Bald geht es wieder richtig los für Tösstaler Betriebe
Unter Einhaltung von Schutzauflagen gegen die Verbreitung des Coronavirus dürfen erste Betriebe ab dem 27. April wieder normal öffnen. Dazu gehören Arzt- und Physiotherapiepraxen, Coiffeursalons und Gartencenter. Dies hat der Bundesrat letzten Donnerstag beschlossen.
Den Lockdown in den letzten Wochen haben Betriebe und Selbstständige im Tösstal unterschiedlich erlebt. Während der Coiffeursalon geschlossen bleiben musste, konnte in der Gärtnerei weiterhin gearbeitet werden. Nun bereiten sich die Betriebe auf die Lockerungen vor. Klar ist bereits jetzt: Es wird anders als vorher.
Haare schneiden mit Handschuhen
Seit Mitte März durfte Coiffeuse Miriam Kaul in ihrem Hairstyling and more-Salon in Kollbrunn keine Kundschaft mehr bedienen. Nun ist die Freude gross, bald wieder zur Schere greifen zu dürfen. «Ich freue mich sehr, meine Arbeit wieder aufzunehmen», sagt sie.
«Ich muss noch schauen, wie Haare schneiden mit Handschuhen geht.»
Miriam Kaul, Inhaberin Hairstyling and more in Kollbrunn
Bereits vor der Medienkonferenz des Bundesrats am Donnerstag hat Kaul begonnen, erste Vorkehrungen für die Wiedereröffnung zu treffen. «Ich habe unter anderem geschaut, wo ich Einwegmäntel und Desinfektionsmittel kaufe.» Einwegmasken kann sie bei ihrem üblichen Produktelieferant beziehen.
Kaul ist sich dabei bewusst, dass die Arbeit nach der Wiedereröffnung anders sein wird als vorher: «Ich muss noch schauen, wie Haare schneiden mit Handschuhen geht.» An die Masken wird sie sich ebenfalls gewöhnen müssen. Denn sowohl Kaul wie auch ihre Kundinnen und Kunden werden eine solche tragen müssen.
Die sechs Wochen Zwangspause waren für die Coiffeuse nicht einfach, auch finanziell. «Immerhin hatten wir als Familie noch das Einkommen meines Mannes», sagt sie. Ausserdem konnte Kaul auf einen sehr kulanten Vermieter zählen: «Eine Monatsmiete hat er mir erlassen.»
Neue Patienten warten auf Therapieplatz
In den letzten Wochen durfte Physiotherapeutin Sabrina Enz, Inhaberin von Physiotherapie Wila, nur dringend angezeigte Therapien durchführen. «Beispielsweise bei Patientinnen und Patienten, bei denen ein Aufschub der Therapie eine vollständige Heilung verunmöglicht hätte», erklärt sie. Mit diesen Einschränkungen konnte sie nur noch rund 20 bis 30 Prozent ihrer Patienten behandeln.
«Die Leute sind vorsichtig und wollen den Sicherheitsabstand einhalten.»
Sabrina Enz, Physiotherapeutin aus Wila
Diese mussten strenge Hygieneregeln einhalten. «Vor der Therapie mussten sie sich die Hände mit Seife waschen oder Desinfektionsmittel verwenden.» Ausserdem seien Oberflächen immer wieder desinfiziert worden.
Ab dem 27. April dürfen wieder alle Patienten zu Enz in die Praxis kommen. Noch unklar ist für sie, welche Schutzauflagen sie dabei erfüllen muss. Einen Ansturm erwartet sie aber nicht: «Die Leute sind vorsichtig und wollen den Sicherheitsabstand einhalten.» Trotzdem geht sie davon aus, dass viele froh sein werden, wenn die Therapie weitergeführt werden kann. «Zudem warten einige neue Patienten auf einen Therapieplatz», sagt Enz.
Grosser Ansturm auf Abholservice
Über zu wenig Arbeit in den letzten Wochen kann sich Gottfried Gerber, Inhaber der Blumengärtnerei G. Gerber in Rikon, nicht beklagen: «Wir haben alle Hände voll zu tun», sagt er.
«Erde geht weg wie Toilettenpapier.»
Gottfried Gerber, Inhaber Blumengärtneri G.Gerber in Rikon
Obwohl er seine Gärtnerei für Kundschaft schliessen musste, verkauft Gerber weiterhin seine Produkte. Zuerst noch mit einem Selbstbedienungsangebot. Als sich dann herausstellte, dass dies auch nicht mehr regelkonform war, stellte er auf einen Abholservice um. «Und der Ansturm war riesengross.»
Zwei Mitarbeiterinnen seien derzeit damit beschäftigt, die vielen Bestellungen per Telefon und E-Mail zu bearbeiten. «Das hätten wir uns nie träumen lassen. Wir arbeiten sechs Tage pro Woche und haben mehr Umsatz als sonst im Frühling.» Besonders begehrt seien Setzlinge, Gewürze und vor allem Erde. «Erde geht weg wie Toilettenpapier», sagt Gerber lachend.
Ab dem 27. April kann er seine Gärtnerei wieder öffnen. Wie das genau aussehen wird, weiss er noch nicht: «Wir werden diese Woche schauen, wie wir alle Vorgaben bei uns umsetzen können.» Ausserdem wird er prüfen, ob auch der Abholservice noch weiter bestehen bleibt.
Kein Stau im Wartezimmer
Seit der Verkündung des Lockdowns Mitte März, hat der Baumer Zahnarzt Daniel Zürcher nicht mehr viele Patienten behandelt: «In der Regel sind es noch ein bis zwei pro Tag.» Denn zum Zahnarzt darf derzeit nur noch, wer ein akutes Problem hat: « Das können sehr starke Schmerzen sein, eine Schwellung, ein Unfall oder ein loser Draht an einer Zahnspange.»
Zürcher und sein Team haben die Zeit genutzt, um viele administrative Tätigkeiten zu erledigen. Zum Beispiel, um die Termine zu verschieben oder die Kurzarbeit anzumelden. Ausserdem hat er zwei Wochen Ferien gemacht. «Die fehlen halt dann im Sommer» , erklärt er.
Zürcher hat die Zeit auch genutzt, um sich zu informieren, wie er sich, sein Personal und seine Patienten am besten schützen kann. «Neu haben wir eine Spuckschutzwand aus Plexiglas am Empfang. » Ausserdem trage das Personal nun auch im administrativen Bereich Schutzmasken.
Welche weiteren Schutzmassnahmen Zürcher umsetzen muss, wenn er die Praxis wieder normal öffnen kann, weiss er noch nicht: «Ich habe aber gehört, dass die Auflagen anscheinend sehr detailliert sind.»
Er werde auf jeden Fall darauf achten müssen, dass sich niemals zu viele Leute im Wartezimmer befinden. «Das müssen wir bei der Terminfestlegung berücksichtigen. Denn beim Zahnarzt kann es bei drei Behandlerinnen und Behandler immer mal wieder Stau geben.»
