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Das Orgelfestival Uster ohne Vibrationen

Die 30. Auflage des Orgelfestivals Uster findet in diesem Jahr nicht statt. Organisator Stefan Schättin setzt nun trotz musikalischen Einbussen auf Onlinekonzert – und wittert gar einen Rekord.

Internet statt Livemusik: Stefan Schättin ist zuversichtlich, dass der Stream auf ein reges Interesse stossen wird., Statt den hauthnahen Vibrationen der hohen und tiefen Töne..., ...soll eine Live-Stream eine Alternative zum Orgelfestival bieten.

Screenshot youtube

Das Orgelfestival Uster ohne Vibrationen

Eine Kirchenorgel muss ein Musikfreund eigentlich sehen und vor allem spüren. Denn einige sehr hohe und sehr tiefe Töne kann der Mensch gar nicht als Ton wahrnehmen – diese sind nur als Vibration spürbar. Dessen war sich auch Stefan Schättin bewusst, Organist und Organisator des Orgelfestivals Uster, als er coronabedingt den Entscheid zum Streaming von vier Konzerten auf Youtube fällte. «Die Atmosphäre der reformierten Kirche Uster und die Vibrationen können nicht über Lautsprecher übermittelt werden.»

In diesem Jahr findet die Konzertreihe zum 30. Mal statt. Auch wenn mittlerweile bei Konzertveranstaltungen bis zu 1000 Personen teilnehmen dürfen, haben sich Schättin und sein Team dennoch entschlossen, das Festival um ein Jahr zu verschieben. Als Alternative bieten die Organisatoren vom 23. August bis zum 13. September allwöchentlich einen 30-Minuten-Stream über Youtube an.

Jazz und Beatles

Während den vier Tagen werden Songs aus verschiedenen Genre gespielt: klassische Stücke von Johann Sebastian Bach, Jazz-Interpreten wie Bill Evans, Organisten aus Frankreich oder Pop-Musik von den Beatles. Schättin plant drei Kamera-Einstellungen für den Videostream: In einer sind die Hände des Organisten zu sehen, in einer anderen die Füsse und in einer dritten die gesamte Orgel. Auf visuelle Effekte werde bewusst verzichtet: «Es ist mir wichtig, dass die Musik im Vordergrund bleibt», sagt Schättin.

Schättin glaubt, dass der Streamingzugriff höher als die Rekordbesucherzahl der vergangenen Konzerte sein könnte. Diesen verzeichnete das Festival 2012 als der US-Star-Organist Cameron Carpenter gegen 600 Zuhörer in die reformierte Kirche Uster lockte. Seine Zuversicht zieht Schättin einerseits aus der Verteilung der Flyer, andererseits aus der «starken internationalen Beachtung», die das Festival seit Jahren auf sich ziehe.

Interesse bis in die USA

«Wir haben immer wieder Webseitennutzer aus Osteuropa, Deutschland oder den USA, die sich für unser Festival interessieren», so Schattin. Es sei allerdings die Ausnahme, dass ein Besucher für ein Konzert von so weit her nach Uster reise. In diesem Jahr wollte allerdings ein Schotte für ein Konzert nach User kommen, er verzichtete aber wegen der Absage des Festivals auf die Reise.

Regelmässig bekomme er auch Anfragen von Organisten, die gerne am Festival spielen würden, sagt Schättin. «Diesen muss ich aber häufig absagen, weil wir nicht so viele Konzerte anbieten.» Für die ausländischen Musiker sei das Ustermer Festival attraktiv: «Die Schweiz zahlt gute Gagen.»

«Wir sind kein Kirchen- sondern ein Orgelfestival»

24.08.2018

Organisator des Ustermer Festival

Stefan Schättin ist Organist und Organisator des Orgelfestivals Uster. Beitrag in Merkliste speichern Finanziell stehe die Veranstaltung auf soliden Füssen, auch wenn wegen Corona die Ticketeinnahmen von maximal 30 Franken pro Person wegfallen. «Dafür beträgt die Organisten-Gage in diesem Jahr nur das absolute Minimum», sagt Schättin, der an zwei der vier Konzerte gleich selber an der Orgel sitzt. Hingegen stehen auf der Aufwandseite die Ausgaben für das technische Equipment wie Kamera oder Mischpult, das für den Stream benötigt wird.

Die Ausgegrenzten

Dass das Festival nicht in Schieflage gerät, dafür sorgen auch die Geldspritzen der Sponsoren. Die Stadt Uster, Zürioberland Kultur, die reformierte Kirche oder die Bank BSU lassen ein Gesamtbudget «im fünfstelligen Bereich» zu. Den Löwenanteil trägt die Stadt mit 6000 Franken. Und die Sponsoren zeigen sich trotz der Verschiebung des Festivals grosszügig, wie Schättin betont. So hielten diese an den vereinbarten Beiträgen fest, auch wenn das Festival in diesem Jahr etwas anders daherkommt.

Schättin sieht trotz der eingangs erwähnten musikalischen Defizite viel Potenzial für eine Live-Videoübertragung. «Wir werden wohl künftig regelmässig streamen, auch weil wir so internationale Orgelmusikbegeisterte erreichen.» Entschieden werde aber erst nach der Konzertreihe im Herbst.

Für den kommenden Stream sieht Schättin aber auch die Schattenseite der Technologie. «Die Nutzer werden wohl nur selten die vollen 30 Minuten Konzertzeit anschauen.» Und für die älteren Besucher des Festivals könnte die Internetübertragung keine passable Alternative für das Live-Erlebnis sein, sagt er. «Es werden bestimmt Leute geben, die deshalb vom Anlass ausgeschlossen sind.» Doch im nächsten Jahr würden die Feierlichkeiten sicherlich wieder stattfinden. Dann gebe es mit dem 30. Geburtstag des Orgelfestival Uster einen weiteren Grund zum Feiern.

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