Das Leiden der Poller
Sie sind rund 60 Zentimeter gross, aus Granit und kosten pro Stück gemäss Angaben des Wetziker Tiefbauamtes fertig versetzt etwa 650 Franken. Und es gibt viele von ihnen, 23, um genau zu sein, schön aufgereiht entlang der Schönenwerdstrasse zwischen der Robank und dem Sack, dort Wetzikon, hier Seegräben. Die steinernen Poller stehen stramm – wenn sie nicht gerade wieder einmal von ihrem Platz gestossen werden, den sie seit der Neugestaltung der Strecke in den Jahren 2011/12 einnehmen.
Angekratzt und angepinkelt
Eines muss man den Granitblöcken lassen: Sie können einiges einstecken. In den nun acht Jahren ihres Daseins sind sie immer wieder touchiert, angerempelt, angekratzt und wohl auch manchmal angepinkelt worden. Die entsprechenden Spuren zeigen sich auf ihrem körnigen, schmucken Körper und auch auf den gelben Alu-Leuchtbändern, die ihnen nachträglich um die Taille gelegt worden sind. Die Poller sollen nämlich den Verkehr beruhigen, aber auch gut gesehen werden.
Letzteres scheinen sie nicht immer. Alleine im Juli sind gleich zwei von ihnen unsanft weggeschubst worden. Sie, die möglichen Fussgängern Schutz bieten sollen vor den heranrollenden Autos und Lastwagen, müssen immer wieder selbst ihren Kopf hinhalten – wenn sie denn einen hätten.
Block fällt, Auto steht
Der jüngste Zusammenstoss war ein besonders heftiger. Laut dem Wetziker SVP-Gemeinderat Stefan Kaufmann, der selbst an der Schönenwerdstrasse wohnt und dessen Hof alleine von sechs dieser Poller umzingelt ist, prallte ein Auswärtiger mit seinem Wagen gegen einen der Granitblöcke. Dieser wurde umgedrückt und rollte weg. Ganz im Gegensatz zum Auto: Das blieb stehen, nachdem es den letzten Schnauf noch in die Airbags ausgehaucht hatte. Das demolierte Gefährt musste abgeschleppt werden. Und der Poller wurde nach einigen Tagen, die er liegend neben dem Trottoir verbracht hatte, von Mitarbeitern des Tiefbauamtes wieder an seinen Platz gestellt. Etwas Mörtel soll ihm seine Standfestigkeit zurückgeben.
Und mit solchem Mörtel am Fuss sind gleich mehrere der Poller versehen. Zeugen von vergangenen Grenzverletzungen. Vier der Granitblöcke sind schon mehrfach von den Füssen geworfen worden. Die dortige Sollbruchstelle verhindert, dass sie weiter oben entzweit werden. Dass immer wieder dieselben umgefahren werden, konnte Kaufmann in den vergangenen Jahren beobachten. «Die haben ein Abo», stellte er schon vor drei Jahren fest.
Klötze auf dem politischen Parkett
Wie sich fast im Monatsrhythmus zeigt, habe viele Autofahrer Mühe mit den Platzverhältnissen. Die Strasse wurde bei der Umgestaltung verengt. Die Poller sollen einen verkehrsberuhigenden Effekt haben. Damit wird aber das Kreuzen schwierig. Zwei PWs mögen noch knapp aneinander vorbei kommen. Rollt ein Lastwagen daher, muss aufs Trottoir ausgewichen werden – und dort stehen dann eben die Poller.
SVP ärgert sich über die «Poller-Allee»
08.07.2017

Zu viel Firlefanz, zu viele teuer Pflastersteine und bereits Sanierungsbedarf: Die Wetziker SVP k Beitrag in Merkliste speichern Die Granitblöcke haben es schon früher in die Schlagzeilen gebracht. Unter anderem wegen der Wetziker «Poller-Allee» reichte Kaufmann als SVP-Fraktionspräsident ein Postulat ein. Er nervte sich vor allem darüber, dass im Strassenbau zu viel für Firlefanz ausgegeben werde und wollte in Erfahrung bringen, wo gespart werden könne.
In der Antwort des Stadtrates hiess es dann, dass bei künftigen weiteren Projekten jeweils bei der Gestaltung der «Wetziker Standard» festgelegt werden müsse – wobei auch die Bevölkerung dazu angehört werden soll. An den Pollern entlang der Schönenwerdstrasse wird sich jedenfalls nicht ändern. Und so werden diese sich auch weiterhin ausscherenden Fahrzeugen in den Weg stellen und Kratzer, Schrammen und Stösse still erdulden müssen.
