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Offenes Autobahnstück dient der Entlüftung

Die geplante Oberlandautobahn umfasst beim Grüt ein kurzes, offen geführtes Stück. Grundeigentümer Martin Schärer möchte dort auch einen Tunnel. Der Kanton winkt ab.

Rund 30 Meter breit und 200 Meter lang ist das markierte Autobahn-Trassee bei der Gossauer Aussenwacht Grüt. , Blick vom Hof des Grütner Bauern Martin Schärer auf die Geländemulde, wo das offene Stück der Oberlandautobahn zu liegen käme., Beim «Rinderbrunnen» soll die Oberlandautobahn offen geführt werden., Wo dereinst die Autobahn durchführen könnte, steht heute ein Tulpenfeld.

Christian Brändli

Offenes Autobahnstück dient der Entlüftung

Rot-weisse Absperrbänder und rote Pflöcke führen durch das Tulpenfeld, das Rapsfeld und entlang dem angrenzenden Weizenfeld. Die Markierungen sind nicht wegen des Coronavirus aufgestellt worden. Sie zeigen vielmehr auf, wo das rund 200 Meter lange, offen geführte Teilstück der geplanten Oberlandautobahn bei der Gossauer Aussenwacht Grüt zu liegen käme.

«Diesen Muldenbereich gilt es zu nutzen, um auch hier die Autobahn unter den Boden zu versenken», sagt der Bauer Martin Schärer, der das geplante Trassee  im Gelände ausgesteckt hat. Er orientierte sich dabei an den Sondierbohrstellen entlang der Projektachse. Schärer wohnt neben dem geplanten Autobahntrassee. Und auf seinem Boden käme die offene Passage zu liegen. Eine Lückenschliessung kommt für ihn aber nur in Frage, wenn die ganze Linienführung unterirdisch erfolgt und die bestehende Hochspannungsleitung Aathal-Betzholz in den Tunnel gelegt wird.

Grundwasser und Belüftung

Für Schärer, der hier im «Rinderbrunnen» beim Grütner Seewadel aufgewachsen ist und seit 1972 in dritter Generation den Hof führt, verdient nur die Variante «Tunnel tief» Unterstützung. Diese präsentierte der Kanton im vergangenen Dezember als Alternative zur Richtplanvariante – die neben Schärers Hof vorbei führt. Aber eben, ob der tief im Fels geführte Tunnel vom Bund weiterverfolgt wird, ist noch offen. Die offizielle Planung dagegen basiert auf dem Richtplanprojekt. «Man muss Einfluss nehmen, wenn man noch etwas bewegen kann», benennt Schärer die Motivation für seine Aktion. Ihn stört auch, dass die offen geführte Passage bisher damit begründet worden sei, dass hier wegen des Grundwassers die Autobahn nicht tiefer gelegt werden könne. «Hier wird von den kantonalen Stellen intransparent informiert», schiebt er nach.

Tatsächlich dürfte aus der von Schärer erhofften Überdeckung des Teilstücks nämlich aus einem anderen Grund nichts werden: Das 200 Meter lange, offene Stück soll auch der Entlüftung der beiden Tunnels zwischen Wetzikon und Ottikon dienen. Grosse Tunnellängen benötigten eine spezielle Rauchabsaugung, hält Arnd König vom Amt für Verkehr fest, der für die Planung der Oberlandautobahn zuständig ist. Eine solche Rauchgasabsaugung werde entweder mit einem Abluftkanal in der Röhre oder einem respektive mehreren Abluftkaminen gewährleistet. Für einen Abluftkanal sei ein entsprechend grosser Tunnelquerschnitt erforderlich. «Dies schlägt sich dann in den Kosten des Bauwerks nieder», betont König.

Im Widerspruch zum Drumlinschutz

Klar ist, dass ein durchgehender Tunnel  zwischen Wetzikon und Ottikon auf dem Richtplantrassee eine solche Lüftungseinrichtung erfordern würde. «Ein Abluftkamin wurde aus Gründen des Landschaftsschutzes sowie weiterer Schutzgüter als nicht bewilligungsfähig angesehen», hält der stellvertretende Abteilungsleiter Infrastrukturplanung fest.

Ein grösserer Tunnelquerschnitt würde bedeuten, dass wegen der teilweise sehr geringen Höhe zwischen der Geländeoberfläche und dem Grundwasser die Autobahn laut König gleich an mehreren Stellen aus dem Gelände auftauchen würde. Damit wären auch einige Überdeckungen beziehungsweise Geländeanpassungen erforderlich. «Diese ständen ebenfalls im Widerspruch zum Beispiel zum Schutz der Drumlinlandschaft», sagt König.

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Viele Anspruchsgruppen

Schärers Vorwurf der Intransparenz weist König zurück: «Ich habe im Wissen um seine vielfältigen Forderungen im Speziellen und im Sinne eines geringen Projektrisikos im Allgemeinen sowohl ihm als beispielsweise auch der Gemeinde Gossau gegenüber immer sehr offen korrespondiert und alle Fragen entsprechend beantwortet.»  Bei dem Bauwerk gehe es aber um ein komplexes Austarieren zwischen vielen Anspruchsgruppen und Schutzgütern.

Der von Schärer ebenfalls verlangten Erdverkabelung der Starkstromleitung von Aathal ins Betzholz erteilt König für die Richtplanvariante eine Absage. Eine Erdverkabelung sei nämlich nur in einem grossen Tunnelquerschnitt mit sogenanntem Werkleitungskanal sinnvoll: «Im Fall des Richtplanprojekts sind die Querschnitte aber zu klein dafür.»

Abluftanlagen nicht extra berechnet

Wie viel ein grösserer Tunnelquerschnitt mit Abluftanlagen beim Richtplanprojekt kosten würde, kann König nicht sagen. Es gebe nur Schätzungen für die beiden ausgearbeiteten Varianten Richtplanprojekt – hier sind es 1,7 Milliarden Franken – und «Tunnel tief» für 2 Milliarden. «Aufgrund der aufgeführten Widerstände gegenüber den Schutzgütern wäre eine solche Berechnung auch eher theoretischer Natur und tatsächlich nicht erforderlich», meint König.

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Und schliesslich ist es für Schärer unverständlich, dass die Geländemulde «Rinderbrunnen» nicht überdeckt werden soll, wo doch für den Bau der Oberlandautobahn ohnehin Millionen von Kubikmetern Erde verschoben würden: «So wird dem westlichen Grütner Dorfteil der Immissionsschutz verweigert.»

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