Twint, Weggli und hohe Polizeipräsenz
Wer am Freitagmorgen auf den Wochenmarkt will, muss erst durch eine Schleuse. Diese besteht aus Absperrgittern, Wegweisern mit den Aufschriften «Eingang Stadthaus» und «Eingang Markt», einem Desinfektionsspender, Hinweistafeln und aufgeklebten Pfeilen auf dem Boden. Am Eingang steht zudem eine Stadtpolizistin und zählt Ein- sowie Austritt der Marktbesucher – maximal 40 dürfen auf den Stadthausplatz. Die Käufer, die sich dadurch nicht abschrecken lassen, können den Pfeilen am Boden folgen und entlang der Absperrketten erstmal seit dem 13. März wieder ins Geschehen des traditionellen Freitagsmarkts eintauchen.
Michael Pook aus Egg ist wegen des Käses der Käserei Camenzind hier. «In den letzten Wochen musste ich für diesen nach Fehraltorf fahren – das ist schlecht für die Umwelt», sagt der gebürtige Engländer. Dass der Markt heute erstmal seit Wochen wieder stattfindet habe er nur zufällig erfahren. Vor zwei Wochen habe er bei der Stadt angerufen, um das Datum des nächsten Wochenmarktes zu erfahren. Dort habe man ihm darauf auch keine Antwort geben können.
Brisante Vorgeschichte
Die Stadt wollte den Mark eigentlich schon am 24. April durchführen. Doch die kantonale Volkswirtschaftsdirektion intervenierte und die Ustermer sagten den Anlass kurzfristig ab. Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit der Stadt Uster, sagt, dass man sich danach noch überlegt habe, den Freitagsmarkt am 8. Mai durchzuführen. «Wir wollten aber eine Konfrontation mit dem Kanton verhindern und keine weitere Unsicherheit für die Standbetreiber schaffen.» Und da der 1. Mai ein Feiertag war, habe man sich für den heutigen Termin entschieden.
Winterthurer Polizei verpfeift Uster beim Kanton
24.04.2020

Wochenmarkt abgesagt
Am Freitagmorgen wollte die Stadt Uster ihren traditionellen Wochenmarkt wieder durchführen, doch Beitrag in Merkliste speichern Dass der Kanton überhaupt auf den Ustermer Versuch den Markt durchzuführen aufmerksam wurde, ist einem Hinweis aus den Reihen der Stadtpolizei Winterthur zuzuschreiben. Deswegen gab es aber offenbar kein böses Blut zwischen den beiden Städten. «Wir haben grundsätzlich ein gutes Verhältnis zu den Winterhurer Kollegen», sagt Ganster. Von wem der Hinweis gekommen sei, sei dann auch nicht weiterverfolgt worden.
Brot und Pfeile
Auf dem Markt stehen die Leute an verschiedenen Ständen an. Auch bei «Alberts Backstube» wird eifrig Brot gekauft. Eine Mutter steht mit ihren beiden Kindern an. Sie kauft ein Brot und die Kinder bekommen von Kreshnike Shalja ein Weggli geschenkt. «Ich habe den Markt vermisst», sagt die junge Verkäuferin. Aufwände habe sie aufgrund der Coronamassnahmen nicht mehr als sonst.
«Schön sind sie wieder hier», sagt eine Verkäuferin des «Bio Hof Koller» zum Abschied zu einer Kundin. Am Marktstand des Gossauer Betriebs arbeitet heute Vreni Müller an der Kasse. «Wegen des Coronavirus haben wir entschieden, dass nur eine von uns das Geld einzieht», sagt sie. Zusätzlich hätten sie auch das Bezahlsystem Twint am Stand eingeführt. Anders als im Hofladen werde heute nur selten davon Gebrauch gemacht, sagt Müller.
Der Markt ist so gut besucht, dass vor dem Stadthausplatz hin und wieder Besucher warten müssen.. Die Polizei ist präsent, auch Andreas Baumgartner, Kommandant der Stadtpolizei Uster, ist heute hier. «Der Markt ist erfreulich gestartet, alle 14 Standbetreiber sind gekommen», sagt Baumgartner. Die Besucher hielten sich an die Bestimmungen, auch wenn nicht alle auf die Pfeile am Boden achten würden. Just als Baumgartner das sagte, latscht eine ältere Frau gegen die Pfeilrichtung am Kommandanten vorbei und sagt: «Hier braucht es eine Verkehrspolizei, die den Markt regelt.» Baumgartner schmunzelt und erwidert: «Sie laufen in die falsche Richtung!»
Baumgartner ist aber nicht nur hier, um sich ein Bild des Wochenmarktes zu machen, denn auf heute war auch eine Demo von Ustermer Klima-Aktivisten geplant (siehe Box). Die Stadtpolizei hat dem Gesuch nicht stattgegeben und ist wohl auch deswegen mit einer erhöhten Präsenz vor Ort.
Klimaaktivisten am Wochenmarkt unerwünscht
15.05.2020

Polizei im Einsatz
Rund um den Wochenmarkt haben Stadt- und Kantonspolizei mehrere Klimaaktivisten kontrolliert und href=”/flag/flag/np8_favorites/3204582?destination=batch&token=B81rV7BMKl7wLZhYxPsr805UtT4_D0hrbJYuCNZbH9s” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3204582 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Derweil neigt sich der Markt dem Ende zu. Jaqueline Wirtz kann sich heute nicht über viel Kundschaft an ihrem kleinen «Mönchaltorfer-Senftopf-Stand» erfreuen. «Normalerweise kann ich auf meine Stammkunden zählen – bis jetzt waren nur drei hier.» Seit sechs Jahren sei sie auf dem Wochenmarkt zugegen, allerdings nur alle vier Wochen, sagt Wirtz. «Die Leute brauchen nicht jede Woche Senf.»
