Ein Hoch auf den Vorhang als Lärmschutzwand
Das Schulhaus Krämeracker ist architektonisch ein Vorzeigeprojekt. Der Neubau wurde im vergangenen Jahr gleich zweimal ausgezeichnet. Doch nun treten rund zwei Jahre nach der Fertigstellung erste Mängel zutage.
Die Schulleitung und Lehrpersonen haben Primarschulpräsidentin Patricia Bernet (SP) auf Schwächen des Schulhauses aufmerksam gemacht. «Verschiedene Lehrpersonen meldeten mir, dass es nach ihren Wahrnehmungen in den Korridoren zu laut ist.»
«Das Schulhaus ist gut gebaut. Dass nun ein Teil nachgebessert werden muss, ist ärgerlich.»
Patricia Bernet (SP), Primarschulpräsidentin Uster
Betroffen seien laut Bernet die Schulhausgänge. Diese sollten den Primarschülerinnen eigentlich als Lernlandschaft dienen. «Dafür benötigen die Schüler Ruhe, die sie dort nicht finden», sagt Bernet. Grund dafür sei, dass die Galerie, die als Deckendurchbruch vom ersten in den zweiten Stock gebaut wurde, mehr Lärm durchlasse, als ursprünglich gedacht. «Die Lernlandschaften werden entsprechend heute wenig genutzt und der Unterricht beschränkt sich weitgehend auf die Klassenräume.»
Vorhang schluckt Lärm und Licht
Die Architekten hätten Berechnungen zu möglichen Lärmemissionen in der Planung des Neubaus berücksichtigt, sagt Bernet. «Gemäss diesen hätten die Lärmbelastung in den Lernlandschaften nicht so hoch sein dürfen.» Als Lösung habe nun der Architekt schallabsorbierende Vorhänge vorgeschlagen, die den Lärm schlucken sollen.
Ist diese Massnahme nicht eine Verschandlung der Baukunst im Krämeracker, die immerhin prämiert wurde? Architekt Beat Steuri sagt auf Anfrage: « Akustikvorhänge sind im Gebäude als Schallabsorber bereits verwendet und werden auf Grund der Erfahrungen im Betrieb nun erweitert.» D ie Vorhänge seien farblich auf das Farbkonzept abgestimmt.
Schulstart im neuen «Krämeracker»
20.08.2018

Uster
Noch vor wenigen Tagen werkelten hier die Bauarbeiter. Beitrag in Merkliste speichern Wie Patricia Bernet sagt, könne der Vorhang den Deckendurchbruch vollständig umfassen. Dass damit den Stockwerken Tageslicht entzogen werde und so der eigentliche Zweck der Galerie abhanden komme, werde wahrscheinlich nicht bemerkt: «In diesem Bereich sorgen grosse Fenster für ausreichend Licht.»
Lärm auch in Turnhalle
Ein weiteres Lärmproblem tritt in der ebenfalls neu gebauten Doppelturnhalle auf. Dort würden sich Geräusche aufgrund der Galerie von einer Halle zur anderen übertragen. «Wenn in einer Halle ein Ballspiel stattfindet, fühlen sich beispielsweise Schülerinnen in der anderen Halle gestört, die sich zu Tanzmusik bewegen», sagt Bernet. Auch hier soll ein Vorhang Abhilfe schaffen. Dieser könne bei Bedarf, zum Beispiel wenn Turniere stattfinden, zurückgezogen werden.
Aber sind die Ansprüche der Ustermer Klassenlehrerinnen, die Sport unterrichten, nicht einfach zu hoch? Bernet relativiert: «Natürlich ist Turnen laut. Obwohl die Wahrnehmungen bei Lärm gewöhnlich sehr unterschiedlich sind, kamen in diesem Fall von vielen Lehrpersonen die gleichen Rückmeldungen.» Gerade beim Sportunterricht in der Primarschule sei wichtig, dass eine gewisse Ruhe herrsche. Das beruhige auch die Kinder. «Lärm stachelt dagegen die Schüler an und macht sie hippelig.» Die Vorhänge können den Lärm gut absorbieren und seien die passendste Lösung in beiden Fällen, sagt Bernet.
«Eltern haben uns gemeldet, dass sie das Geländer als wenig verlässlich erachten.»
Tanja Zollinger, Elternrat Schulhaus Krämeracker
Und zu guter Letzt ist im Neubau noch ein Problem mit einigen Türen aufgetreten. Wie Bernet sagt, stossen einzelne Eingangstüren zu den WCs mit denjenigen in den Treppenhäusern zusammen, wenn diese weit geöffnet werden. «Aufgrund feuerpolizeilichen, betrieblichen, räumlichen und akustischen Überlegungen wurde auf ursprünglich geplante Schiebetüren verzichtet, um die Gesamtsituation zu verbessern.» In diesem Fall helfen keine Vorhänge. Mit Glaseinsätzen in den Türen der Treppenhäusern, werde die Übersicht nun verbessert, sagt Bernet.
Elternrat weiss nichts von Mängeln
Von all diesen Mängeln hat der Elternrat Krämeracker rund um Präsidentin Tanja Zollinger nie etwas gehört. «Die Eltern haben uns diesbezüglich nichts gemeldet.» Stattdessen seien einige Eltern vom Treppenhaus wenig angetan. «Eltern haben uns gemeldet, dass sie das Geländer als wenig verlässlich erachten.» Weil dieses nicht vollständig vergittert sei, befürchten sie, dass Kinder hinunterstürzen könnten. Zudem sei die Treppe sehr schmal und dementsprechend könne es in diesem Bereich sehr eng werden.
Diese Anliegen hat Zollinger an die Schulleitung weitergegeben. Sie glaubt aber nicht, dass diesbezüglich am Bau etwas geändert werden könne. Zumal die Sicherheit Teil der Bauabnahme gewesen sei.
«Karger Betonbau»
Einige Eltern könnten dem Prestigebau generell nicht viel abgewinnen,sagt Zollinger. Zu karg, zu grau sei der Betonbau. Dagegen sei das Primarschulhaus Pünt, das derzeit umgebaut wird, «heimeliger» und mit den Holzverkleidungen auch die Bausubstanz wärmer. «Allerdings haben sich mit dieser Meinung nur etwa 20 von circa 600 Eltern bei mir gemeldet», relativiert Zollinger.
Ganz anders sehen es die beiden Kinder von Tanja Zollinger: «Meine Kinder gehen sehr gerne ins neue Schulhaus Krämeracker.»
Bauarbeiten in den Schulferien
Die Kosten für die Vorhänge belasten das Baubudget mit rund 26 000 Franken und die Glaseinsätze mit rund 23 00 Franken, sagt Bernet. Beide Massnahmen seien aber schon im Baukredit enthalten, zu dem das Ustermer Stimmvolk 2016 mit 80 Prozent Ja gesagt hat.
Die Nachbesserungsarbeiten sollen in den Sommerferien erfolgen, somit wird der Schulbetrieb nicht tangiert. Die Verbesserungen werden im Rahmen des bereits genehmigten Baukredites von knapp 37 Millionen Franken erfolgen. Bernet sagt, dass die Rechnung im Herbst abgeschlossen sein und noch in diesem Jahr als Geschäft im Gemeinderat traktandiert wird.
Zu den Massnahmen sagt die Primarschulpräsidentin: «Das Schulhaus ist gut gebaut. Dass nun ein Teil nachgebessert werden muss, ist ärgerlich.» Bernet gibt aber zu bedenken: «Ein solch grosses Gebäude kann unmöglich ohne Nachbesserungen gebaut werden.»
Wie sich das Bild des Ustermer Prestigebaus durch die Vorhanganpassungen verändern werde, könne sie heute noch nicht sagen. «Das werde ich dann sehen, wenn es fertig ist. Ich bin sicher, dass der Architekt den höchsten Ansprüchen gerecht werden will.»
