Mit Legenden und Panini-Album
Für viele Schweizerinnen und Schweizer ist der 1. August der Feiertag schlechthin, für die Mitglieder des FC Fehraltorf hingegen findet der festliche Höhepunkt des Jahres erst zwei Wochen später statt: Am 14. August jährt sich die Gründung des Fussballclubs zum 90. Mal.
Richtig gefeiert wird das Jubiläum erst am 19. und 20. September beim Klubhaus Hüttenwis. Die Planung der Feier ist aufgrund der Corona-Pandemie allerdings von Unsicherheiten geprägt.
Geburtstagsfeier unter Ungewissheit
Am Freitagabend ist als Einstimmung auf das Wochenende eine Feier mit geladenen Gästen geplant – mit Trainern, Sponsoren und Gemeindevertretern. « Am 19. September möchten wir einen Sponsorenlauf durchführen, an dem sämtliche Mannschaften des Vereins teilnehmen » , so Harsch, der zugleich auch Schiedsrichterverantwortlicher sowie Leiter des Spielbetriebs und der Juniorenabteilung ist.
« Wir behalten uns aber auch vor, die Festlichkeiten zu ‹canceln› , wenn die Fallzahlen weiter steigen sollten. »
Ronny Harsch, Vizepräsident FC Fehraltorf
Am Samstagabend soll dann eine öffentliche Party steigen. Allenfalls werden sich am Samstag auch Vereinslegenden auf dem Platz gegenüberstehen. « Vielleicht können wir am Jubiläumswochenende noch einen Match mit ehemaligen Spielern des FC Fehraltorf organisieren, aber das ist noch unklar » , so Harsch. Der Vorstand des FCF hat ausserdem eine spezielle Aktion geplant: « Wir möchten ein Panini-Album selber gestalten, in dem Bilder von aktuellen Aktivspielern und Junioren des Clubs eingeklebt werden können. »
Stand heute gingen sie davon aus, dass die Feierlichkeiten zum 90-Jahre-Jubiläum über die Bühne gehen können. Dabei würden sie verschiedene Hygiene- und Abstandsrichtlinien berücksichtigen, so Harsch. « Wir behalten uns aber auch vor, die Festlichkeiten zu ‹canceln› , wenn die Fallzahlen weiter steigen sollten. »
Historie im Zeichen der Gloggs
Vor 90 Jahren nahmen die Geschehnisse rund um den FC Fehraltorf ihren Lauf. « Am 14. August 1930 versammelte sich eine Schar fussballbegeisterter, junger Männer im Restaurant Bahnhöfli in Fehraltorf » , sagt Jürg Schaufelberger. Er ist Finanzchef und Vorstandsmitglied und hat sich mit der Vereinschronik des FCF beschäftigt. Bei diesem Treffen sei es darum gegangen, erste Traktanden zu besprechen, unter anderem die Gründung des Clubs und die Wahl des ersten Vorstandes.
Die treibende Kraft war Heinrich Glogg, ein Unternehmer aus Fehraltorf. Dessen Bruder Willy Glogg habe als erster FCF-Präsident für die ersten zwei Vereinsjahre geamtet. In der Folge hätten drei Generationen der Familie Glogg die Geschicke des FC Fehraltorfs geprägt, so Schaufelberger. Der im November 2019 verstorbene Ehrenpräsident Henri «Muchi» Glogg war ein Enkel des Gründungsmitgliedes Heinrich Glogg.
An der Generalversammlung im April 1931 wurde der Beitritt zum Schweizerischen Fussballverband (SFV) beschlossen worden. « Das löste einen grossen Zulauf von Spielern aus, weil die ‹wilden› Fussballvereine der Nachbarschaftsgemeinden (noch) nicht zum SFV gehörten » , sagt Schaufelberger. Bereits ein Jahr später sei die erste Juniorenmannschaft gegründet worden.
Achterbahnfahrt der Gefühle
Ein weiterer Meilenstein folgte im Jahr 1942, als der Club das Land des Fussballplatzes «Speck» kaufte, der unterdessen hauptsächlich als Trainingsplatz gebraucht wird. Seither sind drei weitere Rasenspielfelder dazugekommen. Auch ein Sandplatz, ein Rasentrainingsfeld, zwei Kleinfeld-Kunstrasen und eine Dreifach-Sporthalle stehen dem FCF zur Verfügung.
Der Verein durchlebte seit seinen Anfängen « eine bewegte Zeit und machte Hochs und Tiefs mit », schreibt der Club auf der Homepage. « In den 90er Jahren hatten wir zwischenzeitlich 20 Mannschaften, da begann eine erfolgreiche Phase », sagt Harsch. Erst hat der FCF demnach im September 1990 seinen sportlichen Höhepunkt erreicht, als die erste Mannschaft, die damals in der dritten Liga spielte, im Schweizer Cup auf der Hüttenwis vor 2‘000 Zuschauern den FC Zürich empfing, der zuvor in die Nationalliga A aufgestiegen war.
« Die Leistungen der ersten Mannschaft sind erfreulich. »
Ronny Harsch
Die 0:7-Niederlage, die der FCF von den Stadtzürchern kassierte, schien der guten Verfassung der Equipe keinen Abbruch zu tun. Im darauffolgenden Jahr gelang dem Club unter Trainer Hans Franz der erstmalige Aufstieg in die zweite Liga. 1996 folgte jedoch der Abstieg in die dritte Liga, wo sich die Mannschaft über eine Dekade lang halten konnte, ehe 2008 mit dem Abstieg in die vierte Liga der vorläufige Tiefpunkt erreicht war.
2015 gelang schliesslich der Aufstieg in die dritte Liga. Seither hält sich die Equipe Saison für Saison wacker in der oberen Tabellenhälfte. « Die Leistungen der ersten Mannschaft sind erfreulich, wir können gut mit den Konkurrenten mithalten » , sagt denn auch Vizepräsident Harsch.
Erfolgreiche Frauen
Nicht nur die Herren-, sondern auch die Frauenabteilung des FC Fehraltorf sorgte temporär für Furore. « Ungefähr 1998 haben wir eine Juniorinnenequipe ins Leben gerufen und diese auch relativ früh für den Spielbetrieb angemeldet » , so Harsch. Über die Jahre hätten sie aus den älteren Spielerinnen ein Fanionteam gegründet, das erst in der 3. Liga spielte und später in die 2. Liga aufstieg.
« Wir möchten im Juniorenbereich Spieler ausbilden, die sich mit dem FC Fehraltorf identifizieren. »
Ronny Harsch
« Das Highlight war dann der Sieg des kantonalen Cups 2014 in Kloten » , sagt Harsch. Leider hätten sie die Frauenteams aber vor wenigen Jahren auflösen müssen, da viele der Spielerinnen mit dem Fussballspielen aufhörten oder zu einem Nachbarsverein, beispielsweise zum FC Pfäffikon, wechselten.
Ansonsten pflege der FC Fehraltorf aber gute Beziehungen zu den Nachbarsvereinen, sagt Harsch. Mit dem FC Russikon und dem FC Weisslingen hat der Club beispielsweise seit mehreren Jahren Gruppierungen im Junioren- und Seniorenbereich.
Ziele auf und neben dem Platz
Zunächst soll nun vor der Jubiläumsfeier an der Generalversammlung ein neuer Präsident zur Wahl gestellt werden, der das seit der GV 2019 vakante Amt übernehmen wird, so Harsch. « Im Vorstand möchten wir uns zukünftig breiter abstützen und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. »
Mittelfristig soll auf der Sportanlage Hüttenwis das Naturfeld noch mit einem Kunstrasen ergänzt werden. Auch hinsichtlich der Vereinsphilosophie hat Harsch konkrete Vorstellungen, wie der FCF auftreten soll: « Wir möchten als Verein einen attraktiven Fussball zeigen und im Juniorenbereich Spieler ausbilden, die sich mit dem FC Fehraltorf identifizieren. »
Es gelte zudem, die vergangenen Monate, die « auch finanziell ein bisschen Spuren hinterlassen haben » , wirtschaftlich wieder aufzufangen, sagt Harsch. Das Jubiläumsfest sei deswegen aber nicht gefährdet, «dafür haben wir ein eigenes Budget erstellt.»