Auf Beutefang mit der Ausrüstung eines Hochseefischers
Einst war die Fischortung über ein Echolotgerät den Profifischern vorenthalten, heute ist das Gerät für jedermann erschwinglich und zugänglich. Auch am Greifensee nutzen Fischer die Technik, um mit Schallwellen Gewässer auszuloten und so Fische auszumachen. Marcel Gartmann, Präsident des «Sportfischereivereins am Greifensee Uster», bestätigt: « Viele Boot sfischer auf dem Greifensee verwenden ein Echolotgerät.» Er selbst besitze auch ein solches und nehme es «hin und wieder» mit auf den See. Die Struktur des Seegrundes in Tiefen von 10 bis 30 Metern könne so sichtbar dargestellt werden.
«Felchen , ein Leitfisch des Greifensees, halten sich je nach Jahreszeit in verschiedenen Tiefen des Sees auf. Von Auge sind Fische in Tiefen ab drei Metern nicht mehr zu sehen.» Auf dem Bildschirm des Echolotgerätes werden sie als Symbole dargestellt mit der entsprechenden Tiefenangabe.
Auch beim Kanton heisst es auf Anfrage, das Echolot hauptsächlich für die Suche nach Felchen eingesetzt werde (siehe Box). Der Einsatz des Geräts ist laut den Fischereivorschriften legal. Umweltverbände wie Greenpeace verurteilen die effiziente Methode in internationalen Gewässern wegen der zunehmenden Überfischung.
«Unnötiges» Echolot im heimischen See
Bernhard Stettler kann dem Echolot-Fischen auch in den hiesigen Seen wenig Positives abgewinnen. Der Präsident des Vereins Freie Fischer-Vereinigung Greifensee/Schwerzenbach sagt: «Für unsere Gewässer ist es unnötig.» Zwar teilt er die Meinung, dass sich Felchen oder auch Hechte gut mit dem Schallwellenkegel finden lassen, der laut Stettlers Schätzung bis zu drei Meter rund ums Boot erfasst.
Felchen im Greifensee
Felchen werden gemäss den aktuellsten Erhebungen des Kantons aus dem Jahr 2018 von den 15 häufigsten Fischarten am zweitmeisten gefangen. Im besagten Jahr haben Berufs- und Hobbyfischer 5322 Felchen aus dem Greifensee geangelt – das entspricht 3208 Kilo Fisch.
Wie viele Fischer ein Echolot einsetzen, hat der Kanton nicht erhoben. Ein Indikator könnte aber die Anzahl der Bootspatente sein, die für die Angelfischerei 2018 ausgestellt wurde, da die Fischortungsgeräte zumeist auf Booten eingesetzt werden. 296 solcher Patente hat der Kanton ausgestellt. Dazu kommen eine unbekannte Anzahl Fischer, die ein sogenanntes Dreiseenpatent für den Zürichsee, Greifensee und Pfäffikersee haben (total 1393 Patente).
Erfahrene Fischer fänden Fische aber auch sonst. «Ein guter Greifenseefischer kennt das Gewässer wie seinen Hosensack», so Stettler. Hechte beispielsweise hielten sich immer in der Nähe von Fischschwärmen auf. Eglis sehe ein Fischer auch von Auge, da sie meistens am Abend und stets an der Oberfläche jagen. «Macht ein Echolotgerät Eglis Tagsüber in tieferen Lagen aus, bringt es nichts nach diesen zu angeln, weil sie erst am Abend fressen.»
Gemütlichkeit vor Effizienz
Stettler stellt das Erlebnis des Fischens in den Vordergrund: «Es geht mir nicht darum, effizient Fische zu fangen. Ich will möglichst lange auf dem See bleiben und das Hobby geniessen.» Gefangene Fische werden bei ihm noch am selben Abend verspeist. In Stettlers Umfeld gibt es einen Namen für Leute, die möglichst viel Fang ins Boot holen wollen – sie werden «Fleischfischer» genannt.
«Beim Fischen muss man das Rad nicht neu erfinden.»
Bernhard Stettler, Vereinspräsident Freie Fischer-Vereinigung Greifensee/Schwerzenbach
Marcel Gartmann ist wohl ein solches Exemplar. « Die Kunst des Fischens ist es, seinen Zielfisch überlisten zu können » Der 60-Jährige, der schon seit seiner Jugend am Greifensee fischt, war dem Echolotfischen aber nicht von Beginn an aufgeschlossen. «Am Anfang war ich noch skeptisch.»
Heute ist das anders. So macht Gartmann ein weiteres Argument für den Einsatz des Gerätes aus. Mit dem heutigen Stand der Technik könnten Stellen auf dem See als «Hot-Spots» im System gespeichert werden und an einem darauffolgenden Tag metergenau angefahren werden. Ob sich die Fische immer noch an denselben Stellen aufhalten sei jeweils eine andere Frage.
Beobachten statt Angeln
Bernhard Stettler vermutet, dass etwa ein Drittel seiner Vereinsmitglieder Echolot fürs Fischen einsetzen. Doch viele nutzten das Fischortungsgerät, um den See nach Lebewesen abzusuchen und um diese zu beobachten. «Nicht jeder, der unter seinem Boot Fische ausmacht, wirft gleich die Angel aus.»
Auch Stettler findet Gefallen an dem technischen Gerät, so lange es nicht zum Fischen eingesetzt wird. «Wenn ich bei einem Kollegen auf dem Boot bin, der ein solches Gerät hat, schaue ich auch gerne auf den Bildschirm – eine Spielerei.» Er gibt weiter zu, dass er hin und wieder indirekt vom Gerät profitiere, wenn beispielsweise mehrere Fischerkollegen mit der technischen Hilfe einen Schwarm ausgemacht hätten. «Anhand der Bootansammlung kann ich dann sehen, wo es besonders viele Fische hat», sagt er. Dennoch ist für Stettler klar: «Beim Fischen muss man das Rad nicht neu erfinden.»
Fischen für jedermann nur vom Ufer
Am Greifensee gilt das Freiangelrecht. Dies berechtigt alle Personen zum Fischen ohne Patent mit einer einzigen Rute oder Schnur vom Ufer aus. Es darf ein Köder mit einfachem Haken ohne Widerhaken verwendet werden. Erlaubt sind natürliche Köder, Lebensmittel und künstliche Fliegen. Verboten sind Köderfische. Im Schutzgebiet darf von Wegen und Stegen aus gefischt werden. Vom Boot aus ist das Angeln nur mit Patent erlaubt. Im Greifensee kann rund um die Uhr gefischt werden, es gelten aber für gewisse Arten Schonzeiten.
