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Politik

Volketswil will keine Fahrenden

Der Volketswiler Gemeinderat will keine Standplätze für Fahrende errichten. In der Gemeinde hat man diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht.

Aktuell will man in Volketswil keine Halteplätze für Fahrende. Im Bild Fahrende in Uster im Jahr 2016.

Archivbild: Fabio Meier

Volketswil will keine Fahrenden

«Stand- und Durchgangsplätze bilden eine wichtige Voraussetzung für die fahrende Lebensweise». So steht es im Konzept der kantonalen Baudirektion für die Bereitstellung von Halteplätzen für Schweizer Fahrende. Im Kanton Zürich gibt es vier bestehende Stand- und acht Durchgangsplätze für Fahrende. Gemäss Auftrag des kantonalen Richtplans gilt es diese «planungsrechtlich zu sichern». Deshalb sollten bis Sommer 2020 zusätzlich ein Standplatz in der Region Zürcher Oberland sowie fünf Durchgangsplätze in den Regionen Glattal, Winterthur (zwei Plätze), Zürcher Unterland und Zürich festgelegt werden.

In der Region Glattal gibt es bis anhin einen festgelegten Standplatz beim Flughafen in Kloten. Für den regionalen Richtplan muss nun ein zusätzlicher Standort für einen Durchgangsplatz für Fahrende bezeichnet werden. Die Regionen müssen bis im Sommer 2020 eine Standortevaluation durchführen und der Baudirektion des Kantons Zürich eine Rückmeldung geben. Im Glattal hat die Zürcher Planungsgruppe Glattal (ZPG) diese Evaluation übernommen.

Vier Standorte in Volketswil vorgeschlagen

Die ZPG hat auch für die Gemeinde Volketswil entsprechende Halteplätze für Fahrende vorgeschlagen. Insgesamt vier Standorte hatte die ZPG in Volketswil ins Auge gefasst. Beispielsweise ein Standort an der Hegnauerstrasse, nahe der Autobahnausfahrt und beim Durchgangszentrum, sowie einer in der Hard in der Industrie- und Landwirtsschaftszone. Zudem schwebten der ZPG zwei Standorte in Zimikon vor. Einmal beim grünen Spickel in der Industriezone Zimikon Nord und einmal in Zimikon Süd neben der Bahnstrecke.

Der Volketswiler Gemeinderat will davon aber nichts wissen. Er hat keinem dieser Standorte auf dem Gemeindegebiet zugestimmt, wie er in einer Mitteilung schreibt. «Hierbei handelt es sich um einen politischen Entscheid. Wir sind der Meinung, dass wir nicht noch eine zusätzliche überkommunale Aufgabe übernehmen wollen», sagt Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP).

Durch Flugplatz und Durchgangszentrum belastet

Volketswil sei nämlich bereits heute durch solche Aufgaben stark belastet. Als Beispiel nennt Pinto das sich im Bau befindende kantonale Durchgangszentrum an der Tolackerstrasse, die Verkehrsführung im Industriegebiet sowie den Flugplatz Dübendorf. «Die An- und Abflüge des Flugplatzes finden beispielsweise über unser Gemeindegebiet statt», sagt Pinto. Sollte Volketswil noch weitere überkommunale Aufgaben übernehmen müssen, würde die Attraktivität der Gemeinde darunter leiden, die bereits eine tiefe Steuerkraft hat. Dies auch, weil die Gemeinde gemäss Pinto mit Defiziten, wie beispielsweise einem fehlenden Bahnhof, leben müsse.

Pinto gibt aber zu, dass auch sicherheitstechnische Gedanken hinter dem Entscheid des Gemeinderates stehen. «Nur wenige Gemeinden nehmen Fahrende mit offenen Armen auf.» Zudem habe Volketswil bereits vor Jahren Fahrende aufgenommen. «Dabei haben wir leider, vor allem mit ausländischen Fahrenden, negative Erfahrungen machen müssen», so Pinto.

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