«Das Generationenprojekt steht nun auf Messers Schneide»
«Die Begründung für die Verschiebung der Abstimmung ist relativ einfach: Es besteht das Risiko, dass das im Fusionsvertrag festgehaltene Beteiligungsverhältnis von 50 zu 50 Prozent nicht eingehalten werden kann. Und wenn das nicht eingehalten würde, gäbe es keine Bestätigung der Revisionsgesellschaft. Ohne diese Unterschrift könnte die Fusion nicht vollzogen werden – und die Abstimmung wäre nutzlos», hält ein sichtlich enttäuschter Reinhard Giger, Verwaltungsratspräsident des Spitals Uster, fest. Jetzt sei der letzte Zeitpunkt gewesen, den Abstimmungstermin nochmals zu verschieben, da die Unterlagen demnächst in Druck gehen sollten.
Ein Jahr Verzögerung
17. Mai 2020: Wegen der Coronakrise verschoben. 27. September 2020: Wegen vertraglichen Problemen verschoben. Der dritte Termin für die Fusions-Abstimmung ist nun im Frühling 2021 vorgesehen. Im März oder spätestens am 13. Juni 2021 soll es sein, wie Jörg Kündig, Verwaltungsratspräsident der Wetziker GZO AG festhält. «Dass wir jetzt hier sitzen müssen, ist auch für mich frustrierend und enttäuschend», unterstreicht Kündig an der auf Dienstagnachmittag anberaumten Medienkonferenz im Spital Uster. «Immerhin waren wir bis vor kurzem noch auf Roadshows, um die geplante Spitalfusion vorzustellen.»
Abstimmung über Spitalfusion wird erneut verschoben
20.07.2020

Probleme beim Spital Uster
Statt im September soll erst im kommenden Frühling über die Fusion der beiden Spitäler GZO in Wet Beitrag in Merkliste speichern Dabei betont Kündig, dass beide Parteien, die GZO Spital Wetzikon wie das Spital Uster, trotz der nun aufgetretenen Probleme an der Fusionsabsicht festhalten: «Wir müssen diesen Hosenlupf schaffen. Schliesslich handelt es sich um ein zukunftsgerichtetes Generationenprojekt. Dieses steht jetzt aber auf Messers Schneide.»
Fusion bleibt das Ziel
Oberstes Ziel ist es nun, dass das Spital Uster seine finanziellen Perspektiven so weit verbessert, um ein paritätisches Beteiligungsverhältnis zu rechtfertigen. Für die Bewertung der beiden Spitäler werden der Substanzwert und die erwarteten Erträge auf die nächsten 15 Jahre hinaus herangezogen. Dabei dienen die letzten Jahresergebnisse als Indiz für die Zukunft. Und dieses Indiz ist im Fall des Spitals Uster eben negativ ausgefallen. Statt eines Plus von 4 resultierte im 2019 ein Minus von 7 Millionen Franken.
Wie genau das Verhältnis in der nun erfolgten Neubewertung aussieht, möchte Giger nicht sagen: «Bisher hat es etwa im Bereich 45:55 gelegen. Das wäre gemäss der Revisionsgesellschaft noch vertretbar.» Wenn es das Spital Uster bis im nächsten Frühling nicht schaffe, seine Aussichten zu verbessern, müsste ein neuer Vertrag mit neuen Austauschverhältnissen ausgearbeitet werden. Hier stellt Kündig klar, dass es im Prinzip nur drei Varianten gebe: «Erstens wir erreichen das ausgeglichene Beteiligungsverhältnis; zweitens, wir gehen eine neue Verteilung an; oder drittens ein Übungsabbruch. Selbstverständlich ist ersteres unser erklärtes Ziel.»
Ein anderes Beteiligungsverhältnis würde bedingen, dass der Fusionsvertrag neu aufgesetzt werden müsste. Für den ganzen politischen Prozess mit der Zustimmung der Gemeindeexekutiven und Parlamente müsste ein Jahr gerechnet werden. Das ginge viel zu lange, vor allem im Hinblick auf die neue Spitalliste. Die Bewerbungsfrist für diese dürfte Mitte 2021 starten. Und bis dahin wollen die beiden Oberländer Spitäler ihre Fusion eigentlich unter Dach und Fach haben.
Der Fusionsvertrag
Im Interkommunalen Vertrag, in dem die Modalitäten für die Fusion geregelt sind, ist das Beteiligungsverhältnis auf je 50 Prozent festgesetzt worden. Das Eigentum an der fusionierten Gesellschaft würde demnach zu je 50 Prozent bei den bisherigen zwölf Aktionärsgemeinden der GZO AG beziehungsweise den bisherigen elf Trägergemeinden des Zweckverbands Spital Uster liegen. Die Bewertung wurde damals durch den Wirtschaftsprüfer PwC auf Basis der Kennzahlen 2017 und Hochrechnungen fürs 2018 vorgenommen.
In Uster muss gespart werden
Für das Spital Uster steht nun ein Restrukturierungsprozess an. Der Verwaltungsrat hat laut Giger im Laufe des Jahres 2019 festgestellt, dass sich das Betriebsergebnis ungünstig entwickele. Er sei davon ausgegangen, dass die eingeleiteten Gegenmassnahmen bereits 2019, sicher aber 2020 greifen würden. «Das war, wie wir im Rückblick sehen, eine Fehleinschätzung», meint Giger. Und auch im ersten Halbjahr 2020 hätten die eingeleiteten Korrekturmassnahmen «noch nicht im erhofften Masse» gegriffen.
Zu den Korrekturmassnahmen gehören etwa die Anpassung der Prozesse. Es brauche eine höhere Flexibilität zwischen den Abteilungen. Zudem wurden 15 Betten geschlossen, was zu einem Personalabbau geführt hat. «Es wurden keine Mitarbeiter entlassen», betont Giger. Der Abbau könne über die ohnehin relativ hohe Fluktuation bewerkstelligt werden. «Wir sind in einer Turnaround-Situation. Es gilt Kosten zu reduzieren und das Spital wieder rentabel zu machen.» Und Sparpotenzial gebe es, wie auch der neue Spitaldirektor bestätige.
Zur erneuten Verschiebung des Abstimmungstermins meint Giger: «Wir sind uns bewusst, dass wir damit all jene enttäuschen, die sich mit viel Engagement für die gemeinsame Sache eingesetzt haben und entschuldigen uns in aller Form. Wir schöpfen aus der bisherigen Arbeit aber auch das Vertrauen, die Fusion im Frühjahr 2021 doch noch möglich zu machen. Denn an der Absicht zu fusionieren, hat sich nichts geändert.»
Fusionsarbeiten laufen weiter
Da beide Verwaltungsräte zuversichtlich sind, das Ziel einer Fusion im 2021 zu erreichen, werden auch weitere Schritte eingeleitet, um die Kooperation weiter auszubauen. Zudem werden die bisherigen strategischen Arbeiten im Hinblick auf die Fusion vertieft. Dazu gehört auch die Frage, wie die medizinischen Modelle in Uster und Wetzikon aussehen sollen.
