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SVP konnte Wahl nicht verhindern

Mit Flavia Sutter hat das Dübendorfer Parlament am Montag die erste grüne Gemeinderatspräsidentin gewählt. Die SVP kritisierte, die Politikerin sei wegen ihres «Bashings» von Exponenten im Sozialbereich nicht geeignet für das Amt. Das weckte Erinnerungen.

Gruppenbild mit Corona-Abstand: Die neue Ratspräsidentin Flavia Sutter (Mitte) mit Ivo Hasler und Cornelia Schwarz.

Christian Merz

SVP konnte Wahl nicht verhindern

22 von 37 möglichen Stimmen hat Flavia Sutter (Grüne) an der Gemeinderatssitzung vom Montag erhalten – wahrlich kein Glanzresultat für eine Wahl ins Präsidium des Gemeinderats. Denn bei diesem jährlich wiederkehrenden Prozedere stellen die Fraktionen turnusgemäss ihre Kandidaten auf, die dann mehr oder weniger abgenickt werden. Sutters Vorgänger Reto Heeb (CVP) etwa wurde ein Jahr zuvor einstimmig als höchster Dübendorfer gewählt.

Der Grund für die mangelnde Unterstützung waren die Fraktionsmitglieder der SVP, die gemäss Ankündigung allesamt einen leeren Wahlzettel eingeworfen hatten. Gemeinderat Orlando Wyss kritisierte Sutter im Rat hart. Beim links-grünen «Bashing» von Exponenten im Sozialbereich sei sie stets an vorderster Front gewesen. «Das hat schliesslich dazu geführt, dass die Chefin der Sozialhilfe gekündigt hat», so Wyss.

«Unfaire Attacke»

Dass Sutter vor einigen Wochen in dieser Zeitung den Leiter der Abteilung Soziales als mitschuldig an den Problemen auf dem Sozialamt kritisierte, bezeichnete er als «unfaire Attacke», zumal sich Verwaltungsangestellte nicht wehren könnten. Sutter stellte sich damals auf den Standpunkt, der Leiter einer Verwaltungsabteilung müsse sehr wohl kritisierbar sein. Der Stadtrat war anderer Meinung, er rügte in der Folge die Aussagen Sutters in einem Schreiben.

Diesen Umstand führte Wyss am Montag ebenfalls ins Feld. Zwar hätten die Grünen einen Anspruch auf das Amt. Aber: «Wir als SVP können uns gemeinsame Auftritte des Stadtpräsidenten zusammen mit der gerügten höchsten Dübendorferin nicht vorstellen.» Sutter sei für dieses Amt schlichtweg «nicht geeignet».

Lautstark protestiert

Die Debatte weckte Erinnerungen an die Wahl vor zehn Jahren, als das Parlament dem damaligen SP-Gemeinderat Patrick Angele das Amt des Gemeinderatspräsidenten verweigerte. Angele war ein «junger Wilder», der kein Blatt vor den Mund nahm. Vor allem aber arbeitete er als Sekretär für die GSoA, die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee. Die Kritiker waren sich einig: Dies vertrage sich nicht mit einer Garnisonsstadt, wo der Präsident des Gemeinderats auch regelmässig militärische Anlässe besuche.

«Ich werde mich inhaltlich natürlich zurücknehmen, da werden einige von euch sicher froh sein.»

Flavia Sutter (Grüne), nach ihrer Wahl zur Präsidentin des Gemeinderats

Die SVP schlug deshalb SP-Mann Max Senn vor, der auch prompt eine Mehrheit erhielt, die Wahl aber ausschlug. Darauf portierte die SVP den zweiten Vizepräsidenten Patric Crivelli (SVP). Die Linken protestierten lautstark, konnten aber nicht verhindern, dass Crivelli letztlich obsiegte.

Burnout überwunden

Auch wenn sich am Montag einige Kritikpunkte mit der Debatte von vor zehn Jahren deckten, fand die SVP diesmal keine Mehrheit, weshalb sich Sutter auch keine Sorgen um ihre Wahl machen musste. In ihrer Antrittsrede sagte sie zwar: «Ich werde mich inhaltlich natürlich zurücknehmen, da werden einige von euch sicher froh sein.» Ansonsten ging sie aber nicht auf die Kritik ein.

Stattdessen erzählte Sutter, wie sie der Liebe wegen in die «als gesichtslos verschriene» Agglomerationsstadt kam – nur vorübergehend, dachte sie damals –, wie sie als junge Mutter Anschluss fand und sich schliesslich politisch zu engagieren begann. «Meine Einstellung zu Dübendorf hat sich unterdessen grundlegend geändert», sagte die Primarlehrerin.

Sutter berichtete, wofür sie sich in Dübendorf einsetzt, wurde zwischenzeitlich aber auch sehr persönlich. Etwa, als sie von ihrem Burnout erzählte. «Ich klappte irgendwann zusammen, weil ich zu hohe Ansprüche an mich hatte», sagte die Mutter zweier erwachsener Kinder. Allerdings habe sie schnell reagiert und sei deshalb relativ rasch wieder auf die Beine gekommen. Und sie stellte gleich klar: «Ich arbeite Teilzeit, so habe ich sicher genügend Zeit für das Gemeinderatspräsidium.»

 

Der Dübendorfer Gemeinderat behandelte an seiner Sitzung vom Montag folgende Geschäfte:
•  Das Parlament hat die Jahresrechnung 2019 und den Geschäftsbericht einstimmig genehmigt.
•  13 Bürgerrechtsgesuche wurden einstimmig oder grossmehrheitlich gutgeheissen.
•  Reto Heeb (CVP) wurde als Gemeinderatspräsident verabschiedet.
•  Das Ratsbüro für das Amtsjahr 2020/21 wurde gewählt. Flavia Sutter (Grüne) ist Gemeinderatspräsidentin, Ivo Hasler (SP) erster Vize, Cornelia Schwarz (SVP) zweite Vizepräsidentin. Als Stimmenzähler in globo gewählt wurden Andreas Sturzenegger (FDP), Angelika Murer Mikolasek (GLP/GEU) und Bruno Eggenberger (BDP/CVP/EVP).
•  Als Ersatz für Burkhard Huber (GLP/GEU) wurde Julian Croci (Grüne) in die Bürgerrechtskommission (BRK) gewählt. SVP-Gemeinderat Christoph Lutz war ebenfalls angetreten, unterlag aber deutlich.
•  Der Gemeinderat wählte Reto Heeb (CVP) in die Kommission für Raumplanungs- und Landgeschäfte (KRL). Heeb ersetzt Bruno Eggenberger (BDP/CVP/EVP).

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