Das hätte sich die alte «Heimat», so sie denn denken könnte, wohl nicht vorgestellt: Dass sie auf ihre alten Tage hin nun derart auf Kraft und Verdrängung getestet wird. Und dafür braucht das Greifensee-Kursschiff mit Jahrgang 1933 auch noch die Hilfe ihres Schwesterschiffs, der «Stadt Uster» mit Jahrgang 1995.
Eigentlich müsste die «Heimat» jetzt um 8.07 Uhr vom Steg in Maur Richtung Niederuster ablegen. Schliesslich hat das bis zu 60 Passagiere fassende Boot den Auftrag, Leute im Takt über den Greifensee zu schippern. Doch weil Hans Jakob Sommerauer auf dem Vorderdeck der «Heimat» seine Messapparaturen festmacht, muss die «David Herrliberger» einspringen. Viele Leute gibt es allerdings nicht zu transportieren, drei sind es auf dem Hinweg. Gar niemand auf dem Rückweg.
«Mit dem Schleppversuch geht es darum, den Schiffswiderstand zu erfassen», hält Sommerauer fest. Der diplomierte Elektroingenieur ist der Entwicklungsleiter bei der Walder Mosway Electronics GmbH. Aus den Daten will er errechnen, wie stark der geplante Elektromotor und die Batterie sein müssen.
«Das Ziel wäre es, mit einer Batterieladung einen ganzen Tag über die elf Kursfahrten zu bewältigen und noch genug Saft für weitere Ausfahrten zu haben», sagt Sommerauer. «Am besten wäre es, wenn wir jeweils über Nacht langsam laden könnten. Schnellladungen beanspruchen die Batterien», ergänzt Allen Fuchs, der Verwaltungsratspräsident der Schifffahrtsgenossenschaft Greifensee.
Kurz bevor eigentlich abgelegt werden soll, disponiert Sommerauer um, «zu unsicher». Die Messaparturen mit der grossen Zugwaage werden nun auf dem Deck hinter dem Steuerstand montiert. Zu gross ist das Risiko, dass der Computer, der nur mit Klebeband auf dem Dach angeheftet gewesen ist, bei Wellengang ins Wasser gerutscht wäre.

