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Und WC-Papier gibt es immer noch keins

Hygieneprodukte werden rationiert, Spitäler und Verwaltungen schotten sich ab, dafür gibt es endlich genug Parkplätze: Im Oberland regiert der Corona-Notstand.

Uster im Standby-Zustand., Der Ustermer Stadtpark: Normalerweise tummeln sich hier zur Mittagszeit die Menschen. , Wer Einsamkeit sucht, der findet sie., Verkehr wie an einem Sonntagmorgen: Im Bild das Zentrum von Uster. , Einkaufszentrum Illuster: Viele Läden sind geschlossen. , Der Juwelier hat seinen Laden gleich richtig verrammelt., Sitzen Verboten: Der McDonalds hat auf Take away umgestellt., Tristesse im Uschter 77., Die Menschen ziehts an den Pfäffikersee. , Spaziergang mit Sicherheitsabstand am Pfäffikersee., Krass: Auf dem Joweid-Areal gibt es freie Parkplätze., Mehr Abstand geht nicht: Zwei Herren geben sich am Bahnhof Wetzikon alle Mühe, sich nicht gegenseitig anzustecken., Eingangskontrolle vor dem Dübendorfer Stadthaus.

Thomas Bacher

Und WC-Papier gibt es immer noch keins

«Stockender Kolonnenverkehr vor dem Brüttiseller Kreuz.» Nur stockend? Kein Stau? Schon die erste Radiomeldung am Morgen deutet darauf hin, dass dies kein Tag wird wie jeder andere. Seit wenigen Stunden gilt der vom Bundesrat verordnete Lockdown, und auf den Strassen gibt es so wenig Verkehr wie an einem Sonntagmorgen.

Vor dem Eingang zum Dübendorfer Stadthaus hat der Zivilschutz ein Zelt aufgestellt. Hier kommt niemand mehr rein, der nicht unbedingt muss. Die Anliegen würden nach ihrer Dringlichkeit triagiert, heisst es auf dem Infoblatt. Die Bevölkerung wird aufgefordert, wenn immer möglich telefonisch oder per Mail Kontakt aufzunehmen. Die Schalter sind nur noch von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

Der Papierspender bei einer Tankstelle an der Überlandstrasse ist aufgebrochen, die riesige Papierrolle weg. Ein Fall von Beschaffungskriminalität, weil überall das WC-Papier ausverkauft ist?

«Das alles geht wieder vorbei. Die Frage ist nur, wann.»

Arzt am Spital Wetzikon

Um 7.30 Uhr ist die Pendlerdichte am Bahnhof Dübendorf deutlich geringer als sonst zu dieser Zeit. Die einzelnen Personen auf dem Perron scheinen sich gegenseitig abzustossen, wer hustet, hat noch mehr Platz. Auf den Handybildschirmen: Corona, Corona, Hände waschen, Abstand halten. Ein frommer Wunsch, sobald der Zug eingefahren ist. Zwar sind merklich weniger Passagiere unterwegs, dennoch gibt es in einigen Abteilen kaum einen freien Sitzplatz.

Sirene, Gülle, Zugangskontrolle

Wenige Minuten später am Bahnhof Wetzikon. Die Perrons sind praktisch menschenleer. Zwei Jugendliche radeln mit dem Velo vorbei, die Schals über Mund und Nase gezogen. Irgendwo schrillt seit Minuten ein Alarm und verstärkt die endzeitliche Stimmung noch.

Vor dem Spital hat sich Sicherheitspersonal postiert. Ankommende werden gefragt, ob sie einen Termin haben. Ein Arzt sagt im Vorbeigehen: «Das alles geht wieder vorbei.» Und schiebt dann nach: «Die Frage ist nur, wann.» Es stinkt penetrant nach Gülle. Bauern können eben kein Homeoffice machen.

Auch die Gemeindeverwaltung von Hinwil hat die Öffnungszeiten stark eingeschränkt. Auf der Baustelle hinter dem Gemeindehaus stehen ein paar Arbeiter zusammen und lachen. Eine betagte Frau schlurft mit ihrem Rollator in Richtung Zentrum. Als ihr auf dem Trottoir ein Jugendlicher entgegenkommt, gibt sie ihm mit Handzeichen zu verstehen, dass er verschwinden soll. Der denkt nicht daran.

Verrückt, es hat Parkplätze!

Zwischenbericht zur Versorgungslage: Im Volg Dürnten gibt es kein Mehl und natürlich auch kein WC-Papier. Zwei Geschwister wurden losgeschickt, um ein paar Gipfeli zu kaufen. Jetzt dürfen sie sich noch etwas Süsses aussuchen. Der Junge warnt seine kleinere Schwester, den anderen Leuten bloss nicht zu nahe zu kommen. «Wir haben imfall Schulverbot», sagt er, um gleich klar zu machen, dass man es hier nicht etwa mit zwei Schulschwänzern zu tun hat.In Rüti hat es auf dem Joweid-Areal genügend Parkplätze. Verrückt!

Am See in Pfäffikon ist es erst recht einsam. Ein Vater buddelt mit seinem Sohn im Sandhaufen. Eine Kinderkrippe hat sich unter einem Baum einen improvisierten Herd eingerichtet und kocht ein Suppe aus Blättern und Ästchen. Zwei Hündeler unterhalten sich mit einem Sicherheitsabstand von mindestens vier Metern. Die Hunde sitzen da und findens komisch. Um 10.30 Uhr gehts dann los mit den ersten Familien, die vergnügt herbeischlendern. Bald ist es vorbei mit der Ruhe am See. 

Die Sorgen des Metzgers

In Uster rationiert der Drogeriemarkt Desinfektions- und Hygieneprodukte auf zwei Stück pro Person. Ein paar Meter weiter, im Uschter 77, ist es einsamer als sonst schon; nur die Metzgerei hat geöffnet. Der Sohn des Chefs steht draussen und raucht. Er hatte an diesem Tag noch keinen einzigen Kunden und weiss nicht, wie es weitergeht. Soll er darauf hoffen, dass die Leute doch noch kommen? Oder doch besser gleich schliessen, bevor der Vermieter die Nebenkosten erhöht, weil das Center nur wegen ihm geöffnet bleibt? Und würde er vom Bund überhaupt finanzielle Unterstützung bekommen?

Es ist Mittag, und am Bahnhof fährt schon das dritte Polizeiauto innerhalb von fünf Minuten vorbei. Die Restaurants sind entweder geschlossen oder beschränken sich auf den Take-away-Betrieb. Trotz des reduzierten Angebots werden sie nicht gerade von hungrigen Gästen überrannt. Das gleich Bild im Stadtpark. Wo die Sitzgelegenheiten bei milden Temperaturen jeweils restlos besetzt sind, gibt es noch viel Platz. Und dann diese Stille. Als ob jemand die Welt in Watte gepackt hätte.

Der Dämpfer im Coop

Vor dem Volkiland stehen ein paar Jugendliche mit ihren Skateboards herum. Man sieht es ihnen an: Sie haben Zeit, sehr viel Zeit. Im Center selber ist die Atmosphäre gar nicht mal so bedrückend, wie man es in der Coronakrise annehmen könnte. Cindy Lauper quäkt aus den Lautsprechern, die Handyshops haben geöffnet, der Blumenladen seltsamerweise ebenfalls, und der grosse Coop sowieso. Doch dann der Dämpfer: Auch hier ist das WC-Papier ausverkauft.

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