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Kurt Waldmeier verliert Leitung der Ju-52-Sanierungen

Kurt Waldmeier leitete die Überholungen der drei Ju-Air-Maschinen bei einer externen Firma. Anfang April sprach der Besitzer, der deutsche Investor Dieter Morszeck, Waldmeier seine Funktion ab.

Ju-Air CEO Kurt Waldmeier bei einer Pressekonferenz anlässlich der Wiederaufnahme des Flugbetriebs im August 2018., Das Bundesamt für Zivilluftfahrt stellte beim Unterhaltsbetrieb der Ju-Air diverse Verstösse fest., In der Folge entzog das Bazl der Ju-Air die Zulassung für den Unterhalt der Ju-52., Medien verfolgen den Erstflug einer Ju-52 nach dem Absturz im August 2018.

Christian Merz

Kurt Waldmeier verliert Leitung der Ju-52-Sanierungen

Die Negativspirale für den Dübendorfer Ju-Air Chef Kurt Waldmeier nimmt kein Ende: Nach dem tragischen Absturz einer Ju-Air-Maschine im August 2018 verlor das Unternehmen in der Folge auch die Flugbewilligung und die Zulassung für die Wartung der Ju-52-Flugzeuge.

Nun verliert Waldmeier auch noch die Leitung für die Totalsanierungen der Ju-52-Maschinen. Diese sollten bei der Firma Junkers Flugzeugwerke, ebenfalls mit Standort Dübendorf, durchgeführt werden. Waldmeier war gezwungen, die Überholungsarbeiten an eine externe Firma auszulagern, nachdem das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) der Ju-Air im Mai 2019 die Zulassung für den Unterhalt entzog.

Flugbetrieb in weiter Ferne

Die Junkers Flugzeugwerke konzentrieren sich seit geraumer Zeit auf den originalgetreuen Nachbau des Flugzeugtyps F13. Dieser ist vor rund 100 Jahren von der gleichnamigen deutschen Firma Junkers Flugzeugwerk AG – die auch den Typ Ju-52 produzierte – entwickelt worden.

Aktuell ist die Firma in Dübendorf in einem Zulassungsverfahren für den Flugzeugtyp Ju-52. Weil sich dieses signifikant verzögert, wird es immer wahrscheinlicher, dass der Gründer und CEO der Ju-Air Kurt Waldmeier, die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nicht mehr während seiner Amtszeit erleben wird (siehe Box). Denn Waldmeier wird im Jahr 2022 seine Funktion als Geschäftsleiter des Vereins Freunde der Luftwaffe (VFL), der die Ju-Air betreibt, abgeben.

Da der Flugbetrieb aufgrund eines Flugverbots seit November 2018 eingestellt ist, konzentrierte sich Waldmeier neben dem Betrieb des Fliegermuseums auf die Totalrevisionen der Flugzeuge. Möglich war dies, weil er 2015 die Junkers Flugzeugwerke zusammen mit dem deutschen Investor Dieter Morszeck gründete. Seither baute Waldmeier zusammen mit seinem Sohn Silvio Waldmeier die Firma auf.

«Hätte Stecker ziehen müssen»

Anfang April wollte Dieter Morszeck jedoch die alleinige operative Führung der Junkers Flugzeugwerke. Für ihn gehe dieser Entscheid in Ordnung und er hege «keinen Groll», sagt Kurt Waldmeier. «Ich hätte im vergangenen Jahr, als beschlossen wurde, dass alle Ju-52 Maschinen totalsaniert werden, den Stecker ziehen müssen.» Der Verein Freunde der Luftwaffe (VFL) hätte das dafür benötigte Kapital nicht aufbringen können, so Waldmeier.

Dann kam jedoch der vermögende Koffer-Hersteller Morszeck und war bereit, mehrere Millionen Franken in den Aufbau der Junkers Flugzeugwerke zu investieren. Dass er die Leitung für die Überholung der Ju-Air-Maschinen nun abgeben musste, sei für ihn kein grosses Problem, sagt Waldmeier. «Jedes Lebenswerk hat sein Ende. » Wenn jemand die Fäden übernehme, der mehr finanzielle Mittel zu Verfügung habe, sei das für ihn in Ordnung. «Mir ist es mehr wert, dass ich auf 38 Jahre zurückblicken kann, in denen ich mit Freude etwas bewegen konnte.»

«Ab jetzt ist nur noch bedingt Know-how-Transfer zwischen uns und der Junkers Flugzeugwerke möglich.»

Kurt Waldmeier, CEO Ju-Air

Der plötzliche Sinneswandel des deutschen Investors kam für die Waldmeiers aber überraschend. Morszeck trage nun alleine die Gesamtverantwortung für die Überholung der Flugzeuge, so Waldmeier. Und: «Ab jetzt ist nur noch bedingt Know-how-Transfer zwischen uns und der Junkers Flugzeugwerke möglich.» Ob Waldmeier die erste Ju-52 Maschine noch als CEO wieder abheben sehen kann, steht deshalb in den Sternen. «Ich wünsche es mir, aber das ist sehr ungewiss», sagt er selbst.

Schlussbericht im September

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) teilt auf Anfrage mit, dass der Abschlussbericht nach Verzögerungen voraussichtlich im September publiziert werde (siehe Box). Damit werden die Sanierungsarbeiten an den Ju-52 Maschinen bis mindestens dahin ruhen.

Die Arbeiten für die Zulassung als Instandhaltungsbetrieb der Junkers Flugzeugwerke indes seien «auf gutem Weg», sagt der Leiter Kommunikation des Bazl, Urs Holderegger. «Die Vorgaben für den Unterhalt und die Sicherheitsvorkehrungen für den  Flugbetrieb der Ju-52 Flugzeuge sind deutlich strenger als früher.» Falls weiterhin mehr als neun Passagiere befördert werden sollten, würden die Vorkehrungen nochmals erhöht. Und je nach Ergebnis des Schlussberichts über die Absturzursache würden weitere Anpassungen folgen allenfalls auch die nationale Gesetzgebung beeinflusst werden, so Holderegger.

Kurt Waldmeier gibt sich im Hinblick auf den Schlussbericht zum Absturz der Ju-52 vordergründig gelassen: «Ich hoffe, dass der Bericht die Wahrheit ans Licht bringt. Warten wir ab.»

Keine Ju-Air-Flüge vor 2022

Anfang Mai wurde bekannt, dass die Flugzeuge der Ju-Air höchstwahrscheinlich nicht vor 2022 werden abheben können (wir berichteten). Grund dafür ist, dass sich das Zulassungsverfahren für die Junkers Flugzeugwerke, welche die drei Ju-52-Maschinen überholen soll, verzögert. Dies, weil das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) wegen des Coronavirus das Verfahren vorübergehend einstellen müsste. Und weil man den Schlussbericht über den Absturz einer Ju-52 am Piz Segnas (GR) im August 2018 abwarten wolle. Die Ju-Air lagerte die Überholung der Flugzeuge im Mai 2019 an die ebenfalls in Dübendorf ansässige Junkers Flugzeugwerke aus, nachdem das Bazl der Ju-Air die Zulassung für den Unterhalt entzog.

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