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Politik

So geht es weiter mit dem Gossauer «Löwen»

Ein gutes halbes Jahr lang ist der Gasthof Löwen in Gossau bereits geschlossen. Nun verkündet der Haupteigentümer, wie es weitergehen soll.

Der altehrwürdige Gasthof Löwen soll verkauft werden., Bei einem Bauprojekt müssten aber wohl die Fassaden stehen bleiben.

Seraina Boner

So geht es weiter mit dem Gossauer «Löwen»

Die Lage um den Gasthof Löwen in Gossau ist verzwickt. Der Gossauer Landwirt Urs Weber wollte das Restaurant mit einer Neueröffnung vor rund zwei Jahren wieder in Schwung bringen, scheiterte aber. Im September 2019 schloss er die Türen des Restaurants, seither diskutiert die Eigentümerschaft, wie es weitergehen soll. Doch jetzt sind an der letzten Gesellschafter-Versammlung der Löwen GmbH die Würfel gefallen.

Urs Weber als Mehrheit-Anteilinhaber der GmbH, der das Gasthaus gehört, könnte im Grunde im Alleingang entscheiden, was mit der Liegenschaft zu geschehen hat. Doch so ist Urs Weber nicht. Mehrere Familienmitglieder sowie der Gossauer Architekt Aaron J. Wegmann sind an der Liegenschaft beteiligt. Er suchte einen Konsens.

Verkauf, Vermietung, Umbau

Doch die Interessen sind unterschiedlich. So stand nach der Schliessung letzten Jahres zunächst in den Sternen, ob das Haus verkauft, wieder vermietet oder gar umgebaut werden soll. Wegmann selber hatte eigentlich bereits ein Bauprojekt entworfen; ihm wäre also daran gelegen, dieses umzusetzen.

Die Webers hingegen wollen das Gebäude, ohne jegliche Zusatzinvestitionen in Gebäude und Liegenschaft, verkaufen. Und genau das wird jetzt auch geschehen. Urs Weber hat mit seinem Assistenten, Hansruedi Hartmann entschieden: «Es ist Zeit, die Ausgangslage transparent zu machen.» Die Bubiker Firma Griesser Immobilien sei mit dem Verkauf betraut worden. «Es gibt kein Zurück mehr.»

«Ein Restaurant zu verkaufen, wäre knifflig.»

Roland Griesser, Griesser Immobilien Bubikon

Hartmann sagt: «Wir verstehen Wegmanns Anliegen, das Bauprojekt umsetzen zu können. » Und die Familie Weber gab ihm in der Folge zwei Fristen, um ein Kaufangebot zu machen. Wegmann besitze auch nur gut 0,7 Prozent der Anteile an der GmbH.

Seit Mai 2019 habe der Architekt die Gelegenheit des Vorkaufrechts erhalten. Er habe aber weder in der ersten Frist, die Ende November 2019 auslief, noch innerhalb der zweiten bis Ende Februar 2020 ein Angebot platziert. Nun habe man entscheiden müssen.

Potenzial für Erweiterungsbau

Den «Löwen» zu verkaufen, dürfte indes keine einfache Aufgabe sein. Roland Griesser von der Griesser Immobilien sagt: «Ein Restaurant zu verkaufen, wäre in der Tat knifflig, gerade in dieser Zeit, in der die Gastronomie vor grossen Herausforderungen steht.»

Allerdings müsse man die Immobilie «Löwen» als Liegenschaft mit Potenzial für einen Erweiterungsbau oder als mögliche Landreserve anschauen. «Insofern ist sie durchaus attraktiv.»

«So oder so provoziert erst ein Bauprojekt die Denkmalschutzabklärungen.»

Roland Griesser

Griesser kann sich etwa vorstellen, dass das Gebäude von einer Stiftung genutzt würde und nennt den Fall der «Sonne» Dürnten, die vom Restaurant zum Wohnheim für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung wurde. «Für ein vergleichbares Projekt wären die Räume in Gossau gut geeignet.» Doch mit dem Baupotenzial auf dem Areal könne die Liegenschaft auch für Investoren interessant sein.

Allerdings ist das Gebäude des «Löwen» im Inventar schützenswerter Bauten der Gemeinde gelistet. Es steht dadurch zwar nicht zwangsläufig unter Schutz, aber bei einem Bauprojekt müsste dies geprüft werden – mit offenem Ausgang. Und: Bei einem Bauprojekt erwartet der Gemeinderat ein Gesamtkonzept, das insbesondere die schützenswerten Fassaden berücksichtigt.

Ohne Bauprojekt, dafür mit Richtpreis

Für Griesser stehen die Chancen gut, dass sich nicht nur Wohnraum, sondern auch gemischte Nutzungen im alten Gebäude schaffen lassen. Dass indes die Aussenfassaden kaum oder gar nicht angefasst werden dürfen, liegt für ihn ortsbildbedingt ebenfalls nahe. «So oder so provoziert erst ein Bauprojekt diese Abklärungen.» Auf dem restlichen Land lasse sich aber wie erwähnt ein Neubauprojekt realisieren.

Dass die Eigentümer dabei nicht gleich das bereits erarbeitete Projekt von Architekt Wegmann mitverkaufen wollen, habe pragmatische Gründe, sagt Griesser. «Das Interesse an der Liegenschaft ist sicherlich viel grösser, wenn der Käufer seine eigenen Visionen darauf umsetzen kann.»

Ein weiterer Faktor, der das Interesse am Objekt steuert, ist der Richtpreis. Dieser soll laut den Eigentümern mit 2,1 Millionen Franken ausgeschrieben werden. Die Verkaufsinserate sollen demnächst erscheinen.

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