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Nun beginnt der Kampf gegen weitere Kollateralschäden

Der Bundesrat will ab dem 26. April die Corona-Schutzmassnahmen lockern. Das ist wichtig, um in der langwierigen Krise bestehen zu können.

Nun beginnt der Kampf gegen weitere Kollateralschäden

Seit dem 16. März befindet sich auch die Schweiz ganz im Virus-Modus. Seither hat sich gezeigt, dass wir hierzulande dank gezielter Einschnitte das schlimmste Szenario abgewendet haben – ohne dass wir dafür den ganzen Katalog an möglichen Massnahmen bis hin zur Einstellung aller Betriebe und einem kompletten Ausgehverbot ausschöpfen mussten.

Die grosse Mehrheit der Bevölkerung hat Disziplin bewiesen und gezeigt, dass sie sich an die Distanzregeln halten kann. Sicher gibt es immer wieder solche, die Grenzen ausloten und überschreiten. Das ist aber nicht anders wie bei Geschwindigkeitsregeln: Obwohl es klare Ansagen gibt, kommt es auch dort immer wieder zu Verstössen.

Immenser Schaden

Doch auch wenn nicht der ganze Köcher ausgeschossen worden ist: Der Kollateralschaden ist immens, der durch die ergriffenen Massnahmen angerichtet worden ist. Der Kollateralschaden ist im Rettungswesen jener Schaden, der durch die Rettungsmassnahme erst verursacht wurde, aber zur Erreichung des Ziels unabdingbar war. Das kann beispielsweise durch eine den Umständen geschuldete, nicht schonende Rettungstechnik sein  wie bei der Sofortrettung, bei der ein  Gebrechen entsteht oder eine Notamputation vorgenommen werden muss.

Im Fall der gross angelegten Rettungsaktion im Zusammenhang mit dem Coronavirus besteht die Gefahr, dass der Kollateralschaden durch die Massnahmen, die den weiteren Vormarsch des Virus abgeblockt haben, bald grösser werden kann, als der Schaden, der unmittelbar durch das Virus verursacht wird. Dies zeigt sich sogar schon im Gesundheitsbereich selbst: Hier leiden und sterben Leute an oder mit dem Virus, dort werden dringende Behandlungen – wohl aus Furcht vor dem Virus – aufgeschoben oder gar unterlassen, mit zum Teil gefährlichen oder gar tödlichen Folgen. Die Bewegungsbeschränkungen führen zu sozialen Problemen, Spannungen durch Enge-Stress daheim, Bewegungsmangel und auch Vereinsamung. Und schliesslich löst der Lockdown bei vielen Existenzängste aus, mit schweren psychischen Folgen.  

Bleiben die Schulen noch auf längere Dauer geschlossen, werden darunter nicht nur lernbeeinträchtigte Schüler zu leiden haben, sondern alle Schülerinnen und Schüler – und auch ihre Eltern.  

Hoher Schuldenberg   

Vor allem aber zeitigt der jetzige Lockdown enorme wirtschaftliche Folgen: Tausende Jobs gehen verloren, unzählige Firmen werden den Betrieb einstellen müssen – trotz Finanzspritzen und Überbrückungskrediten. Eine ganze Generation dürfte diese Wochen im Stillstand zu spüren bekommen und deren finanzielle Folgen auch tragen müssen. Die Schulden, die nun innert Wochen anfallen, müssen über die Jahre von uns allen wieder abgestottert werden. Und jede Woche, die die Einschränkungen andauern, wird eine noch längere Regenerationsphase nach sich ziehen.

Vom Sprint zum Marathon

Wir sind mit einem Sprint in den Kampf gegen das Virus gestartet. Doch wenn wir in diesem Tempo – und mit diesen Kollateralschäden – weiterrennen, werden wir, wird unser System kollabieren. Der Bundesrat hat selbst gesagt, dass es sich auf einen Marathon im Kampf gegen das Virus einzustellen gilt. Denn das Virus wird nicht so schnell verschwinden. Von einer Durchseuchungsrate von 60 Prozent, die gemäss Epidemiologen eine gewisse Sicherheit bieten würde, sind wir weit entfernt. Schutz vor dem Virus wird es erst geben, wenn ein Impfstoff vorhanden ist. Doch das wird dauern.

In einem Marathon gilt es richtig zu dosieren, nur so bleibt die Durchhaltefähigkeit gewährleistet. Es gilt, die psychischen, körperlichen, gesundheitlichen und ökonomischen Ressourcen richtig einzuteilen. Sonst geht uns der Schnauf aus. Anders gesagt: Wir sollten uns nur so viel Einschränkungen auferlegen, dass es nicht zu nachhaltigen Schäden kommt. Schliesslich wollen wir in diesem Lauf als Sieger durchs Ziel.

Bundesrat als Tempomacher

Der Bundesrat ist bisher als guter Tempomacher aufgetreten. Nun kommt aber die Zeit, in der es gilt, so viel Normalität wie möglich zurückzuerhalten. Das hat die Schweizer Regierung erkannt, indem sie jetzt Lockerungen ab dem 26. April in Aussicht stellt. Es braucht diese, damit möglichst alle Branchen unter Wahrung der Schutzmassnahmen ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Es sollte aber auch schrittweise der Schulbetrieb wieder in Gang kommen und vielleicht kann sogar der Radius in der Freizeit wieder geweitet werden. Oberstes Ziel muss es sein, die Kollateralschäden zu minimieren.

Der Bundesrat wird deshalb das Tempo aber auch wieder drosseln müssen, wenn die Zahl der Virenerkrankungen wieder zu stark ansteigt. In den letzten Wochen hat sich gezeigt: Mit geeigneten Massnahmen lässt sich das exponentielle Fallwachstum sehr rasch brechen. Abstand halten wird weiter die Devise lauten. Das lässt sich machen. Und vielleicht kommen ja noch neue Verhaltensregeln – Stichwort Maske – hinzu.

Feiern erst am Ziel

Wir sollten uns alle darauf einstellen, dass wir in den nächsten Monaten mal mehr Tempo aufnehmen und mehr Bewegungsspielraum haben, um dann wieder zu drosseln, wenn wir merken, dass unser Gesundheitssystem an den Anschlag kommt. Die schlechte Nachricht: Feiern in grösseren Gruppen während des weiteren Laufs wird es nicht geben. Die gute: Dafür wird das Fest im Zielraum unseres Marathons umso grösser ausfallen. 

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