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Seit 40 Jahren keine Ölfasskrise bei den «Barrel Drummers»

Seit fast 40 Jahren machen die «Barrel Drummers» aus Greifensee karibische Musik. Für die auf Ölfässern getrommelten Melodien baut auch mal ein Teilnehmer des Greifenseelaufs während des Wettkampfs einen Tanzschritt ein.

«Steel Drummer»-Mitglieder posieren mit ihrem musikalischen Leiter David Henry., Die Band tritt jährlich am Greifenseelauf auf., Die Schlagflächen der Drums sind aus Blech und werden mit Hammer und Meisel gestimmt., Um ein bisschen Geld zu verdienen treten die Musiker auch an Hochzeiten auf.

PD

Seit 40 Jahren keine Ölfasskrise bei den «Barrel Drummers»

Ölfässer und Karibik – das scheint emotional nicht zusammen zu passen. Für die «Barrel Drummers» aus Greifensee passt das aber bestens. Seit 40 Jahren macht der Verein Musik auf den Ölfässern in der Tradition der karibischen Inseln Trinidad und Barbados. Die Greifenseer sind damit einer der ältesten Schweizer Steelbands.

Startschuss für die Band war ein Steelbandkonzert 1980 im Landberghaus. Begeistert über die karibischen Klänge gründete eine Gruppe Zuschauer kurz danach die «Barrel Drummers».

«Wir machen es nicht wegen des Geldes – aber wir brauchen das Geld.»

Kurt Meier, Gründungsmitglied «Barrel Drummers»

Bei der Gründung war Kurt Meier dabei. «Über einen Vermittler liessen wir die Steel Drums aus London liefern», sagt der Rentner. Wenn die Band heute an einer Veranstaltung spielt, lässt sich an den Trommeln erkennen, dass sie aus Fässern entstanden. Ob Bass, Tenor, Guitar oder Double Second – allen Drums gemeinsam ist die nach unten gewölbte Schlagfläche und der fehlende Fassboden.

Lehrer aus der Karibik

Zu Beginn habe die Band die karibischen Klänge mit einem Greifenseer Musiker geübt, sagt Meier. Seit 20 Jahren setzen die «Barrel Drummers» nun aber auf David Henry aus Barbados als musikalischen Leiter. Henry nehme jedes zweite Mal an den wöchentlichen Proben der Band im Singsaal Nänikon teil, so Meier. Für seine Arbeit als musikalischer Leiter werde Henry bezahlt.

Ins Geld geht auch das Stimmen der Instrumente. Während andere Instrumente von Hand oder mit filigranem Werkzeug in die richtige Tonlage gebracht werden, benötigt man bei den Steel Drums einen speziellen Hammer. Damit bringe man die Blechfelder der Schlagfläche wieder in die richtige Form. «Die Drums zu stimmen, ist höchst anspruchsvoll. Deswegen engagieren wir dafür einen Fachmann aus London, der zu uns ins Dorf kommt», sagt Meier. 100 bis 150 Franken koste das stimmen pro Fass, das spätestens alle zwei Jahre gemacht werde. 15 Fässer – teils seien es Doppelfässer – benutzt die Band zurzeit.

Zwischen Null und 2000 Franken pro Auftritt

Damit die Ausgaben nicht aus dem Ruder laufen, treten die «Barrel Drummers» an Firmenanlässen, Hochzeiten, Geburtstage oder Quartierfesten auf. Zwischen «null und 2000 Franken» würden sie für ihre Auftritte verlangen. «Wir machen es nicht wegen des Geldes – aber wir brauchen das Geld», sagt Meier.

Einen publikumswirksamen Auftritt hatten die «Barrel Drummers» auch am Aufrichtefest des Kultur und Kongresszentrums Luzerns (KKL) im Jahr 2000. Meier war als Ingenieur am Bau beteiligt und wusste, dass für die Eröffnungsfeier musikalische Unterhaltung gesucht wurde. So schlug er die Greifenseer fürs Fest vor. Für die Band sei der Auftritt, trotz grossem Publikum, aber etwas ernüchternd gewesen: «Wir hatten einen grossen Aufwand mit Proben und dem Transport für gerade mal 20 Minuten Spielzeit», sagt Meier. Lieber hätten sie zwei Stunden gespielt.

Für Meier ist dagegen der jährlich stattfindende Greifenseelauf ein Highlight. Während des Sportanlasses trommelt die Band an der Strecke. Mit Ausnahme der Spitzenläufer würden die Teilnehmer jeweils positiv auf die musikalische Unterstützung reagieren, sagt Meier. «Mancher Teilnehmer ändert seinen Laufschritt in einen Sambaschritt, wenn er an uns vorbeiläuft.»

Von Rock ‘n’ Roll bis Pop

«Allgemein kommen unsere Auftritte jeweils gut an. Insbesondere auch in Alterszentren», sagt Meier. Das Repertoire der «Barrel Drummers» umfasse etwa 40 Melodien. So spielen sie neben karibischen Liedern auch Stücke von Chuck Berry, Fats Domino oder Caro Emerald.

Im Verlaufe der Zeit, habe es innerhalb der Band immer wieder personelle Wechsel gegeben, die meist aufgrund einer Verjüngung erfolgten. Diese Wechsel und auch zwei Gruppenabspaltungen habe die Band aber gut überstanden, meint Meier. «Der harte Kern ist auch bei diesen Abspaltungen der Ursprungsband treu geblieben.» Nachwuchs sei erwünscht, aber nicht «vordringlich», sagt Meier. 

Die Band habe in letzter Zeit das gemeinsame Üben im Singsaal Nänikon vermisst, das aufgrund der Coronamassnahmen untersagt war, sagt Meier. Die neusten Lockerungen des Bundes stimmen ihn zuversichtlich, dass sie bald wieder zusammenkommen und proben können. Vielleicht würden sie schon am 23. Juni wieder auftreten können. «Schade, dass das Greifenseer Städtlifest nicht stattfindet», sagt Meier. «Auch dort hätten wir die karibische Lebensfreude mit ihren Melodien und Rhythmen gerne unter die Zuhörer gebracht.»

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