Bevölkerung will mehr Zentrum und weniger Autos
2100 Dübendorferinnen und Dübendorfer waren Ende Jahr per Zufallsmodus eingeladen, sich an einer schriftlichen Umfrage im Zusammenhang mit der Ortsplanungsrevision zu beteiligen. 456 Personen haben schliesslich den Fragebogen ausgefüllt, was einer Rücklaufquote von 22 Prozent entspricht. «Eine sehr gute Beteiligungsrate», sagt Hochbauvorstand Dominic Müller (CVP). Das habe das für die Umfrage verantwortliche Institut bestätigt.
Müller hält es «für ein gutes Zeichen», dass sich die Altersgruppe der 40- bis 64-Jährigen, die voll im Berufsleben stehe, überdurchschnittlich stark beteiligt hat. Dass demgegenüber der Anteil der über 65-Jährigen eher überschaubar ist – diese Gruppe macht lediglich 17 Prozent aller Teilnehmenden aus –, kann sich Müller nicht erklären. Nichtsdestotrotz sei das Ergebnis repräsentativ, hält er fest.
Überraschung, sie sind zufrieden!
Bei der Umfrage ging es vordergründig nicht um planerische Aspekte. Vielmehr wollte der Stadtrat wissen, was den Einwohnern an Dübendorf gefällt und wo sie Potenzial für Verbesserungen sehen. «Positiv überrascht hat uns die hohe allgemeine Zufriedenheit», sagt Müller. Diese erreicht gemäss Umfrage den Wert von acht Punkten auf einer Skala von eins bis zehn. Was den Dübendorfern konkret gefällt: die Nähe zu Zürich und zur Natur, die zentrale Lage, eine gute ÖV-Anbindung.
«E s ist sicher legitim, dieses Ergebnis kritisch zu hinterfragen. »
Dominic Müller (CVP), Hochbauvorstand Dübendorf
Ihre Zeit verbringen die Befragten am liebsten an der Glatt oder im Stadtzentrum. Es zeigte sich ausserdem, dass viele Dübendorfer im Ort einkaufen, hier ihre Freundschaften pflegen und an ihrem Wohnort verwurzelt sind.
Kritisch sehen die Umfrageteilnehmer die Verkehrslage. Und auch die grosse Bautätigkeit beschäftigt sie. Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine breite Zustimmung zu einer dichteren Bauweise. Ist das kein Widerspruch? «Auf den ersten Blick schon», sagt Müller. Seiner Meinung nach widerspiegelt das Ergebnis ganz einfach die Realität: «Man erachtet die Verdichtung zwar grundsätzlich als notwendig und sinnvoll, fühlt sich aber auch nicht wohl, wenn überall gebaut wird und sich dadurch vieles verändert.»
Eine Folge der Krawallnacht
Weiter macht die Umfrage deutlich, dass das Thema Sicherheit auf dem Sorgen-Barometer der Dübendorfer ganz weit oben liegt. Der Stadtrat beurteilt dies auch als Folge der Krawallnacht vom 6. auf den 7. September letzten Jahres, in der sich junge Erwachsene und die Polizei rund um den Bahnhof stundenlang Scharmützel lieferten.
«Die Umfrage wurde nur wenige Wochen nach diesen Ereignissen durchgeführt», sagt Müller. «Aus dieser Sicht ist es sicher legitim, dieses Ergebnis kritisch zu hinterfragen. Denn ansonsten haben wir keine entsprechenden Rückmeldungen bekommen.» Aus diesem Grund seien auch keine weiteren Massnahmen vorgesehen.
«Wenn es eine einfache Lösung gäbe, hätten wir sie schon lange umgesetzt.»
Dominic Müller (CVP), Hochbauvorstand Dübendorf
In Sachen Stadtentwicklung haben die Teilnehmenden eine gesamtheitlichere Planung auf ihre Wunschliste gesetzt. Zudem fordern sie mehr Grün- und Freiräume und bemängeln das fehlende Stadtzentrum. Gerade Letzteres ist für Müller keine Überraschung. «Dies ist ein Problem, mit dem wir uns schon lange beschäftigen», sagt er. Aber Dübendorf habe eine gewachsene Struktur mit Weilern und Aussenquartieren sowie dem nahen Glattzentrum, das mit seinen Einkaufsmöglichkeiten viel Publikum abziehe. «Wenn es eine einfache Lösung gäbe, hätten wir sie schon lange umgesetzt.»
Im Herbst wird ausgetauscht
Auch sonst entspreche das Ergebnis der Umfrage in den verbesserungswürdigen Punkten grösstenteils den Themen, an denen der Stadtrat arbeite. Die Erkenntnisse fliessen gemäss Müller nun in die Analyse ein, aus der die Stossrichtung für die räumliche Entwicklung von Dübendorf erarbeitete werde – mit einem Horizont für die nächsten zwei Jahrzehnte.
Bis zu den Sommerferien soll ein erster Entwurf des Raumentwicklungskonzepts vorliegen. Im Herbst oder Winter ist eine öffentliche Veranstaltung geplant, an der die Verantwortlichen die Ergebnisse vorstellen und «die strategischen Punkte» im Austausch mit der Bevölkerung vertiefen wollen.
