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Die am schlechtesten besuchte Gemeindeversammlung?

Die Jahresrechnung 2019 war besser als erwartet und wurde abgenickt. Der Finanzvorstand blickt trotzdem neidisch auf eine Nachbargemeinde.

Die Gemeindeversammlung in Greifensee zog am Mittwochabend nur sehr wenige Stimmberechtigte an.

David Marti

Die am schlechtesten besuchte Gemeindeversammlung?

Wer die Greifenseer Gemeindeversammlung am Mittwochabend besuchte, musste erst die Covid-19 bedingten Hürden nehmen. Am Eingang des Landenberghauses standen Desinfektionsmittel und Masken zur Verfügung und die Besucher wurden gebeten, ihre Daten auf einer Liste zu hinterlassen. Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) erinnerte die 28 Stimmberechtigten im Saal an die Verpflichtung, dass sich jeder im Fall einer Infizierung bei der Behörde melden müsse. Der gesamte Gemeinderat trug Schutzmasken und diese wurden nur während der Redezeit abgenommen.

Traktandiert waren die Jahresrechnung 2019 und die Bauabrechnung des Lehrschwimmbeckens Schulhaus Breiti. Beide Geschäfte waren in der Obhut von Finanz- und Liegenschaftsvorstand Bruno Schaerli (Aktion G).

«Wir haben pro Kopf einen der tiefsten Werte im Kanton bei der Grundstückgewinnsteuer.»

Bruno Schaerli (Aktion G), Finanzvorstand Greifensee

«Ich glaube, dass ist die Gemeindeversammlung mit den wenigsten Teilnehmern, seit ich RPK-Mitglied oder Gemeinderat bin», sagte Schaerli, der seit 2017 im Gemeinderat ist und vorher sieben Jahre in der RPK tätig war. Es sei aber auch gar eine toxische Mischung zwischen Covid 19, traumhaftem Sommerabend und wenig spektakulären Traktanden, es fehle nur noch ein hochklassiger Fussballmatch, um noch mehr Leute von der Gemeindeversammlung fernzuhalten.

Minus tiefer als budgetiert

Die Jahresrechnung 2019 schliesst mit ein Minus von rund 630‘000 Franken ab. Dies bei einem Aufwand von 25,7 Millionen Franken und einem Ertrag von 25,1 Millionen. Damit präsentiert sich die Rechnung um 774‘000 Franken besser als budgetiert.

Schaerli machte drei Bereiche für das bessere Abschneiden aus: So seien in der Bildung, der Gesundheit und dem Bereich Kultur, Sport und Freizeit Minderaufwendungen zu verzeichnen gewesen. Die grösste Abweichung liegt dabei im Bereich Gesundheit, der 330‘000 Franken tiefere Kosten aufweist, als im Budget veranschlagt. Die Gemeinde kommt 2019 auf Gesundheitskosten von rund 1,7 Millionen Franken. Insbesondere die Pflegefinanzierungskosten für Kranken-, Alters- und Pflegeheime seien wegen weniger Pflegefällen deutlich tiefer als erwartet ausgefallen.

Neid auf Schwerzenbach

Eine Punktlandung seien dagegen die Steuereinnahmen mit 17,4 Millionen Franken gewesen, sagt Schaerli. Verzichten muss die Gemeinde heuer auf einen Finanzausgleich. Der Anspruch ist in diesem Jahr nicht gegeben– im Vorjahr erhielt die Gemeinde noch rund eine Million Franken. 

Einnahmen verzeichnete die Gemeinde dagegen bei den Grundstückgewinnsteuern: 1,3 Millionen Franken spülte dieser Bereich in die Kasse der Kommune, was Schaerli offenbar nicht befriedigt. Als er die Zahlen mit jenen von Schwerzenbach verglichen habe, habe er «beinahe vor Neid geweint»: 4,3 Millionen Franken habe die Nachbargemeinde eingenommen, die ja kleiner als Greifensee sei. «Wir haben pro Kopf einen der tiefsten Werte im Kanton bei der Grundstückgewinnsteuer», sagte Schaerli. Für die Gemeindemitglieder dennoch kein Grund die Jahresrechnung zurückzuweisen: Sie genehmigten sie einstimmig.

Ebenfalls ohne Gegenstimme wurde die Bauabrechnung des Lehrschwimmbeckens Schulhaus Breiti gutgeheissen. Die Sanierung kostete rund vier Millionen Franken und war damit 465‘000 Franken tiefer als zuletzt budgetiert.

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