Politik

Das grosse Lohnranking der Gemeindepräsidenten

Die Ustermer Stadtpräsidentin verdient pro Jahr mehr als die Präsidenten der Städte Wetzikon und Dübendorf zusammen. Der Grund dafür liegt in der Professionalität.

Die Ustermer Stadtpräsidentin Barbara Thalmann verdient 100'000 Franken mehr als ihre Kollegen in Dübendorf oder Wetzikon.

Archivfoto: Christian Merz

Das grosse Lohnranking der Gemeindepräsidenten

Gerade einmal sechs Minuten dauert eine Zugfahrt von Uster nach Wetzikon. Doch nimmt man den Lohn der jeweiligen Stadtpräsidien zum Massstab, liegen Welten dazwischen. 77‘000 Franken verdient der Wetziker Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht (EVP) gemäss dem Lohnreport des «Blicks» pro Jahr. Barbara Thalmann (SP), die Stadtpräsidentin von Uster kommt im selben Ranking auf ein Einkommen von total 172‘419 Franken.

Bei der Differenz von knapp 100‘000 Franken könnte man von einem Klassenunterschied sprechen. Wetzikon, das ist die untere Mittelklasse. Uster – das ist die Schwelle zur Oberschicht.

Unterschiedliches Pensum

Für seinen Lohnreport hat der «Blick» die Gehälter der Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten von über 150 Gemeinden angefragt wurden. Ausgewählt wurden nur Gemeinden mit über 10‘000 Einwohner, nicht alle machten mit (siehe Box).

Auf der Auflistung aufgeführt wurde jeweils nicht nur der Jahreslohn inklusive Spesen. Sondern auch die Spesen im Einzelnen und das Pensum. Dieses liefert zumindest teilweise die Erklärung für die augenfälligen Gehaltsunterschiede zwischen Wetzikon und Uster. So wird das Pensum von Ruedi Rüfenacht mit 60 Prozent, jenes von Barabara Thalmann mit 80 Prozent aufgeführt.

Die Prozentzahl alleine erklärt die Diskrepanz in dieser Höhe zwar nicht. Würde Thalmann wie Rüfenacht 60 Prozent arbeiten, käme sie immer noch auf einen Lohn von rund 130‘000 Franken (und damit über 50‘000 Franken mehr). Aber dass die Ustermer Stadtpräsidentin heute überhaupt mit einem Pensum von 80 Prozent – und damit in einem höheren Pensum als alle anderen Gemeindepräsidenten in der Region – tätig ist, ist Ausdruck jener so genannten Professionalisierung, die Uster vor rund zehn Jahren einführte. Und die letztlich für den Lohnunterschied ursächlich ist.

«Sicher nicht zu wenig»

2010 wurde das Pensum des damaligen Ustermer Stadtpräsidenten Martin Bornhauser (SP) von 50 auf ein «Hauptamt» von 80 Prozent aufgestockt. Die pauschale Entschädigung wurde auf 168‘000 Franken festgesetzt.

Von diesem Entscheid, der vom Ustermer Parlament abgesegnet wurde, profitierten in der Folge Bornhausers Nachfolger Werner Egli (SVP) und Barbara Thalmann. Diese sagt, dass sie «sicher nicht zu wenig» Lohn erhalten würde. «Die Entschädigung ist sicher angemessen. Allerdings sollte man Uster nicht nur mit den Städten in der Region, sondern auch mit anderen Städten ähnlicher Grösse vergleichen.»

Andere Städte zahlen mehr

Tatsächlich kommt der Stadtpräsident beziehungsweise Stadtammann der 20‘000-Einwohner-Stadt Baden – eine Stadt, mit der sich das knapp 35‘000 Einwohner zählende Uster bei verschiedener Gelegenheit vergleicht – auf einen Lohn von 238‘760 Franken bei einem Pensum von hundert Prozent.

Und vergleicht man Uster mit Winterthur und Zürich, den beiden grösseren Städten im Kanton, ist Barbara Thalmann fast schon biedere Mittelklasse: Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) kommt gemäss «Blick» auf total 280‘551 Franken, die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch auf 283‘959 Franken.

Im «Milizamt»

Im Glattal bäckt man derweil kleinere Brötchen: André Ingold (SVP), der Stadtpräsident von Dübendorf, kommt mit seinem 60 Prozent-Pensum auf einen Lohn von 74‘000 Franken – und bewegt sich damit in ähnlichen Spähren wie der Wetziker Stapi Rüfenacht.

Ingold und Rüfenacht sprechen beim Wetziker Stadtpräsidium von einem «Milizamt» und grenzen sich mit diesem Begriff  gegenüber Uster ab. Beide arbeiten noch auf ihrem angestammten Beruf (beide als Geschäftsführer eines Generalunternehmens), während Thalmann ihre Tätigkeit als Architektin niedergelegt hat.

«Ich habe das Glück, von meinem Geschäft ins Stadthaus jeweils fünf Minuten zu benötigen. Aber ein Pensum von 50 bis 60 Prozent im Milizamt  ist für einen Stadtpräsidenten die oberste Grenze des Verkraftbaren », sagt Rüfenacht.

Widerstand des Parlaments

Schon mehrfach wurden in Wetzikon Anläufe genommen, das Stadtpräsidium besser zu entlöhnen. Sie scheiterten am Widerstand des Parlaments, zuletzt vor gut zwei Jahren.

In Dübendorf nahm eine entsprechende Debatte gar nie richtig Fahrt auf. Diskutiert wurde lediglich, ob die Nationalratsmandat von Ex-Stadtpräsident Lothar Ziörjen (BDP) mit seinem lokalpolitischen Wirken vereinbar ist. Um eine Lohnerhöhung ging es dabei höchstens peripher. «Sie wäre in Dübendorf chancenlos», glaubt Ingold. Mit dem Stapi-Gesamtpaket zufrieden ist er ohnehin: «Für mich stimmt es so. Wäre es mir ums Geld gegangen, hätte ich  dieses Amt nicht angenommen.»

Anm.: Alle Befragten bestätigten die vom «Blick» publizierten Zahlen mit geringfügigen Abweichungen.

Krösus Uster

Das ist die regionale Lohnrangliste der Gemeinde- und Stadtpräsidien gemäss «Blick» (massgebend ist der Lohn bei einem 100-Prozent-Pensum exklusive Spesen):

1.) Uster:
Lohn bei 100 Prozent: gut 211‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum liegt bei 80 Prozent, Lohn bei 172‘419 Franken, davon 3241 Spesen.

2.) Illnau-Effretikon:
Lohn bei 100 Prozent: 176‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum liegt bei 50 Prozent, Lohn bei 89‘500 Franken, davon 1500 Spesen.

3.) Pfäffikon:
Lohn bei 100 Prozent: 135‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum bei 40 Prozent, Lohn bei 54‘000 Franken, k.A. zu Spesen.

4.) Wetzikon:
Lohn bei 100 Prozent: 120‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum liegt bei 60 Prozent, Lohn bei 77‘700 Franken, davon 5700 Spesen.

5.) Hinwil:
Lohn bei 100 Prozent: 120‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum bei 50 Prozent, Lohn bei 60‘000 Franken, k.A. zu Spesen.

6.) Dübendorf:
Lohn bei 100 Prozent: knapp 107‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum liegt bei 60 Prozent, Lohn bei 74‘000 Franken, davon 10‘000 Spesen.

7.) Rüti:
Lohn bei 100 Prozent: Gut 104‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum bei 45 Prozent, Lohn bei 50‘000 Franken, davon 3000 Spesen.

8.) Volketswil:
Lohn bei 100 Prozent: 98‘000 Franken.
Tatsächlich: Pensum bei 50 Prozent, Lohn bei 53800 Franken, davon 4800 Spesen.

9.) Maur
Lohn bei 100 Prozent: knapp 92‘000 Franken.
Tatsächlich, Pensum bei 60 Prozent, Lohn bei 55‘000 Franken, k.A. zu Spesen.

Doch noch Antwort aus Hinwil

Nicht alle Gemeinden zeigten sich für die Lohnreportliste des «Blicks» auskunftsfreudig. Aus der Region gehörte die Gemeinde Hinwil zu den Verweigerern, sie lieferte zumindest keine vollständigen Angaben. Gegenüber «Züriost» reicht Gemeindeschreiber Roger Winter die Gehaltsangaben nun nach. Dem gesamten Gemeinderat stehe jährlich eine Summe von 240‘000 Franken zur Verfügung. Wie dieser Betrag unter den sieben Gemeinderäten inklusive Gemeindepräsident verteilt wird, legt der Gemeinderat jeweils fest. 2019 betrug das Gehalt des Gemeindepräsidenten bei einem Pensum von zirka 50 Stellenprozent 60‘000 Franken. Winter betont, dass keinerlei zusätzlichen Vergütungen wie etwa Spesen oder leistungsabhängige Bonuszahlungen ausgerichtet werden. (tis)

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