«Ich stecke genauso viel Herzblut in meine Karriere wie andere Athleten»
«Hautnah». So heisst eine neue fünfteilige Serie des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF), in der fünf Schweizer Spitzensportlerinnen und -sportler einen intimen Einblick in ihr Leben geben. Eine der porträtierten Athletinnen ist Abassia Rahmani, die zu den schnellsten Sprinterinnen auf Blades – das sind spezielle Rennprothesen – gehört.
Für «Hautnah» musste sie unbekanntes Terrain betreten. Denn zur Sendung gehört, dass sich die Athleten im Alltag selber filmen. Für die 28-Jährige, die in Wila aufgewachsen ist und heute in Winterthur lebt, war das eine neue und ungewohnte Erfahrung. « Man muss sich zuerst an die laufende Kamera gewöhnen und kommt sich zu Beginn etwas zu steif vor », sagt die amtierende Europameisterin über 200 Meter.
Ausgewogenheit im Vordergrund
In der ersten Folge, die letzten Donnerstag ausgestrahlt wurde, geht es um das Thema Ernährung. So sieht man Abassia Rahmani als Erstes beim Einkaufen. Dabei filmt sie sich selbst dabei, wie sie ihren Einkaufswagen füllt. Vor allem mit gesunden Lebensmitteln: Gemüse, Poulet oder Hüttenkäse.
Bei ihrer Ernährung achte sie auf Ausgewogenheit. «Genug Fett, genug Kohlenhydrate, genug Protein», sagt die Paralympics-Vierte von Rio. Mit dieser Ernährung funktioniere ihr Körper. Während des Trainings nimmt sie zusätzlich einen Shake mit Kohlehydraten. Empfohlen hat ihr dies ihre Sportärztin. «Denn in der Vergangenheit hatte ich etwas Mühe mit dem Muskelaufbau.»
Dabei kommt auch bei ihr der Genuss nicht zu kurz. So macht sie Aufnahmen davon, wie sie sich bei einem Grillabend im Elternhaus ein Stück Schokoladenmousse-Torte gönnt. Eine «Geburtstags-Ausnahme», wie sie erklärt.
Putzen vor dem Dreh
Solche Momente ebenfalls zu zeigen, war für Rahmani kein Problem. «Ich habe meiner Meinung nach nichts zu verstecken, daher kann ich mich auch entspannt so zeigen, wie ich bin und lebe», sagt sie. Einzig die Wohnung und ihre Küche habe sie vor dem Filmen etwas genauer geputzt als sonst. «Das ist aber durchaus menschlich», meint sie.
«Vorher möchte ich mich zu 100 Prozent der Paralympics-Vorbereitung widmen.»
Abassia Rahmani, Para-Leichtathletin aus Wila
Das SRF gebe den Sportlern viel Handhabe, was und wie sie sich präsentieren möchten. «Uns Athleten gibt man viele Vorschläge, welche wir dann nach eigenen Wünschen anpassen können», sagt Rahmani. Die Dreharbeiten für die restlichen Folgen sind noch nicht abgeschlossen. «Ich schätze es, dass die Themen von einem sehr aktuellen Standpunkt aus beleuchtet werden.»
Bevor sie für die SRF-Serie zugesagt hatte, musste sie eine Nacht darüber schlafen und sich mit ihrem Umfeld beraten. Der Zeitpunkt für ein solches Projekt erschien ihr jedoch richtig. «I n einer ‹normalen› Saison hätte ich wohl kaum die Zeit dafür gefunden.»
Doch mit der Verschiebung der Parallympischen Spiele auf 2021 haben sich die Pläne von Abassia Rahmani ohnehin verändert. So hat sie sich dafür entschieden, ihr Studium in Sportmanagement ein Jahr später zu beginnen. «Vorher möchte ich mich zu 100 Prozent der Paralympics-Vorbereitung widmen», sagt sie.
Herzblut, Schweiss und Trainingsstunden
Dieser Fokus auf das Sportliche stehen auch in «Hautnah» im Vordergrund. Rahmani ist die einzige Para-Athletin unter den fünf porträtierten Sportlern. Doch auf das «Para-» legt die Sendung keinen Schwerpunkt. Sehr zur Freude von Rahmani, die im Alter von 16 Jahren beide Unterschenkel aufgrund einer bakteriellen Blutvergiftung verloren hatte.
«Wenn man an eine Amputation denkt, sollte man in Zukunft nicht eine aussichtlose Situation vor Augen haben.»
Abassia Rahmani
«Schlussendlich stecke ich genauso viel Herzblut, Schweiss und Trainingsstunden in meine Sportkarriere wie andere Athleten», betont sie. Das verbinde alle Sportler auf einer wichtigen Ebene. Die Herausforderungen, Glücksmomente und Niederlagen seien ähnlich. «Ob man diesen Weg als Sportler nun mit Füssen oder Blades bestreitet, ist meiner Meinung nach sekundär.»
Sie verstehe es, dass die Zuschauer wissen wollten, wieso sie auf Blades renne. Und möchte ihnen gleichzeitig Berührungsängste in Zusammenhang mit Prothesen nehmen: «Wenn man an eine Amputation denkt, sollte man in Zukunft nicht eine aussichtlose Situation vor Augen haben, sondern einen Neuanfang mit sportlichen Möglichkeiten.»
Die Sendung «Hautnah» läuft jeweils am Donnerstagabend um 22 Uhr auf SRF zwei. Ausserdem findet man die Episoden im Internet in der SRF-Mediathek.
