Dübendorfer Schüler fuhren regelmässig mit «Privatchauffeur»
Eigentlich wurde das Dübendorfer Ruftaxi eingeführt, um Quartiere zu erschliessen, in denen es keine Bushaltestelle gibt. Und wo sich ein von der Stadt finanzierter Ortsbus aufgrund der geringen Nachfrage und den hohen Betriebskosten nicht lohnt. Eine kostengünstige Alternative also.
Das war es, bis Gockhauser Sekschüler das Angebot für sich entdeckten und damit begannen, das Ruftaxi für ihren Weg nach Dübendorf in die Schule und zurück nach Hause zu nutzen. Damit konnten sie sich den mehrere hundert Meter langen Weg von und zur regulären Bushaltestelle an der Hauptstrasse im Ort sparen – sowie das lästige Umsteigen. Die Sonderfahrten fanden mehrheitlich in der Mittagzeit statt, in der die Strecke gemäss Fahrplan eigentlich gar nicht bedient wird.
Je mehr Fahrgäste, desto grösser das Auto
Das blieb nicht lange unentdeckt. Gemäss Andreas Sturzenegger (FDP), dem Präsidenten der Sekundarschulgemeinde Dübendorf-Schwerzenbach, begannen die Nutzungszahlen im September anzusteigen. «Erst waren es nur vereinzelte Fahrten, doch bald wurde das Ruftaxi regelmässig in Anspruch genommen.»
«Letztlich haben die Schüler nichts Illegales gemacht, sondern einfach ein bestehendes Angebot genutzt.»
Andreas Sturzenegger (FDP), Präsident Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach
Hierzu mussten die Schüler lediglich mindestens eine Stunde vor der Abfahrt das zuständige Taxiunternehmen anrufen und die Anzahl Fahrgäste anmelden. Gemäss Sturzenegger waren es in der Regel zwischen sechs bis acht Schüler pro Strecke. Je mehr, desto grösser war das Fahrzeug, mit dem das Unternehmen vorfuhr, und umso teurer wurde es für die Stadt, die pro Fahrt eine Pauschale bezahlt.
Zwischen sechs und acht Schüler sollen die Dienstleistung jeweils in Anspruch genommen haben, sagt Sturzenegger. Insgesamt hat das die Stadtkasse mit mehreren Tausend Franken belastet. Die Schüler hingegen fuhren komplett gratis. Zwar gilt für die Taxifahrten der offizielle Tarif des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV). Doch die Schule finanziert den Gockhauser Schülern die ÖV-Billette – natürlich in der Meinung, dass sie den Bus nehmen.
Brief an die Eltern
Publik gemacht wurde das Ganze kürzlich an der Sitzung des Gemeinderats, was im Saal, trotz der Kostenfolge, für ein belustigtes Gemurmel sorgte. Auch Sekundarschulpräsident Sturzenegger kann dem Ganzen eine komische Komponente abgewinnen. «Letztlich haben die Schüler nichts Illegales gemacht, sondern einfach ein bestehendes Angebot genutzt.»
Dennoch: Als klar wurde, welches Ausmass die Nutzung des «Privatchauffeurs» angenommen hatte, verschickte die Stadt in Absprache mit der Schule einen Brief an die betroffenen Eltern – mit der Aufforderung, dass ihre Kinder künftig andere Transportmittel für die Fahrt in die Schule nutzen sollen. «Das war vor den Sportferien», so Sturzenegger. «Seitdem hat kein Schüler mehr das Ruftaxi bestellt.»
