Der FC Dübendorf sperrt säumige Beitragszahler
Zwar bekam der Fussballclub Dübendorf (FCD) am Ende die finanzielle Unterstützung: eine einmalige Summe von 89’000 Franken sowie drei jährliche Beträge von je 60‘000 Franken bis Ende Saison 2022/23. Doch gleichzeitig hagelte es an der Gemeinderatssitzung von letzter Woche Kritik.
Wiederholt wurde etwa moniert, der FCD engagiere sich nicht stark genug bei der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen, namentlich Sponsoren. Am wenigsten Verständnis hatten die Parlamentarier aber für den Umstand, dass viele Fussballer ihre Mitgliederbeiträge nicht bezahlen. Der Eishockeyclub, der noch mehr Geld als der FCD zugesprochen erhielt, kam hingegen ungeschoren davon.
Konkurs abgewendet
FCD-Präsident Markus Herzog hat die Sitzung per Livestream verfolgt. Er sei froh über den Entscheid des Gemeinderats. «Ohne das Geld hätten wir einen Konkurs wohl kaum abwenden können.» Mit der geäusserten Kritik könne er leben, sagt er, «zumal auch wiederholt erwähnt wurde, was der FCD für die Integration und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen tut». Und letztlich sei die Zustimmung ja auch einstimmig erfolgt. Bezüglich der fehlenden Mitgliederbeiträge räumt Herzog Fehler ein, man sei hier «nicht streng genug» gewesen. «Tatsächlich bestehen substanzielle Ausstände von mehreren tausend Franken.» Mittlerweile habe man aber reagiert und die säumigen Spieler gesperrt. Grosser Konkurrent in der Stadt «Grundsätzlich ist es nicht so, dass der FCD die Finanzen nicht in Ordnung hält oder gar Geld verschleudert; der FCD bezahlt den Spielern keine Löhne», betont Herzog. Vielmehr seien in den letzten Jahren die Einnahmen stetig gesunken – und die Ausgaben gestiegen. Vor allem die Infrastrukturkosten schenkten ein, also Strom, Wasser oder Platzunterhalt. «Das läppert sich», so Herzog. Dazu kämen Löhne, Verbandsabgaben, Aufwendungen für Schiedsrichter und Spielbetrieb.
«Die fehlenden Match-Eintritte und die Ausfälle bei der Miete für das Restaurant werden sich bemerkbar machen.»
Markus Herzog, Präsident FCD
Gleichzeitig werde die Suche nach Sponsoren immer schwieriger, und einige hätten entgegen einer vertraglichen Vereinbarung ihre Beiträge nicht bezahlt. Der FCD-Präsident widerspricht der Kritik im Gemeinderat, wonach der Fussballclub nicht genug für die Öffentlichkeitsarbeit tue. «Wir sind dort präsent, wo wir können», sagt Herzog. «Aber mit dem Eishockeyclub buhlt ein zweiter grosser Dübendorfer Verein um ein Stück vom Kuchen, das macht es auch nicht gerade einfacher.» Einen wichtigen Punkt kann der FCD, dessen Fanionteam in der 2. Liga spielt, jedoch aus dem Forderungskatalog der Dübendorfer Politik streichen, zumindest halbwegs: So ist die Website neu erstellt – und wird nun laut Herzog laufend aktualisiert. Strukturelles Defizit bleibt Herzog glaubt nicht, dass der FCD dereinst nicht mehr auf die Unterstützung der Stadt angewiesen sein wird. Er befürchtet im Gegenteil, dass die Corona-Krise wiederum ein Loch in die Vereinskasse reissen wird. «Die fehlenden Match-Eintritte und die Ausfälle bei der Miete für das Restaurant werden sich bemerkbar machen. Auch das Dübi-Fäscht und das Schülerturnier wären gute Gelegenheiten gewesen, Geld zu verdienen und den Klub zu präsentieren. Doch das fällt jetzt ja alles weg.»
«Abgesehen davon erwartet der Stadtrat aber schon, dass der FCD seine Hausaufgaben macht.»
André Ingold (SVP), Stadtpräsident von Dübendorf
Stadtpräsident André Ingold (SVP) will die Situation aufgrund der Corona-Krise isoliert betrachten. «Da schauen wir dann, wenn sich das Problem konkret zeigt», sagt er. Zudem gebe es für Sportvereine auch die Möglichkeit, beim Kanton eine Rückerstattung der Ausfälle durch Corona zu beantragen.
«Abgesehen davon erwartet der Stadtrat aber schon, dass der FCD seine Hausaufgaben macht und in den nächsten drei Jahren ohne weitere Finanzspritze auskommt», sagt Ingold. Man mache sich allerdings keine Illusionen: Die jährlichen Unterstützungsbeiträge würden – in der aktuellen Grössenordnung – wohl auch in Zukunft nötig sein.
Neu und trotzdem veraltet
Ingold attestiert dem Verein eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und ein wachsendes Problembewusstsein, was sich etwa darin zeige, dass die ersten säumigen Mitglieder gesperrt worden seien. Aber es reiche eben nicht, nur eine neue Website einzurichten, man müsse sie auch aktuell halten. «Der letzte Bericht des Präsidenten etwa ist aus der Saison 2015/16.»
Der Stadtrat fordert weiter, der Verein müsse die Finanzen in professionelle Hände geben. «Die Sache mit den ausstehenden Mitgliederbeiträgen wäre sicher nicht zu einem dermassen grossen Problem geworden, wenn man das bereits getan hätte», sagt Ingold. Der Vorstand sei nun einmal ein Laiengremium, und da passierten Fehler. «Das war früher auch beim Eishockeyclub der Fall, bevor eine externe Stelle sich um die Finanzen kümmerte.»
