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Die DVZO-Lokomotive für einmal mit modernster Technik im Führerstand

Zwei ZHAW-Absolventen haben ein portables Zugsicherungssystem für historische Lokomotiven entwickelt. Die Passagiere auf der Demonstrationsfahrt mit der DVZO-Bahn haben davon aber kaum etwas gemerkt.

Stefan Schnüriger (links) und Christian Lobsiger vor der Demonstrationsfahrt ihres Zugsicherungssystems am Bahnhof Bauma., Nur das geübte Auge erkennt den gelben Sensor (links) und die Kabel an der Unterseite der Lok., Bereits am Freitag wurde das System in die Lok eingebaut und auf Herz und Nieren getestet.

PD

Die DVZO-Lokomotive für einmal mit modernster Technik im Führerstand

Am Samstag kurz vor 14 Uhr setzte sich die Dampfbahn in Bauma in Bewegung. Nicht wie üblich in Richtung Hinwil, sondern auf den Weg durchs Tösstal nach Winterthur. Grund für diese Fahrt war die Demonstration eines Zugsicherungssystems, das zwei ZHAW-Absolventen im Rahmen ihrer Bachelorarbeit entwickelt hatten.

Christian Lobsiger und Stefan Schnüriger haben beide den Studiengang Verkehrssysteme absolviert und die letzten Semester ihres Studiums zu einem Grossteil der Sicherheit von historischen Eisenbahnen gewidmet. «Diese besitzen oft kein sogenanntes Zugbeeinflussungssystem, welches den Zug in einer Gefahrensituation rechtzeitig zum Stillstand bringt », erklärt Christian Lobsiger.

So zum Beispiel, wenn der Zug zu schnell auf ein rotes Signal zufährt. « Mit einem solchen System wird der Lokführer zuerst akustisch gewarnt. Unternimmt er nichts, bremst es den Zug so stark ab, dass er vor dem Signal zum Stehen kommt .» Wichtig sei dies vor allem auf dem regulären, dichtbefahrenen Schienennetz. Bis jetzt müssen Züge ohne ein solches System mit einer zusätzlichen Person im Führerstand unterwegs sein, welche die Signale überwacht.

Portable Lösung

Es gibt zwar bereits Zugsicherungssysteme auf dem Markt, doch diese sind sehr teuer. «Deshalb haben wir ein Konzept mit einem portabel ausgeführten Zugbeeinflussungssystem entwickelt. Wir haben ein bestehendes, modernes System genommen und es so umgebaut, dass man es auf verschiedenen historischen Loks ein- und wieder ausbauen kann» , ergänzt Stefan Schnüriger. Dazu gehören unter anderem Geschwindigkeitssensoren, eine Batterie sowie ein Fahrzeugrechner im Führerstand.

Zum ersten Mal eingebaut wurde das System der beiden in eine Dampflok beim Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO). «Eigentlich hätten wir unser Konzept schon früher testen wollen, doch leider kam Corona dazwischen», sagt Lobsiger. Deshalb konnte der praktische Test erst nach Abgabe der Bachelorarbeit erfolgen. Hierfür hat das Bundesamt für Verkehr den beiden Absolventen Ende Mai eine befristete Betriebsbewilligung erteilt.

Unspektakuläre Demonstration

Am Freitag war es dann so weit. « Wir sind zwischen Bauma und Saland hin- und hergefahren und haben in verschiedenen Situationen unser System auf Herz und Nieren getestet », sagt Schnüriger. Dazu gehört beispielsweise, dass sie probiert haben, trotz rotem Signal im Bahnhof loszufahren. «Und genau dann hat das System eingegriffen und das verunmöglicht», ergänzt er.

« Das System soll nur eingreifen, wenn nötig.»

Stefan Schnüriger, ZHAW-Absolvent

Auch wenn noch einige kleine Anpassungen notwendig waren, war das System bereit für die längere Demonstrationsfahrt am Samstag. Diese verlief ohne Zwischenfälle und damit völlig unspektakulär.

Von den geladenen Gästen, darunter viele Mitstudenten und Angehörige der Absolventen, hat wohl kaum einer gemerkt, dass im Führerstand nun auch ein Computer auf die Geschicke der Bahn Einfluss nimmt. «Doch genau so soll es sein. Das System soll nur eingreifen, wenn nötig», meint Schnüriger.

Derzeit keine Option für den DVZO

Offeriert wurde diese Fahrt vom Dampfbahnverein selber. Ermöglicht hat dies unter anderem Hugo Wenger. Er ist Präsident des Verbands historische Eisenbahnen (HECH) und war bis letztes Jahr Präsident des DVZO. «Der HECH war Industriepartner für die Abschlussarbeit und hat die beiden Absolventen bei der Erstellung begleitet», erklärt er.

Auch wenn das von Schnüriger und Lobsiger ausgearbeitete Konzept die Feuerprobe bestanden hatte, wurde das System bereits am Samstagabend wieder aus der Lok ausgebaut und an die Hersteller zurückgegeben.

«Wenn eine Bahngesellschaft gezwungen ist, ihre historischen Fahrzeuge nachzurüsten, bietet unsere Arbeit ihr eine Vorlage.»

Christian Lobsiger, ZHAW-Absolvent

«Für den DVZO macht eine Anschaffung zum heutigen Zeitpunkt keinen Sinn », erklärt Wenger. «Für die Strecke von Bauma nach Hinwil ist das getestete System nicht notwendig. Anders sieht es aus, wenn unsere Dampfzüge auf dem übrigen Schienennetz verkehren.» Für diese Fahrten sei es immer noch günstiger, eine zusätzliche Person für die Signalüberwachung im Führerstand zu haben.

Als Rückschlag sehen dies Lobsiger und Schnüriger aber nicht. «Wir haben gezeigt, dass eine solche portable Lösung möglich ist», meint Lobsiger. Die Bachelorarbeit solle deshalb vor allem als Bauanleitung dienen: « Wenn eine Bahngesellschaft gezwungen ist, ihre historischen Fahrzeuge nachzurüsten, bietet unsere Arbeit ihr eine Vorlage. »

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