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Der Dübendorfer Abstellplatz

Seit dem 19. März reiht sich auf dem Flugplatz in Dübendorf eine grosse Maschine an die andere. Vor 75 Jahren zeigte sich dort ein ähnliches Bild.

23 Passagiermaschinen säumen die Querpiste in Dübendorf. , B-17 und B-24 standen 1945 am Rande des Militärflugplatzes., Swiss, Edelweiss und Helvetic haben Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge umparkiert., Über 100 US-Bomber landeten im Zweiten Weltkrieg in Dübendorf., Rot und Weiss statt Tarnfarben dominieren aktuell auf dem Militärflugplatz Dübendorf., Im Winter 1944/45: «Liberators» (links) und «Flying Fortresses» (rechts) unter dem Schnee., Die Schwanzflossen mit dem Schweizer Kreuz., Im Oktober 1945 wurden die US-Bomber dem breiten Publikum gezeigt., Airbusse A320 und Embraer E190 stehen auf dem Flugfeld in Dübendorf. , Über 70 Bomber wurden nach dem Krieg nach England zurückgeflogen - und dort verschrottet. , Wie lange die Passagiermaschinen noch in Dübendorf bleiben, ist ungewiss.

Christian Merz

Der Dübendorfer Abstellplatz

Es ist 9 Uhr, als an jenem Donnerstagmorgen vor gut drei Wochen die erste Maschine der Swiss, eine Airbus A320, zur Landung auf dem Flugplatz Dübendorf ansetzt. Weitere folgen am gleichen und an den darauf folgenden Tagen. Und es kommen auch noch Jets der Edelweiss und der Helvetic Airways hinzu. Bis heute sind insgesamt 23  Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge in Reih und Glied abgestellt.

Grund für die ungewöhnliche Aktion ist die weltweite Corona-Krise, die den zivilen Flugverkehr massiv trifft. Die Schweizer Fluggesellschaften haben nur noch wenige Maschinen im Einsatz. Dadurch sind die Standplätze am Flughafen Zürich knapp geworden. Die Überführung nach Dübendorf  –  in Absprache mit dem Bund respektive der Luftwaffe –  hat sich angeboten, da die Infrastruktur zur Wartung der Maschinen nahe sein muss.

Swiss-Maschinen werden auf dem Flugplatz Dübendorf eingemottet. (Video: SRF)

 

Genügend lange Landebahn

Zudem verfügt Dübendorf über eine 2355 Meter lange Landebahn. Diese ist somit nur unwesentlich kürzer als die mit 2500 Metern kürzeste in Kloten. Auf dem Militärflugplatz sind schon mehrfach gar grosse Boeing-747-Frachtflugzeuge gelandet. So grosse Flieger werden im Rahmen der grossen Umparkierung allerdings nicht verlegt. Die Langstreckenmaschinen will die Swiss auf dem Flughafen in Kloten belassen.

Optisch erinnern die abgestellten Maschinen an das Grounding der Swissair im Oktober 2001. Die Bilder von damals wurden aber in Kloten geschossen. Doch auch in Dübendorf gab es bereits einmal ein solches Sujet mit länger parkierten Flugzeugen. Das liegt allerdings 75 Jahre zurück.

23 Passagiermaschinen sind aktuell in Dübendorf eingemottet. (Foto: Christian Merz) src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2020/04/12/dsc04828_2.jpg?h=3c1ebe71&itok=ipbwhibc” width=”994″ height=”559″ alt=”in reih und glied standen die bomber 1945 auf dem flugplatz dübendorf. (foto: pd)” class=”no-tts image-style-np8-full” /> In Reih und Glied standen die Bomber 1945 auf dem Flugplatz Dübendorf. (Foto: PD)

src=”https://d2e1s0mc2ui2l2.cloudfront.net/zom/archiv/media/2020/04/12/uster_06042rounding_crm_9_1.jpg?h=a2f66bf0&itok=nd47r8oz” width=”994″ height=”559″ alt=”23 passagiermaschinen sind aktuell in dübendorf eingemottet. (foto: christian merz)” class=”no-tts image-style-np8-full” /> 23 Passagiermaschinen sind aktuell in Dübendorf eingemottet. (Foto: Christian Merz)

In Reih und Glied standen die Bomber 1945 auf dem Flugplatz Dübendorf. (Foto: PD)

«Liberator» und «Flying Fortress»

Statt wie jetzt Airbusse der A320-Familie und Embraer E190, waren es damals vor allem B-24 und B-17. Das erstere Kürzel steht für den «Liberator», den «Befreier», und die B-17 trug den martialischen Übernamen «Flying Fortress», also fliegende Festung. Bei beiden Typen handelte es sich um amerikanische Bomber.

Die Amerikaner und Engländer verstärkten ab 1943 ihre Bombenangriffe auf deutsche Industrieanlagen und Verkehrsknotenpunkte. Dabei verletzten sie auch immer wieder den Schweizer Luftraum. Allein im August 1943 gab es über 100 Überflüge, zum ersten Mal auch durch eine ganze Anzahl amerikanischer Bomber. Einige wurden von der deutschen Luftabwehr beschädigt.

Und so kam es am 17. August 1943 zur ersten Landung einer «Flying Fortress» in Dübendorf. Wie Hugo Maeder im Dübendorfer Heimatbuch von 1974 berichtet, geriet die Maschine zweimal in heftiges Bodenfeuer. Dabei fiel ein Motor aus. Vor der Landung in Dübendorf warf die Besatzung Waffen und geheime Ausrüstungsgegenstände, vor allem die Funkanlage, über Bord. Da der Elektromotor für das rechte Fahrwerk ausgefallen war, gab es eine Bauchlandung. Am 6. September, nur wenige Wochen darauf, landete eine zweite B-17 ohne Probleme. Die zehnköpfige Besatzung blieb unverletzt.  

Mehrere Landungen an einem Tag

Im März und April 1944 – die Amerikaner hatten die Bombenangriffe auf deutsche Städte intensiviert – kam es mehrfach vor, dass an einem Tag gleich mehrere Bomber in Dübendorf aufsetzten. Am 24. April 1944 etwa landeten neun amerikanische Maschinen in Dübendorf, eine stürzte über Effretikon ab, eine wurde über dem Greifensee von Schweizer Jagdflugzeugen abgeschossen, und je eine landete in Altenrhein und bei Neftenbach.

Im August 1944 waren es schon rund 70 Bomber, die in Dübendorf gelandet waren. Und bis zum Kriegsende hatten 100 schwere Bomber hier Zuflucht gefunden. Der grösste Teil dieser «Schweizer» Bomberflotte wurde am nordöstlichen Rand des Flugplatzes parkiert.

Ausstellung auf dem Flugplatz

Viele Bomber waren nach ihrem Aufsetzen in Dübendorf nur noch Schrott. Doch schliesslich wurden nach dem Krieg 71 Maschinen, 30 B-17, 40 B-24 und eine Mustang P-51 durch Mechaniker der US-Air Force wieder flugbereit gemacht und nach England überflogen – wo sie dann verschrottet wurden.

Bevor sie aber wieder abhoben, konnten die Bomber vom 5. bis zum 21. Oktober 1945 besichtigt werden. Rund 90‘000 Personen wollten sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Es wurden eigens Informationsbroschüren verkauft. Es bestand sogar die Möglichkeit, je eine « Fliegende Festung» Boeing B-17G und eine  «Liberator» B-24J zu begehen. Alle Positionen der Crew waren mit uniformierten Puppen besetzt und die Flugzeuge waren vollständig ausgerüstet.

Amerikanische Mechaniker bereiten die Bomber auf die Rückführung nach England vor. (Video: Youtube)

 

Bleibedauer noch ungewiss

Die meisten Bomber standen damals also gut ein Jahr am Rand des Dübendorfer Flugplatzes. So lange werden die heute auf der Querpiste parkierten Passagiermaschinen sicher nicht in Dübendorf bleiben. Wie lange es aber effektiv sein wird, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Angesichts der weltweiten Restriktionen im Kampf gegen das Coronavirus und der wohl nur wieder langsam zunehmenden internationalen Reisetätigkeit dürfte sich dieses aussergewöhnliche Bild bis in den Mai hinein nicht verändern.

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