung ist niemals kostendeckend. Das Vivarium wird vom Kanton unterstützt. Aber was ich hier mache, ist und bleibt auch immer ein grosses Hobby.»
