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Winterthurer Polizei verpfeift Uster beim Kanton

Am Freitagmorgen wollte die Stadt Uster ihren traditionellen Wochenmarkt wieder durchführen, doch der Kanton intervenierte. Die Stadt sagte den Anlass ab. In den Rücken fiel ihr die Stadtpolizei Winterthur.

So sah der Freitagsmarkt in Uster in vergangenen Jahren jeweils aus., Aufgrund des Coronavirus wollte der Stadtrat eine dezentrale Marktanordnung einführen und den Anlass dennoch durchführen., Doch der Kanton intervenierte bei der Stadt., Stadtrat Jean-François Rossier (SVP) war von der kurzfristigen Intervention nicht begeistert., Verbale Rückendeckung im Bestreben den Wochenmarkt wieder zu öffnen erhält der Stadtrat von Regierungsrätin Carmen Walker Späh.

Archivfoto: Christian Merz

Winterthurer Polizei verpfeift Uster beim Kanton

Er will, aber er darf nicht: Der Stadtrat hat kürzlich Massnahmen beschlossen – wohl auch unter dem Druck der Parteien – um das heimische Gewerbe in der Coronakrise anzukurbeln. Auch vor diesem Hintergrund gab die Exekutive grünes Licht, damit am Freitagmorgen erstmals seit dem Lockdown ein «dezentraler Wochenmarkt» wieder hätte durchgeführt werden können. Geplant waren zwölf um das Stadthaus verteilte Markstände, in einem Abstand von mindestens zwanzig Metern zueinander.

«Das Einkaufen ist auf dem Markt weit unproblematischer als im dichten Gedränge rund ums Gemüsesortiment einer Migros.»

Jean-François Rossier (SVP), Ustermer Stadtrat

Dabei wären die Abstands- und Hygienemassnahmen problemlos eingehalten worden, sagt Stadtrat Jean-François Rossier (SVP), Abteilungsvorsteher Sicherheit der Stadt Uster. Doch die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich hat den Stadtrat kurzfristig auf das Marktverbot des Bundes hingewiesen und die Stadt aufgefordert, den Anlass abzusagen.

Auf dem falschen Fuss erwischt

Sehr zum Ärger von Rossier. «Erst am Donnerstagmorgen bekamen wir die E-Mail vom Kanton. Bis dahin waren wir noch guten Mutes». Und der Sicherheitsvorstand ergänzt: «Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt.» Zwar liege die Kompetenz zur Durchführung des Marktes klar bei der Stadt, doch der Stadtrat sah sich dennoch gezwungen, den Anlass «aufgrund der Einflussnahme durch die Volkswirtschaftsdirektion» abzublasen. «Wir wollten eine Unsicherheit in den Reihen der Marktstandbetreiber vermeiden und schnell informieren.»

«Ich verstehe, dass die Betreiber von Markständen ein grosses Bedürfnis haben, ihre Produkte bald wieder auf Märkten zu verkaufen.»

Carmen Walker Späh (FDP), Regierungsrätin

Pikant: Laut Rossier seien die Ustermer von der Stadtpolizei Winterthur «verpfiffen» worden. Diese Information habe er aus dem E-Mail-Verkehr mit der Volkswirtschaftsdirektion. Weshalb die Winterthurer diesen Schritt gegangen seien, könne er sich auch nicht erklären. «Ich vermute, dass es ein übereifriger Jurist war», sagt Rossier. Dabei fänden in Winterthur, wie auch in den Kantonen Bern und St. Gallen schon solche dezentrale Wochenmärkte statt.

Kanton bestätigt Winterthurer «Verrat»

Die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons bestätigt, dass der Informant aus den Reihen der Stadtpolizei Winterthur kommt. Man habe am Mittwoch eine Meldung erhalten, dass die Stadt Uster ihren Wochenmarkt bereits vor dem 11. Mai wieder durchführen möchte, schreibt die Direktion auf Anfrage. Danach sei die Situation mit den zuständigen Behörden in Bern abgeklärt worden. «Wir haben aber kein Verbot ausgesprochen, Der Entscheid für die Absage lag bei der Stadt Uster.»

Und der Ustermer Stadtrat ist sich mittlerweile nicht mehr so sicher, ob der Entscheid über die kurzfristige Absage des Marktes richtig war. «Wir überlegen uns nochmal, ob wir den Wochenmarkt nicht doch noch vor dem 11. Mai durchführen werden», sagt Rossier. Denn: «Die Marktstände sind mit genügend Abstand angeordnet. Das Einkaufen ist dort weit unproblematischer als im dichten Gedränge rund ums Gemüsesortiment einer Migros.»

Kanton für Wochenmarkt

Der Kanton zeigt für die Haltung des Ustermer Stadtrates grundsätzlich Verständnis. So schreibt Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) auf Anfrage: «Ich verstehe, dass die Betreiber von Markständen ein grosses Bedürfnis haben, ihre Produkte bald wieder auf Märkten zu verkaufen.»

Auch für die Bevölkerung sei es schwer nachvollziehbar, dass sie zwar Lebensmittel im Coop oder Migros kaufen können, nicht aber auf einem Markt, draussen an der frischen Luft. «Ich wünschte mir deshalb, der Bundesrat würde auf seinen Entscheid zurückkommen und Märkte mit entsprechenden Schutzkonzepten schon vor dem 11. Mai wieder zulassen», teil Walker Späh mit.

 

So reagieren Marktstandbetreiber auf die Absage

Bei den Standbetreibern sorgt die kurzfristige Absage des Wochenmarkts für Verständnis – aber auch für Ärger. Felix Berger vom Bergerhof in Maur wollte am Wochenmarkt sein Gemüse und seine Früchte verkaufen. «Mich ärgert, dass die Stadt beim Kanton nicht frühzeitig abgeklärt hat, ob der Markt durchgeführt werden darf. Die Stadt Uster hat den Anlass schlecht vorbereitet», sagt er.

Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr habe er die Nachricht der Absage von der Stadtverwaltung erhalten. Danach habe er seine Webseite anpassen und seinen Kunden einen entsprechenden Newsletter zuschicken müssen. «Das ist mühsam, weil ich schon am Mittwoch die Kunden benachrichtig habe, dass der Markt stattfindet.» Die ganzen Vorbereitungen hätten ihn viele Arbeitsstunden gekostet und nun müsse er wegen der Absage erneuten Aufwand betreiben. «Auf dem Stadthausplatz habe ich eine Tafel aufgestellt, dass der Hofladen geöffnet ist. Immerhin kann ich diesen ohne Absage betreiben.»

Kräuter nur im Laden

Enttäuscht ist auch Ursula Fawer, Geschäftsleiterin des Bioladens Öpfelbaum, der sich gleich neben dem Stadthaus befindet. «Ich habe mich sehr auf den Wochenmarkt gefreut», sagt sie. Ihre Kunden hätten im Vorfeld Setzlinge und Kräuter bestellt, die Fawer dann exklusiv auf dem Markt verkaufen wollte. «Im Laden dürfen wir diese Produkte derzeit nur sehr beschränkt anbieten.»

Fawer findet das Vorgehen der Stadt richtig. Der Marktchef der Verwaltungspolizei von Uster habe schon letzte Woche über die Absicht informiert, den Anlass durchführen zu wollen. Dabei habe er auch kommuniziert, dass sich die Stadt in einer Grauzone bewege. «Von der Absage des Kantons war ich deswegen nicht überrascht. Ich kann auch diesen Entscheid verstehen.» Ihre Vorbereitungen hätten sich in Grenzen gehalten. Das System zum bargeldlosen Zahlen, das sie für den Markt bereitgestellt hatte, könne sie dereinst auch im Laden brauchen. Ebenso Plexiglasscheibe, Desinfektionsmittel und Handschuhe. Die Mitarbeiterin, die für den Markt vorgesehen war, helfe nun im Laden aus. «Wir haben auch hier alle Hände voll zu tun.»

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