Es «fägt» beim ersten Heimspiel in Rikon
Erst vor zwei Wochen begann die verspätete Tournee des Circolino Pipistrello. Und bereits jetzt sind die Pipistrelli wieder zurück in ihrem Winterquartier in Rikon. Am Mittwochabend präsentierten sie ihr neues Programm «Wir nicht! Sie auch.» zum ersten Mal vor «heimischem» Publikum.
Das Zuschauerinteresse war gross. Auch wenn vieles anders war, als man es sich von einem Pipistrelli-Auftritt gewohnt ist. Anstatt freier Platzwahl wurde einem der Sitzplatz im Zelt zugewiesen. Anstelle eines Stempels auf der Hand gab es ein Papierticket, Kontaktdatenerfassung inklusive.
Doch das hielt die rund 150 Zuschauerinnen und Zuschauer, darunter sehr viele Kinder, nicht von einem Zirkus-Besuch ab. Normalerweise fasst das Zelt der Pipistrelli rund 360 Personen, neu nur noch 150 bis 180. «Wegen Corona müssen wir Abstände lassen zwischen den einzelnen Besuchergruppen», erklärt Alina Schertenleib. Sie ist Artistin beim Circolino und verantwortlich für die Medienarbeit.
Romeo und Julia in Marakaan
Die Gäste erwartete eine Geschichte zu einem brisanten Thema. In Marakaan, dem wundervollsten Ort im Universum oben links, stehen sich zwei Gruppen gegenüber, die dunkel gegkleideten Daganoli und die hellen Phantagonen. Es wäre eigentlich so schön in Marakaan, wenn da nur nicht die anderen wären.
«Dass wir damit heute ein sehr aktuelles Thema aufgreifen, konnten wir nicht wissen.»
John Klingelhoffer, Artist und Medienverantwortlicher des Circolino Pipistrello
Doch im Verlauf der Vorführung kommen sich – wenig überraschend – die beiden Gruppen näher. Befeuert durch eine Liebesgeschichte. Romeo und Julia im Universum oben links – und dieses Mal sogar mit einem Happy End.
Die Erzählung passt zu gegenwärtigen politischen Debatten. Doch das sei Zufall, erklärt John Klingelhoffer, Artist und ebenfalls Medienverantwortlicher, nach der Vorstellung. «Unsere Regisseurin hatte bereits vor Längerem diese Idee. Dass wir damit heute ein sehr aktuelles Thema aufgreifen, konnten wir nicht wissen.»
Tosender Applaus
Die erzählerischen Elemente sind oft ohnehin nur Nebenschauplatz in der Manege. Im Zentrum stehen die künstlerischen Auftritte der Pipistrelli, seien dies Artistik, Tanzeinlagen oder die selbst gespielte Musik.
Den Zuschauerinnen und Zuschauern gefiel diese Kombination. Sie honorierten den Auftritt mit tosendem Applaus. Selbst Bravo-Rufe und lautes Johlen waren zu hören. Diese heitere Stimmung konnte auch die heiss-schwüle Luft im Zelt nicht trüben.
Vorbereitungen waren herausfordernd
Eigentlich hätte der Circolino bereits im April im Winterquartier in Rikon die Premiere von «Wir nicht! Sie auch.» feiern sollen. Doch aufgrund der Corona-Krise fiel der Tourneeauftakt ins Wasser. Anstelle der Tournee durch die Schweiz gab es Wägeliquarantäne in Rikon und Kurzarbeit für das Zirkusteam.
Doch seit zwei Wochen sind die Pipistrelli nun unterwegs. Und sind sehr froh darüber. «Es fägt mega, wieder uf Tournee zsii», sagte Alina Schertenleib in ihren Abschiedsworten ans Publikum. Die Auftritte in Rikon seien ohnehin immer speziell. «Es ist sicherlich ein Heimspiel», bestätigt John Klingelhoffer.
«Es war in der Vergangenheit nicht so, dass unsere Vorstellungen immer gut besucht waren.»
Alina Schertenleib, Artistin und Medienverantwortliche des Circolino Pipistrello
Die Vorbereitungen für dieses erste Heimspiel waren jedoch eine Herausforderung. «Wir haben zum ersten Mal ein elektronisches Ticket-System ausprobiert», erklärt Klingelhoffer. Dies, nachdem die Platzzuweisung und die Erfassung der Kontaktdaten an der ersten öffentlichen Vorstellung in Zürich zu viel Zeit in Anspruch genommen hatte.
Das Interesse ist da
Dass wegen der Schutzmassnahmen weniger Zuschauer im Zelt Platz finden, bereitet den Pipistrelli keine Bauchschmerzen. «Denn es war in der Vergangenheit nicht so, dass unsere Vorstellungen immer gut besucht waren», sagt Schertenleib. Die Hauptaufgabe der Pipistrelli sei ohnehin die Animation mit Erwachsenen und Kindern, zum Beispiel im Rahmen eines Ferienplauschs.
Nun stellen die Pipistrelli jedoch fest, dass das Interesse an einem Circolino-Besuch gestiegen ist. «Wohl, weil mehr Leute in der Schweiz bleiben und hier Unterhaltung suchen», vermutet Klingelhoffer. Ob dieser Trend anhält, wird sich zeigen. Auch an ihrem Kiosk verkaufen sie derzeit deutlich mehr wie sonst.
Wer die erste Vorstellung im Tösstal verpasst hat, hat am 19. August noch einmal die Möglichkeit dazu. Dann werden die Pipistrelli noch einmal auf ihrer Tournee im Schöntal Halt machen.
