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Beschwerden im Sozialbereich nehmen zu

Der Dübendorfer Ombudsmann verzeichnete 2019 nicht nur deutlich mehr Fälle, erstmals baten auch Mitarbeitende aus dem Sozialbereich um Hilfe. Mehrere von ihnen haben gekündigt.

Das Sozialamt kommt im neusten Bericht des Ombudsmann wiederum nicht gut weg.

Christian Merz

Beschwerden im Sozialbereich nehmen zu

Insgesamt 38 Fälle hat der Dübendorfer Ombudsmann Anton Frauenfelder im Jahr 2019 behandelt. Wie er in einem Bericht schreibt, betreffen wiederum die meisten davon den Bereich Soziales: Mit 31 Anfragen bewegt sich diese Zahl wieder in Richtung des Rekordwerts, der 2017, im Jahr nach der Einführung der Ombudsstelle, verzeichnet wurde. Damals bearbeitete die Ombudsstelle in diesem Bereich 44 Fälle. Im Jahr darauf halbierten sich die Anfragen.

Ombudsmann Frauenfelder führt die Steigerung darauf zurück, dass der «Tages-Anzeiger» Anfang 2019 zwei Fälle bekannt machte, in denen Klienten von den Mitarbeitenden der Sozialabteilung angeblich schikanös behandelt worden sind. Daraufhin hätten sich die Zahlen vorübergehend stark erhöht, wie Frauenfelder auf Anfrage sagt.

Sozialvorsteherin Jacqueline Hofer (SVP) hält fest, ihr seien aus dem Jahr 2019 lediglich neun Fälle beziehungsweise Abklärungen aus der Abteilung Soziales bekannt, sechs davon beträfen die Sozialhilfe. Massnahmen seien daraus keine resultiert, es bestehe also kein Handlungsbedarf, so Hofer.

Alles korrekt – oder doch nicht?

Frauenfelder schreibt in seinem Bericht weiter, dass 2019 erstmals auch Mitarbeitende der Sozialhilfe an ihn gelangt seien. «Diese konnten sich mit der Art, wie mit Klienten umgegangen wird, nicht mehr identifizieren», heisst es im Bericht. Und weiter: «Verschiedene Arbeitsverhältnisse sind in der Folge aufgelöst worden.» Zusätzliche Angaben will Frauenfelder nicht machen.

«Die teilweise unwahre und übertriebene Kritik hat einzelne Mitarbeitende verunsichert.»

Jacqueline Hofer (SVP), Sozialvorsteherin Dübendorf

Für Stadträtin Hofer ist die Aussage zum Umgang mit den Klienten «zu pauschal, um sie seriös kommentieren zu können». Sie verweist auf eine externe Untersuchung der zwei geschilderten Fälle. Diese kam zum  Ergebnis, dass sich die involvierten Mitarbeitenden korrekt verhalten hätten. Links-grün hingegen hatte direkt nach Veröffentlichung des Ergebnisses kritisiert, die externen Prüfer seien «dilettantisch» vorgegangen.

Hofer bestätigt, dass die Fluktuation 2019 höher gewesen sei als im Vorjahr, der Begründung des Ombudsmanns hingegen widerspricht sie. Die Zunahme der Kündigungen führt sie auf «die teilweise unwahre und übertriebene Kritik» zurück, der das Sozialamt 2019 in der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen sei. Dies habe einzelne Mitarbeitende «verunsichert». Man sei überzeugt, ein guter Arbeitgeber und Leistungsträger zu sein.

Weniger Inhalt wegen Unsicherheit

Weiter fällt auf, dass der aktuelle Bericht der Ombudsstelle auffallend dünn ist. In den Vorjahren ging Frauenfelder jeweils noch detailliert auf die Zahlen ein, lieferte anonymisierte Beispiele aus der Praxis und erörterte mögliche Gründe für die hohen Zahlen im Bereich Soziales.

Dass er dies im aktuellen Bericht nicht getan hat, habe mit der Verunsicherung im Zusammenhang mit seiner Aufgabe zu tun, so Frauenfelder: «Eine Zeitlang war nicht klar, ob und in welcher Form der Stadtrat die Ombudsstelle weiterführen will.» Danach sei lange die Frage offen gewesen, ob die Zuständigkeit an den Gemeinderat übergehen solle. «Und schliesslich waren da auch noch die Diskussionen darüber, ob die Ombudsstelle weiterhin von der Stadt Dübendorf oder neu vom Kanton geführt werden soll.»

Diese Fragen haben sich mittlerweile geklärt: Zuständig ist neu das Parlament, und ab Anfang 2021 wird die kantonale Ombudsstelle die Fälle aus Dübendorf übernehmen – das hat der Gemeinderat so bestimmt. 

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