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Wird aus dem Turnhallenflop ein Tummelplatz für Krabbeltiere?

Der Ustermer Stadtrat hat einiges unternommen, um die temporäre Dreifachturnhalle im Buchholz zu verkaufen. Trotzdem bleibt er auf den Abbaukosten sitzen. Mit dem Abbruch will er nun ein Biodiversitätsprojekt realisieren.

Wir nun entsorgt, statt verkauft: Die Dreifachturnhalle im Buchholz in Uster., , , Auf diesem Land wurde sie einst gebaut und hier soll bald ein Biodiversitätsprojekt hin.

Markus Zürcher

Wird aus dem Turnhallenflop ein Tummelplatz für Krabbeltiere?

Die temporäre Dreifachturnhalle im Buchholz war für die Stadt Uster ein «Ladenhüter» und wird nun teuer entsorgt, statt verkauft. Über eine entsprechende Weisung mit Kredit für den Rückbau wird der Gemeinderat im September entscheiden. Stadträtin Karin Fehr (Grüne) ist  trotz gescheitertem Verkauf «froh, dass wir nun das Geschäft abschliessen können.»  

Wie aus der Weisung hervorgeht, hat der Stadtrat einiges unternommen, um die Halle «an den Mann» zu bringen. Zuletzt war eine Stiftung aus Rumänien im Spiel, die die Halle dort aufbauen wollte. Diese habe aber bis zum vereinbarten Zeitpunkt die finanziellen Mittel für den Rückbau, den Transport, die Zollgebühren sowie den Wiederaufbau der Halle nicht auftreiben können, sagt Fehr.

Verkaufsinserat in Fachzeitschrift

In seiner Weisung macht der Stadtrat weiter detailliertere Angaben zu vergangen Verkaufsbemühungen. So sei die temporäre Dreifachturnhalle im September 2016 und im Mai 2017 an den Fachtagungen des Bundesamtes für Sport vorgestellt worden.

Die Fachtagung 2017 fand auf der Sportanlage Buchholz statt. An der Veranstaltung sei die Halle direkt vor Ort von Architekten und Vertretern kommunaler Sport- und Bauämter besichtigt worden, schreibt der Stadtrat.

Zudem sei eine externe Firma beauftragt worden, die den Verkauf der Turnhalle unterstützt habe. Die Firma habe dann auch Gespräche mit potentiellen Interessenten geführt und für diese Abklärungen zum Wiederaufbau gemacht. Als weitere Verkaufsaktivität sei die Sportanlage mehrfach in der Fachzeitschrift «Schweizer Gemeinde» sowie in einem internationalen Fachmagazin als Inserat ausgeschrieben worden.

Doch das half alles nichts. Die Nachfrage für Einfach- oder Doppelhallen sei zwar da gewesen, nicht aber für eine Dreifachhalle. «Aus sportlicher Sicht hat die Halle ihren Sinn und Zweck vollumfänglich erfüllt. Die Verkaufschancen waren aber sicherlich zu optimistisch eingeschätzt worden», bilanziert Fehr nun. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass die temporäre Dreifachturnhalle ein Pionierprojekt gewesen sei. «Es ist bis anhin meines Wissens die einzige temporäre Dreifachturnhalle der Schweiz.»

Ein Nachteil, den Fehr im Rückblick als Kaufshemmnis ausmacht, ist der hohe Energieverbrauch der Halle. «Eine Stadt hat Interesse bekundet. Deren Vertreter wurden dann aber vom hohen Energieverbrauch abgeschreckt. Sie sahen diesen nicht mit ihrem Energiestadtlabel vereinbar», sagt Fehr, die den Namen des betreffenden Ortes nicht bekannt geben will.

Hohe Heizkosten, kalte Turnhalle

13.02.2018

Nutzer der temporären Dreifachturnhalle im Buchholz haben sich über tiefe Temperaturen in den Räu Beitrag in Merkliste speichern Der Verbrauch war auch schon Thema einer politischen Anfrage in Uster und verschiedene Vereine haben sich über die zu kalte oder warme Turnhalle beschwert, Auch Fehr beurteilt die Dämmung der Halle aus heutiger Sicht als «energiepolitisch suboptimal» und bezüglich Klimawandel als «mindestens fragwürdig».

Eine Viertelmillion Abbruchkosten

Leise Befürchtungen, dass ein Verkauf der Halle ein schwieriges Unterfangen darstellen wird, hatte der Stadtrat schon 2015 in seinem Antrag an das Parlament geäussert: «Der Markt für einen Wiederverkauf ist nicht sehr gross», hiess es da. Dennoch ging der damalige Stadtrat von einem möglichen Gesamtverkaufserlös für Container und Halle zwischen 500‘000 Franken und 800‘000 Franken aus.

Der beantragte Kredit für den Abbau beträgt nun 270‘000 Franken. Damit kann die Halle abgebaut, abtransportiert, entsorgt  und das Terrain im Buchholz wiederhergestellt werden. Der Stadtrat geht davon aus, dass rund 75 Prozent der Materialien wiederverwendet werden können. Die Causa «temporären Dreifachturnhalle» kostet die Stadt somit insgesamt 1,35 Millionen Franken.

Lebensraum für Kleintiere

Allerdings könnte es noch ein bisschen teurer werden, falls das Parlament die Option «Biodiversität» des Stadtrates annimmt. Mit dieser Variante für die zusätzlich ein Kredit von 55’000 Franken gesprochen werden müsste, soll auf dem Gebiet der heutigen temporären Dreifachturnhalle sowie unmittelbar daneben die Biodiversität erhöht werden. Der Stadtrat will das Gelände mit verschiedenen hochstämmigen Obstbäumen und Wildgehölz bepflanzen.

Analog zur Umgebung des Leichtathletikstadions sollen Totholz- und Steinhaufen zusätzliche Lebensräume für Kleintiere schaffen. «Durch die Ausgestaltung einer Restwasserfläche wird ein weiterer wertvoller Kleinstlebensraum geschaffen», schreibt der Stadtrat, und: Mit diesen Massnahmen werde zugleich die Aufenthaltsqualität auf der Sportanlage Buchholz verbessert.

Fehr sagt, dass der Rückbau der Halle eine grosse Chance biete, die Biodiversität und die Aufenthaltsqualität für die Besucher der Sportanlage Buchholz weiter zu steigern. Denn während der Coronazeit sei beobachtet worden, dass mit Badetuch ausgestattete Ustermer das Buchholz auch als Liegefläche entdeckt hätten.

 

Wie es zur Turnhalle als Übergangslösung kam

Im Jahr 2012 trat der damalige Regierungsrat Markus Kägi (SVP) mit der Frage an den Stadtrat heran, ob zur Überbrückung der dreijährigen Bauzeit in Uster geeignete Ersatzräume zur Verfügung stehen. Da die Ustermer Hallen sehr gut ausgelastet waren, beschloss der Stadtrat im Juni 2012, die Errichtung einer temporären «Kalthalle» zu prüfen. Die Halle sollte als Übergangslösung dienen, bis die zwei Dreifachturnhallen im Bildungszentrum Uster (BZU) fertig gebaut waren und eine weitere im gleichen Standort saniert war. Schliesslich entschied sich der Stadtrat im März 2013 eine «leicht beheizte Halle» zu realisieren, da weder Schulsportunterricht noch Vereinssport in einer Kalthalle realistisch seien. Im Gemeinderatsantrag zur Genehmigung des Baukredites vom Februar 2015 wurde festgehalten, dass die Benutzung der Halle auf drei Jahre befristet ist. Entsprechend wurde die Halle konstruiert und bewilligt.
Das Turnhallenprovisorium im Buchholz wurde dann im Juni 2016 in Betrieb genommen. Nachdem der Bau des BZU mit Turnhallen im Frühjahr 2019 abgeschlossen war, wurde die Temporäranlage im Buchholz nach Ablauf der Betriebsbewilligung Ende 2019 nicht mehr benutzt.

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