Von alten Burgen mit und ohne Aussicht
Am Bahnhof Wila steht mir für einmal nicht der kurze Fussweg ins Redaktionsbüro bevor, sondern eine Wanderung nach Bauma. Kaum hat die S26 den Bahnhof Wila verlassen, überquere ich den Bahnübergang und kurz danach die Brücke in Richtung Tablat.
Ich biege rechts ab und spaziere entlang der Töss. Der Start meiner Wanderung ist nämlich ein lockeres Einwärmen für die Höhenmeter, die noch kommen werden. Rund 20 Minuten trotte ich dem Fluss entlang.
Dann erreiche in den Turbenthaler Weiler Tablat, wo ich Ruedi Bärtschi im Vivarium Tablat einen kurzen Besuch abstatte. Während ich die Reptilien und die Artenvielfalt der Magerwiese bewundere, versuche ich zu verdrängen, was mir bald bevorsteht.
Der Aufstieg zur Burg
Der Spaziergang in flachem Gelände wird bald vorbei sein. Nach meinem Besuch im Vivarium erreiche ich kurz darauf den beliebten Badeplatz Toni Gumpen in Wila, der am früheren Morgen noch verwaist ist. Doch für einmal breite ich hier weder mein Frotteetuch aus, noch gehe ich der Töss entlang weiter nach Bauma. Nein, heute beginnt hier mein Aufstieg zur Burgruine Hochlandenberg.
Hoch-landenberg, wie der Name schon antönt, muss ja bekanntlich irgendwo weit oben sein. Und irgendwie müssen diese rund 220 Höhenmeter überwunden werden. Rund eine halbe Stunde geht es bergauf. Schon jetzt freue ich mich auf die Aussicht, die mich nach dem Erklimmen der alten Festung wohl erwartet.
Doch daraus wird leider nichts. Mit überraschend frischen Beinen erreiche ich zwar mein Zwischenziel, doch von der einstigen Burg ist leider nicht mehr allzu viel übrig. Und die erhoffte Aussicht bietet sie mir auch nicht. Zu verwachsen ist der Hügel. Ich kann einzig Baumspitzen und Gestrüpp bewundern.
Fast in Au gelandet
Aus diesem Grund entscheide ich mich gegen eine kurze Pause auf einem Bänkli. Ein Schluck Wasser muss vorerst reichen für den Abstieg in den Weiler Vorder Eich. Und genau dort passiert es: Ich biege falsch ab.
Für diesen Lapsus gebe ich aber nicht nur mir, sondern auch der Signalisation die Schuld. Natürlich ist der Weg zum «Chämmerli» nach links angegeben, aber an der Wegkreuzung hat es nur noch einen gelben Pfeil. Nach rechts.
Obrigkeitsgläubig wie ich bin, biege ich nach rechts ab. Doch schnell merke ich, dass ich mich auf dem Weg nach Au befinde. Zwar auf dem rechten Weg, doch trotzdem auf dem falschen. Denn das ist nicht die Richtung, in die ich eigentlich möchte. Ein kurzer Blick auf das App mit der Wanderkarte bestätigt meine Vermutung.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als umzukehren. Innerlich fluche ich natürlich. Wer stellt denn auch so einen Wegweiser auf? Und gleichzeitig weiss ich: Ich hätte ja auch einfach nochmals die Wanderkarte auf meinem Handy konsultieren können.
Brombeeren zum Trost
Immerhin entdecke ich am Rand des Weges in paar wilde Brombeeren. Diese Leibspeise von mir werde ich noch öfters auf der Wanderung antreffen. Und was tröstet besser über einen Umweg von zehn Minuten hinweg als ein saftiges, süsses Brombeeri.
Nach einer kurzen Strecke durch den Wald erreiche ich schon bald das Chämmerlibachtobel. Nun führt der Weg etwa 40 Minuten entlang des Bachs hoch zum Hof «Chämmerli». Im Wald und am Wasser ist es angenehm kühl. Der Höhepunkt dieses Streckenabschnitts sind zwei, drei kleine Wasserfälle. Ich gebe zu, so etwas habe ich vom Chämmerlibach nicht erwartet.
Wo es im Tösstal kreucht und fleucht
29.08.2020

Vivarium Tablat
Der Biologe Ruedi Bärtschi hat mit seinem Vivarium mit Naturgarten Lebensräume für einheimische T Beitrag in Merkliste speichern Auf dem letzten Abschnitt der Strecke muss ich dann kurz warten. Vor mir arbeiten Mitarbeiter des kantonalen Tiefbauamts an einer neuen Treppe für eine ziemlich steile Stelle. Ich warte, bis sie mit der nächsten Stufe fertig sind. Und darf bis zur nächsten Sanierung stolz behaupten: «Ich war die Erste, die diese Treppe bestiegen hat.»
Die Aussicht zum Zweiten
Beim Chämmerli geht es nun nochmals rund eine halbe Stunde meistens durch den Wald, bis ich schneller als erwartet die Burgruine Altlandenberg erreiche. Im Gegensatz zu Hochlandenberg sieht man noch deutlich, dass hier einmal eine Burg stand, beziehungsweise als Ruine immer noch steht.
Auf den Treppen steige ich empor in das Zentrum. Der letzte Aufstieg der Wanderung. Oben angekommen erwartet mich eine schönere Aussicht als bei Hochlandenberg – ein wunderbarer Blick von oben auf Bauma.
Die Ruine Altlandenberg ist ein hervorragender Platz für eine längere Pause. Nicht nur hat es genug Sitzbänke und zwei Feuerstellen, man kann auch hervorragend stundenlang Versteckis spielen. Das habe ich vor Jahren schon getestet.
Heute bleibt dieser Programmpunkt aufgrund mangelnder Wandergspändli leider aus. Immerhin habe ich genug Zeit, mir die Informationstafel zur Burg genauer anzuschauen. Diese wurde ums Jahr 1200 erbaut und über längere Zeit von den Landenbergern bewohnt.
Wer genug hat von der Burg, muss danach noch rund 15 Minuten den Berg hinunter zum Bahnhof Bauma laufen. Und darf dabei bis zur Sanierung der Hundschilen-Brücke über den provisorischen Steg balancieren. Dieser ist überraschend wackelig. Ich bin heilfroh, als ich auf der anderen Seite ankomme. Von dort ist es ein Katzensprung zum Bahnhof, dem offiziellen Endpunkt der Wanderung. Zeit für ein Glacé.
