Nicht alle Tösstaler Kirchen feiern Pfingsten vor Ort
Eigentlich wollte der Bundesrat erst am Mittwoch bekanntgeben, ab wann Gottesdienste in der Schweiz wieder erlaubt sind. Doch er entschied bereits eine Woche früher. Ab kommendem Donnerstag können religiöse Feiern wieder stattfinden.
Dieser Entscheid trifft bei der Kirchgemeinde Eulachtal auf Unverständnis: «Das öffentliche Leben bleibt eingeschränkt – doch die Kirchen sollen ab dem 28. Mai bereits wieder zu Gottesdiensten einladen dürfen? Das stimmt für uns so nicht», schreibt Katharina Wachter in einer Mitteilung. Sie ist Mitglied der Kirchenpflege Eulachtal und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.
Entscheidung der Kirchgemeinden
Der Kirchenrat der Reformierten Kirche im Kanton Zürich überlässt es den Kirchgemeinden, ob und wann sie wieder Gottesdienste abhalten wollen. In der gesamten Kirchgemeinde Eulachtal, also auch in Schlatt, wird der Gottesdienstbetrieb voraussichtlich erst ab dem 14. Juni wieder aufgenommen.
Die Kirchenpflege begründet ihren Entscheid damit, dass unter den geltenden Schutzvorgaben im Gottesdienst keine Gemeinschaft gepflegt werden könne. Aus diesem Grund werde die Kirche vorerst auf andere Weise, beispielsweise durch Andachten auf der Website, mit ihren Gläubigen verbunden sein.
« Es ist ein schönes Zeichen, jetzt der Gemeinschaft der Christen wieder ihre Bedeutung zukommen zu lassen.»
Manuela Hugi, Präsidentin Reformierte Kirchenpflege Wildberg
Auch in der Reformierten Kirche Sitzberg wird der erste Gottesdienst erst wieder am 14. Juni stattfinden, wie die Kirchenpflege mitteilt. An Pfingsten werde jedoch für die Gläubigen ein Zuspruch auf der Homepage der Kirche aufgeschaltet.
Ein schönes Zeichen an Pfingsten
Mehr Freude am Entscheid des Bundesrates hat Manuela Hugi, Präsidentin der Reformierten Kirche Wildberg. «Ich finde es gut, dass wieder Gottesdienste in der Kirche gefeiert werden können», sagt sie.
Deshalb werde der erste Gottesdienst in der Kirche Wildberg bereits nächsten Sonntag an Pfingsten stattfinden. «Pfingsten ist ein hoher Feiertag im Kirchenjahr. Es ist ein schönes Zeichen, jetzt der Gemeinschaft der Christen wieder ihre Bedeutung zukommen zu lassen», meint Hugi.
Kein Festgottesdienst
Trotzdem wird der erste Gottesdienst nach dem Lockdown nicht in gewohnten Rahmen stattfinden. Zum einen muss die 2-Meter-Abstandsregel in der Kirche eingehalten werden. Zum anderen sollte auf Gemeindegesang wegen der hohen Virenverbreitungsgefahr beim Singen verzichtet werden – oder zumindest die Anzahl der Lieder reduziert werden. So sieht es das Schutzkonzept der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz vor.
«Ein Festgottesdienst ist unter den aktuellen Bedingungen kaum möglich und scheint uns auch nicht ratsam.»
Marianne Heusi, Präsidentin Reformierte Kirchenpflege Turbenthal-Wila
So gibt es in der Kirchgemeinde Turbenthal-Wila am Pfingstsonntag nur eine rund 30-minütige Andacht mit Orgelmusik, und zwar in der Kirche Turbenthal. Erlaubt seien maximal 60 Besucher, schreibt Marianne Heusi, Präsidentin der Kirchenpflege.
«Ein Festgottesdienst ist unter den aktuellen Bedingungen kaum möglich und scheint uns auch nicht ratsam», sagt sie. Sollten mehr Personen an der Andacht teilnehmen wollen, werde es eine Videoübertragung der Andacht ins Kirchgemeindehaus geben.
Sachter Einstieg ab 7.Juni
In der Kirchgemeinde Zell wird nicht an Pfingsten, sondern erst wieder ab dem 7.Juni Gottesdienst gefeiert, jedoch etwas anders als üblich. « Es ist notwendig, dass wir den Einstieg sachte und überlegt einleiten», betont Hans-Ulrich Menzi, Präsident der Reformierten Kirchenpflege Zell.
«Wegen des kürzeren Gottesdiensts werden maximal zwei Lieder gesungen.»
Hans-Ulrich Menzi, Präsident Reformierte Kirchenpflege Zell
Die Gottesdienste werden neu maximal 45 Minuten dauern. Ausserdem würden anstelle von einem Gottesdienst zwei durchgeführt, zeitlich und örtlich voneinander getrennt. «Abwechslungsweise findet der Frühgottesdienst zuerst in Zell, hernach in Kollbrunn statt», sagt Menzi.
Singen oder nicht singen
Während in den Reformierten Kirchen Turbenthal-Wila und Wildberg vorerst auf Gemeindegesang verzichtet wird, entschied sich die Kirchenpflege Zell für einen Mittelweg: «Wegen des kürzeren Gottesdiensts werden maximal zwei Lieder gesungen», erklärt der Kirchenpflegepräsident. Da man in der Kirche Abstand halte und nur eine begrenzte Zahl Besucher im Gottesdienst erlaubt sei, könne das Risiko minimiert werden. «Wir sind überzeugt, dass wir so trotz Einschränkungen eine stimmige Feier durchführen können.»
«Der Sigrist wird sich die Namen der Besucher notieren.»
Manuela Hugi
Keinen Handlungsspielraum haben die Kirchgemeinden bei der Erfassung der Kontaktdaten der Besucher. So schreibt die Reformierte Kirche im Kanton Zürich auf ihrer Website, dass Letztere zwingend aufgenommen werden müssen.
In den Kirchgemeinden Turbenthal-Wila und Zell erfolgt dies mittels eines Zettels, der am Ende des Gottesdienstes abgegeben werden muss. Einen anderen Weg geht die Reformierte Kirche Wildberg. «Der Sigrist wird sich die Namen der Besucher notieren. In Wildberg kennt man einander – in diesem Fall ein riesiger Vorteil», sagt Kirchenpflegepräsidentin Manuela Hugi.
Livestream bleibt
Noch keine Entscheidung über die Wiederaufnahme des normalen Gottesdienstbetriebs hat die Baumer RegiChile gefällt. «Wir werden am Dienstag klären, welche Konsequenzen die Umsetzung des Schutzkonzepts für unsere Gemeinde hätte und aufgrund dieser Fakten dann eine Entscheidung treffen», erklärt Gemeindeleiter Andreas Sigrist auf Anfrage.
«Die Lektüre der Schutzbestimmungen holte mich dann aber doch ziemlich schnell auf den Boden der Realität zurück.»
Andreas Sigrist, Gemeindeleiter RegiChile Bauma
Bisher konnten die Gläubigen während des Lockdowns per Livestream den sonntäglichen Gottesdienst von zu Hause aus mitverfolgen. «Dies wird im Moment auch so bleiben», sagt Sigrist.
Keine wirkliche Freude
Anfänglich war die Freude auch bei ihm gross, bald wieder mit Gläubigen vor Ort einen Gottesdienst feiern zu können. «Die Lektüre der Schutzbestimmungen holte mich dann aber doch ziemlich schnell auf den Boden der Realität zurück. Wirkliche Freude sieht anders aus.»
Wichtig sei für die Gemeinde, dass Gottesdienste generationenübergreifend gefeiert werden können, erklärt Sigrist weiter. «Deshalb sollen auch Kinder in einem kindergerechten Programm mit dabei sein können. Das ist mit den aktuellen Vorgaben aber schwierig realisierbar.»
