Astra-Direktor erklärt, wie es mit Oberlandautobahn weitergeht
«Ich bin nicht hier, um Ihnen zu gefallen, sondern um den Stand der Dinge darzulegen», stellte Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra) gleich zu Beginn klar.
Am Dienstag referierte er in Dürnten vor den Mitgliedern des Vereins Zusammenschluss Oberlandstrasse, wie es nun mit den zwei zur Auswahl stehenden Varianten weitergehen soll. Die Vorbemerkung platzierte er, weil im Vorjahr die Zürcher Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP) Kritik zu hören bekam, dass es viel zu lange dauere, bis die Lückenschliessung endlich vollbracht sei.
Und tatsächlich, gerade schnell lässt sich der «Systemfehler» – die gut acht Kilometer lange Lücke zwischen dem Autobahnende in Oberuster und der Fortsetzung beim Betzholzkreisel – nicht beheben. Im Projekt, das seit diesem Jahr beim Bund liegt, ist für die Inbetriebnahme des fehlenden Autobahnstücks «zirka 2038» vorgesehen – und das auch nur, wenn es nicht zu zusätzlichen Problemen komme. «Das hier ist ein realistisches Szenario», machte der Astra-Direktor deutlich.
Drei Planungsphasen
Die Planung des «Grossprojektes» wird in drei Phasen vorangetrieben. Bis 2024 soll das generelle Projekt ausgearbeitet werden, das durch den Bundesrat genehmigt wird. Darauf folgt die gemäss Röthlisberger zeitintensivste Phase für das Ausführungsprojekt (bis 2029). In dieser wird die öffentliche Auflage stattfinden, in deren Anschluss auch die Einsprachen behandelt werden. Bis 2033 soll dann das Detailprojekt ausgearbeitet und die Aufträge vergeben werden. Fünf Jahre werden schliesslich für den Bau des fehlenden Autobahnstücks benötigt.
«Für uns ist der Bedarf für dieses Vorhaben völlig unbestritten», betonte der Astra-Direktor. Das dürften allerdings nicht alle so sehen. Die Kritiker werden voraussichtlich im Jahr 2025 Gelegenheit erhalten, ihre Einwände anzubringen. Röthlisberger räumte auch gleich alle Illusionen weg, dass das Projekt so ausgestaltet werden könnte, dass es keine Einsprachen gäbe: «Das funktioniert nicht», meinte er aus seiner langjährigen Erfahrung.
Variantenentscheid Ende 2021
Welche der beiden vom Kanton ausgearbeiteten Varianten vom Bund weiterverfolgt und dann dem Bundesrat vorgelegt wird, dürfte erst Ende 2021 entschieden werden. «Wir werden bis dahin beide Varianten auf gleichem Niveau vorantreiben», meinte Röthlisberger. Zur Auswahl stehen die Richtplanversion mit einem kurz unterbrochenen Tunnel zwischen Wetzikon und dem Anschluss Ottikon und die neu ins Spiel gebrachte «Tunnel tief»-Variante mit einer unterirdischen, im Fels verlaufenden Verbindung von Wetzikon ins Betzholz.
Dabei räumt der Astra-Direktor dem tiefen Tunnel gute Chancen ein. «Diese Variante hat Potenzial, weil sie tiefer, im Fels unten, liegt und damit der Moorschutz besser beachtet werden kann.» Ausserdem seien weniger negative Begleiterscheinungen für die Bevölkerung während des Baus zu erwarten. Zudem habe sie das grosse Plus, dass es im Gegensatz zur Richtplanvariante keine «sehr schwierig zu realisierende» Verzweigung Ottikon gebe.
25 Prozent höhere Kosten
Auf der Negativseite sieht das Astra allerdings die höheren Kosten für den Tiefentunnel. Für das Richtplanprojekt rechnet das Bundesamt mit 1,663 Milliarden Franken. Für den «Tunnel tief» sind es 2,075 Milliarden, also rund ein Viertel mehr. Hinzu kommt, dass es noch Lücken bei den Sondierbohrungen entlang der Tiefentunnelachse gibt. Und zudem gibt es noch keine Varianten für das Portal und den Bereich beim Kreisel Betzholz. Und dennoch: «Mit Optimieren lässt sich da kostenseitig sicher noch etwas rausholen.»
In der Fragerunde interessierte auch noch die Kostenexplosion bei der Richtplanvariante, die 2012, bei noch anderer Streckenführung, auf 1,1 Milliarden Franken veranschlagt wurde. Jetzt kommt sie auf knapp 1,7 Milliarden zu stehen.
Arnd König, der vom Kanton Zürich her für das Projekt zuständig ist, wies auf die heute viel höheren Sicherheitsstandards hin. Damals sei mit schmaleren Spuren und einfacherer Tunnelausstattung geplant worden. Ausserdem seien die Tunnels bei der jetzigen Version deutlich länger und dann komme noch die Teuerung hinzu. Diese ist nun bei den neuen Varianten bereits bis zur Realisierung miteinberechnet. Und da wies Röthlisberger nochmals auf die aktuelle Projektplanung hin: «Das zeitliche Programm ist nur möglich bei entsprechender Liquidität im Fonds.» Diese mindestens ist zurzeit gewährleistet.
Neuwahlen im nächsten Jahr
Der Verein «Zusammenschluss Oberlandstrasse» setzt sich seit 21 Jahren für die Lückenschliessung ein. Wie Präsident Hans-Peter Hulliger erklärte, zähle der Verein 1149 Mitglieder. Das sind 10 weniger als im Vorjahr. Normalerweise könnten Neuzugänge jeweils an der Züri Oberland Mäss gewonnen werden. Wegen Corona wird diese aber statt im Herbst erst im April 2021 durchgeführt. Für das nächste Jahr kündigte Hulliger an, dass im Rahmen der Neuwahlen der Vorstand verjüngt werden soll.
