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Senioren sind die «Spargeltarzane» auf den Feldern

Der Mönchaltorfer Spargelanbauer Urs Fürst hat in Coronazeiten Kunden verloren, aber auch neue gewonnen. Für die strapaziöse Arbeit auf dem Feld, rekrutiert er heimische Helfer.

Landwirt Urs Fürst erntet auf seinem Feld in Mönchaltorf täglich grüne Spargeln., Etwa 230 Meter müssen die Erntehelfer in Längsrichtung ablaufen., Mit einem simplen Küchenmesser wird geerntet., Misst die Spargel 23 Zentimeter oder mehr, kann sie geerntet werden., In einem vollen Korb sind etwa vier Kilogramm Spargeln., Bis zu sechs Helfer sind auf den Felder von Urs Fürst im Einsatz.

Christian Merz

Senioren sind die «Spargeltarzane» auf den Feldern

Während viele Mönchaltorfer am Mittwochmorgen in der Früh noch horizontal im Bett liegen, stehen die vielen grünen Spargeln auf dem Feld hinter dem Landi schon aufrecht. Abwechselnd aufrecht und gebückt schneiden Urs Fürst und Rita Kohli seit 5.30 Uhr die Spargeln auf dem rund ein Hektar grossen Feld. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Handschuhen, einem Einkaufskorb für die Spargeln sowie einem simplen Küchenmesser, ernten sie das Gemüse. Seit Anfang April wird das täglich gemacht – eine Knochenarbeit. Das sieht auch der Eigentümer des Feldes so: «Für die Arbeit braucht es einen starken Rücken», sagt Urs Fürst. Er habe auch schon Helfer gehabt, die nach einem Arbeitstag wegen der Rückenschmerzen genug hatten.

«Bei optimalen Bedingungen wachsen die Spargeln sieben bis acht Zentimeter – pro Tag.»

Urs Fürst, Landwirt

Landwirt Fürst beschäftigt nur Einheimische für die Spargelernte. Professionelle Erntehelfer aus Osteuropa zu engagieren, lohne sich für ihn nicht. Die Zahl der Spargeln, die an einem Erntetag spriessten, schwanke zu stark. «Würde ich professionelle Helfer aus dem Ausland holen, müsste ich sie auch für einen Tag mit wenig reifen Spargeln bezahlen», sagt der 46-Jährige. Dagegen könne er seine Helfer flexibel einsetzen. «Für den Familienbetrieb ist so das finanzielle Risiko kleiner.» Es seien hauptsächlich Pensionierte, die ihm auf Abruf bereitstehen.

Die Spargel wachsen sehen

Fürst bezahlt die Leute im Stundenlohn. Bis zu sechs Personen seien es an trockenen und warmen Tagen, wie heuer im April. Dann schiessen die Spargeln regelrecht aus dem Boden. «Bei optimalen Bedingungen wachsen die Spargeln sieben bis acht Zentimeter – pro Tag», sagt Fürst.

Heute ernten er und seine Ex-Frau Rita Kohli erstmal nur zu zweit. Bald soll noch Vater Werner Fürst dazu stossen, der frühmorgens die Spargeln auf dem zweiten, kleineren Spargelfeld des Familienbetriebs erntet.

Ex-Frau mit gestähltem Rumpf

Rita Kohli arbeitet mit einem Kopfhörer im Ohr. Über diesen hört die 42-Jährige Lehrbücher, die sie wegen ihrer Weiterbildung zur Fachberaterin für holistische Gesundheit lernen muss. Nebst der Hirnnahrung stählt Kohli bei der Arbeit auch ihren Körper. «Im Fitnesscenter bekommst du nicht so viel Energie wie in der freien Natur, doch das eine schliesst das andere nicht aus», sagt sie und zeigt auf ihre Rumpfmuskulatur.

Seit drei Jahren hilft sie Urs Fürst, von dem sie sich vor 15 Jahren trennte, bei der Ernte. Geschieden seien sie nicht und trotz Trennung sei das Verhältnis zwischen ihnen beiden sehr gut, sagt Kohli. «Er ist ein grosszügiger Chef», sagt sie und lacht, «Arbeitsstunden werden aufgerundet.» Ungefähr 24 Franken bekomme sie in der Stunde. Doch so genau wisse sie es nicht und der Lohn sei auch nur sekundär, sagt die gelernte Gärtnerin, Absolventin der Bäuerinnenschule und heutige Besitzerin einer Immobilienfirma.

Der flinke Rentner

Um 6.30 Uhr fährt Werner Fürst mit dem Lieferwagen ein. Darin sind ein paar Körbe frischer Spargeln vom anderen Feld. Der Rentner greift gleich zum Werkzeug und hilft den beiden anderen bei der Arbeit. Der 71-Jährige ist schnell. Mit seinen routinierten Augen macht er auf Anhieb die Idealmasse der Spargeln aus, denn erst ab 23 Zentimeter sollen die grünen Spargeln geschnitten werden. Gekonnt packt er das Gemüse mit der linken Hand und schneidet es mit der rechten. «Diese Arbeit mache ich schon seit 33 Jahren. Der Rücken ist sich die tägliche Arbeit schon gewohnt», sagt er und schreitet die Erdbahn im Feld zügig ab.

Eine Bahn ist etwa 230 Meter lang, schätzt Sohn Urs Fürst. 13 Bahnen werden von den Helfern während eines Tages abgeschritten. Fürst baut auf seinen zwei Mönchaltorfer Feldern ausschliesslich Grünspargelen an. Weissspargeln kommen fürs Oberland nicht in Frage, dafür brauche es sandige Böden wie im zürcherischen Flaach. Wie viele Tonnen Spargeln jährlich im Schnitt auf den rund 1,6 Hektaren geerntet werden, könne er nicht sagen. Zu unterschiedlich falle die Ernte jeweils aus. So wie 2017 als wegen des Frostes ein beachtlicher Teil der Ernte kaputt ging.

Gas geben fürs Tagesziel

Setzt Fürst eine neue Pflanze, kann er sie erst im dritten Jahr ernten. Die ersten zwei Jahre müsse sie wachsen. Eine Pflanze werde zehn Jahre alt. Das Alter lässt sich am Spargel gut erkennen. «Je älter die Pflanze ist, desto dünner der Spargel. Ob dünn oder dick, schmecken tun sie aber gleich.»

Urs Fürst und seine Helfer drücken aufs Tempo. Das heutige Ziel sei dasselbe wie immer während der Erntezeit, sagt der Chef. «Die Spargeln sollen um 8.30 Uhr geschnitten sein.» Danach werden sie auf dem Hof sortiert, zurechtgeschnitten und gewaschen. Weil die Spargeln wegen des schlechten Wetters von Dienstag auf Mittwoch weniger gewachsen sind, sind die drei schon kurz nach sieben Uhr mit der Ernte fertig.

Spargeln gehen weg wie warme Weggli

Danach werden die Spargeln für den Verkauf auf den Hof gebracht. In den letzten Jahren wurde ein grosser Teil der Ernte direkt ab Hof verkauft, es  gehören aber auch Marktfahrer, Kantinen und Altersheime zur Kundschaft von Fürst. Wegen der Corona-Massnahmen kommen derzeit aber nur noch die Heime als Abnehmer in Frage. Trotzdem boomt das Geschäft des Mönchaltorfer Bauers. «Die Nachfrage ist in diesem Jahr enorm. Meist ist innert einer Stunde die tägliche Ernte verkauft», sagt Fürst. In vergangenen Jahren habe es manchmal bis zum Abend gedauert, bis die Ernte im Hofladen verkauft gewesen sei.

Fürst erklärt sich die guten Verkäufe mit der hohen Frequenz der Fussgänger und Velofahrer, die sich zu Zeiten des Coronavirus draussen bewegen und oft auch spontan an seinem Hof vorbeikommen. «Das Bewusstsein für regionale Produkte ist in den letzten Jahren und auch während der Krise gewachsen.»

Aufgrund des grossen Aufkommens gebe es heuer auch immer wieder unzufriedene Kunden, die mit leeren Händen nach Hause gehen müssten, sagt Fürst. Mittlerweile würden immer mehr Leute die Spargeln sogar reservieren. «Und die Kunden stehen morgens immer früher auf dem Hof.» Somit fällt für den Landwirt und seine Helfer der Grossteil der Arbeit weiterhin in den frühen Morgenstunden an.

 

Weshalb die Mönchaltorfer Spargeln grün sind

Die Spargeln, die auf den Mönchaltorfer Feldern wachsen sind wegen des Chlorophylls grün, das im Pflanzenkörper gebildet wird. Weil der Spargel über der Erde wächst, ist er der Sonne ausgesetzt und somit durchläuft die Pflanze auch den Prozess der Photosynthese. Dagegen wachsen weise Spargeln unter der Erde, meist in sandigen Dämmen.

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