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Uster will sich mit den Schweizer Giganten messen

Die Stadt Uster misst sich künftig mit anderen Schweizer Städten in Sachen Nachhaltigkeit. Die FDP, die einen entsprechenden Vorstoss lanciert hatte, fühlt sich missverstanden.

Die Stadt Uster soll sich künftig mit den Schweizer Metropolen in Sachen Nachhaltigkeit vergleichen., Stadträtin Karin Fehr (Grüne) ist überzeugt, dass Uster im schweizweiten Vergleich gut abschneidet., FDP-Gemeinderat Peter Müller sieht das Kernanliegen des politischen Vorstoss im Bericht des Stadtrates nicht erfüllt.

PD

Uster will sich mit den Schweizer Giganten messen

Einbruchdiebstähle, Mietpreise oder Wasserqualität; das sind Kriterien mit denen Usters künftig mit 19 anderen Schweizer Städten verglichen werden könnte. Denn der Stadtrat will sich dem sogenannten «Cercle Indicateurs» anschliessen (siehe Box). Das ist ein nationales Netzwerk, das sich mit der Messung der nachhaltigen Entwicklung in den Kantonen und in den Städten befasst.

Auf diesen Weg wurde der Stadtrat durch ein Postulat aus dem Gemeinderat gebracht. Die Exekutive sollte mittels eines «Nachhaltigkeitsberichts» für die Stadt Uster darlegen, in welchen Bereichen die Stadt das grösste Potential zur Verbesserung von nachhaltigem Handeln hat. Der Bericht soll gemäss den Forderungen der Postulanten aufzeigen «wohin Uster gehen kann und welches der beste Weg dorthin ist».

Unzufriedener Gemeinderat

Federführend bei dem Anliegen war Gemeinderat Peter Müller (FDP). Mit dem nun vorliegenden Vorschlag des Stadtrates ist er unzufrieden. «Leider scheint der Stadtrat die Idee des Postulates nicht aufgenommen zu haben.» Der Bericht entspreche höchstens teilweise dem geforderten. «Er könnte aber, wenn man es wohlwollend sieht, als erster kleiner Schritt in die richtige Richtung aufgefasst werden.» Die Antwort darauf, wo sich die Stadt für die Nachhaltigkeit engagieren soll, sprich das Kernanliegen des Postulates, sei der Stadtrat damit trotzdem noch schuldig geblieben.

Müller sieht aber auch Vorteile beim Beitritt zum Netzwerk «Cercle Indicateurs». Damit werde ein «sehr pragmatischer Weg» vorgeschlagen, welcher sich an etablierten Instrumenten orientiere. «Man will nichts neu erfinden und sichert sich zusätzlich die Vergleichbarkeit mit anderen Städten.»

Vergleich mit Genf

Damit ein Vergleich überhaupt möglich ist, muss Uster Daten liefern. 30 Indikatoren unterteilt in die Kategorien Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft sind im Netzwerk «Cercle Indicateurs» aufgeführt. Beispiele solcher Indikatoren sind die  erwähnten Einbruchdiebstähle, Mietpreise oder die Wasserqualität. Weitere Beispiele sind der Brutvogel-Index, die Arbeitslosenquote oder der Zugang zum ÖV. Wobei Uster nur zehn dieser Indikatoren selber liefern muss, der Rest stellt das Bundesamt für Statistik zur Verfügung.

«Uster muss sich nicht verstecken.»

Karin Fehr (Grüne), Stadträtin Uster

Dass Uster künftig im direktem Vergleich mit Städten wie Zürich, Winterthur, St. Gallen oder Genf steht, beeindruckt Stadträtin Karin Fehr (Grüne) nicht sonderlich: «Uster muss sich nicht verstecken.»

Gemeinderat äussert Bedenken

Gemeinderat Müller bleibt derweil kritisch. Die Kriterien erachtet er als ungeeignet für Uster. Wenn man sich die Indikatoren im Detail anschaue, merke man schnell, dass hier kein direkter Mehrwert für die Stadt entstehe und schon gar nicht auf konkrete Handlungsfelder geschlossen werden könne, so Müller.

Die Datenerhebung für diese Indikatoren erfolgt alle vier Jahre und dementsprechend erscheint auch der Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Uster zu diesem Zeitpunkt.

«Von dem klar formulierten Anliegen eines Zukunftspapiers, kann man leider nichts in der Antwort erkennen.»

Peter Müller (FDP), Gemeinderat Uster

Ein erstes Mal soll das 2022 der Fall sein, sofern der Gemeinderat Ende August dem Vorschlag des Stadtrates zustimmt. Die Exekutive bezeichnet den Aufwand für die Datenerhebung als «vergleichsweise moderat». Um eine Nachhaltigkeitsberichterstattung und die -beurteilung sinnvoll vornehmen zu können, sei mit finanziellen Aufwendungen von rund 19 000 Franken jährlich sowie einem personellen Aufwand von rund 15 Stellenprozenten zu rechnen.

«Die Stellenprozente sollten mit den vorhandenen Mitarbeitenden der Leistungsgruppe Umwelt bewältigt werden können», sagt Fehr.

Zeughausareal in der Nachhaltigkeitsbeurteilung?

Diese Einschätzung erachtet Peter Müller als realistisch: «Grundsätzlich scheint der Aufwand für die Erstellung des Berichtes vernünftig geschätzt.» Er zeigt sich aber besorgt, wegen der aktuellen finanziellen Lage der Stadt. So müsse es auch das Ziel sein, zusätzliche Leistungen, in dem Fall die benötigten 15 Stellenprozente der städtischen Mitarbeiter, durch Effizienzsteigerungen zu kompensieren.

Der Aufwand für die Stadt lohne sich auf jeden Fall, meint Fehr. «Die Nachhaltigkeitsberichterstattung und –beurteilung bringen für die Stadt einen Mehrwert. So könnten Projekte vorausschauend geplant und beurteilt werden.» Zum Beispiel Bauprojekte wie das Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Zeughausareal oder die Sanierung des Dietenrains, wo man die Erkenntnisse rechtzeitig integrieren könnte, sagt Fehr.

Umweltbericht soll einfliessen

Bisher hat die Stadt Uster ihre umweltrelevanten Aktivitäten und Kennzahlen im Umweltbericht veröffentlicht. Dieser soll künftig im Nachhaltigkeitsbericht integriert werden.

Für Müller der falsche Ansatz: «Man will wiederum – analog zum Umweltbericht – die Ist-Situation rapportieren. Ich hatte den Eindruck, dass es im Postulat klar formuliert steht, dass es sich um ein Zukunftspapier handeln soll, welches Handlungsfelder aufzeigt und eine Kosten-Nutzen-Analyse für diese durchführt. Davon kann man leider nichts in der Antwort erkennen.»

 

Was ist der «Cercle Indicateurs»?

Im Netzwerk «Cercle Indicateurs» sind zurzeit 17 Kantone und 19 Städte vertreten. Orchestriert wird das Ganze durch die Bundesämter für Raumentwicklung (Projektleitung) sowie Umwelt und Statistik. Im Kanton Zürich sind die Städte Bülach, Wallisellen, Winterthur und Zürich dabei. Die Nachhaltigkeitswerte der Städte im «Cercle Indicateurs» sind auf der Website des Bundes aufgeschaltet.

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