Kiwis und Oliven statt lehmverkrustete Eisenbahnschienen
Läuft man den Sonnentalweg in Uster entlang, fällt eine mächtige Hecke auf, die nur durch ein kleine Gartentüre unterbrochen wird. Durch diese führt ein Weg zu Gartenwelt von Henny und Roland Burkhart. Doch das Klingeln am Holzgartentor wird überhört.
Denn bei schönem Wetter ist das Ehepaar draussen und hört Musik über die Boxen, die an der Aussenwand ihres Hauses befestigt sind. Über eine Treppe aus hellem spanischem Schieferstein betritt der Besucher das «Esszimmer» der beiden, das gleich neben der «Stube» liegt, die wiederum an die «Relaxzone» grenzt. So benennt Henny Burkhart Bereiche ihres imposanten Gartens. An einer langen Leine sitzt gerade Rassekater Filou im Garten, einer der beiden Katzen des Ehepaars. «Die Leine dient erstens dafür, dass er nicht abhaut und zweitens, dass er nicht geklaut wird», sagt Roland Burkhart.
Fondue im Garten
Im «Esszimmer» stehen vier Stühle und ein grosser Tisch, daneben plätschert ein kleiner Brunnen. «Immer wenn es schön ist, sind wir hier draussen. Im Winter essen wir auch mal ein Fondue im Garten», sagt die 65-jährige Henny Burkhart. Über dem Essbereich thronen Holzbalken, um die sich dünnen Äste des Kiwibaums ranken.
Es ist nicht die einzige Pflanze, die ihren Ursprung nicht in den hiesigen Breitengraden hat. Ebenfalls zu finden sind: Olivenbaum, Avocadobaum, Feigenbaum oder eine Dreimeterpalme. Oder Vertreter der heimischen Flora wie Zwetschgen, Himbeeren oder Brombeeren. Aus den Früchten macht Henny Burkhart Feigensenf oder Konfitüre.
Ehemalige Lehmgrube
Roland Burkhart sagt: «Schon beim Hauskauf hatte ich Ideen, was mit dem Garten passieren soll.» 70‘000 Franken hat das Ehepaar Burkhart sich die Erfüllung ihres Paradieses kosten lassen.
Als die Burkharts 2009 einzogen, sah es allerdings noch ganz anders aus. Eisenbahnschienen und Plastiküberreste habe der Vorgänger hinterlassen, der den Garten zum Gemüseanbau genutzt habe, wie Roland Burkhart sagt. «100 Tonnen Material, also vier Kipplaster voll, haben wir zusammen mit der Gärtnerei, abführen lassen.»
Das Erdreich bestand hauptsächlich aus Lehm. «Hier in der Gegend war früher eine Lehmgrube», weiss Roland Burkhart, der in Uster aufgewachsen ist. «Der Abbau fand aber vor meiner Zeit statt», sagt der 65-Jährige.
Kiwi gedeiht nicht auf Lehmboden
Für Henny Burkhart bildete der Boden ein schwieriges Erbe. «Die Wurzeln des Kiwibaums konnten sich im Lehm nicht weiterentwickeln.» Aushelfen konnte das Werkheim Uster, das die Gartenpflege für die Burkharts macht. Die Gärtner tauschten den Lehm im Bereich der Wurzeln mit fruchtbarem Humus aus und fortan wuchs der Kiwibaum.
Vom Lehm ist heute von Auge nichts zu sehen. Wo kein Rasen spriesst, wachsen liebevoll gepflegte Sträucher und Pflanzen aus einer Kiesschicht, oder es überdecken helle Schieferplatten die Lehmschichten.
Maschinenspezialistin mit grünem Daumen
Für das Ehepaar war der Garten jahrelang «ein Ausgleich» zu den technischen Berufen, die sie ausübten. Henny Burkhart war Leiterin Einkauf einer Maschinenbaufirma und Roland Burkart Servicetechniker für Grossgetriebe. Während sie seit Herbst 2018 pensioniert ist, arbeitet er noch 30 Prozent. «Wenn er mir technisches von der Arbeit erzählte, verstand ich, was er meinte – und umgekehrt. Das war lässig», sagt die gebürtige Niederländerin.
In der Firma habe sie einen Ruf als Dame mit grünem Daumen gehabt, sagt Burkhart. «Henny, kannst du dich um die Pflanze im Büro kümmern, der geht es nicht mehr gut», habe es jeweils geheissen, und wenn sie in die Ferien ging, ermahnte sie wiederum die Mitarbeiter: «Denkt daran, gebt den Pflanzen genügend Wasser!»
Sessel oder Igelhaus
Denn trotz paradiesischem Garten in Uster haben sich die Burkharts in den letzten zehn Jahren Ferien – meist in Ibiza – gegönnt. Doch heuer wird das wegen Corona nichts. Für die beiden kein Problem. Denn hier findet sowohl Roland Burkhart in der «Stube» einen Platz, als auch Henny Burkhart, die für gewöhnlich mit einem Korbsessel in der «Relaxzone» vorliebnimmt. Im Winter gibt sie den Platz ab. Dann wird der Sessel durch ein Igelhaus ersetzt und der Igel zieht ein. «Den habe ich schon ein paar Mal gesehen. Wir decken sein Haus jeweils mit Laub ein, damit er sich einnisten kann – er ist so herzig», sagt Henny Burkhart.
Die Burkharts teilen ihr Paradies auch mit einer Starfamilie, die unter dem Hausdach nistet. «Vögel haben wir jedes Jahr», sagt Henny Burkhart. Und auch menschliche Besucher finden immer wieder den Weg zu den beiden. Für Samstag erwarten sie 30 Leute. «Wir holen meine Geburtstagsfeier nach – mit Oldiemusik.»
