Mittagessen im Ustermer Schülergewusel
Es fühlt sich etwas befremdlich an, durch die Gänge des Bildungszentrums (BZU) Uster zu laufen, obwohl man dort nicht zur Schule geht oder angestellt ist. Als wäre man Teil einer Welt, zu der man eigentlich nicht gehört. Allerdings gibt es gute Gründe für einen Besuch. Denn die neue BZU-Mensa ist explizit nicht nur für Schüler und Angestellte vorgesehen, sondern auch ein öffentliches Restaurant für alle.
Im Mai 2019 wurde der Neubau des Ustermer Bildungszentrums eröffnet. Das Zentrum beherbergt eine Kantonsschule, eine Berufsfachschule und eine Höhere Fachschule. Gleichzeitig wurde die neue Mensa der drei Schulen eingeweiht. Das Restaurant trägt den Namen «BZU Box. meat & eat» und gehört zur SV-Group mit Sitz in Dübendorf. Das Gastronomieunternehmen betreibt im Zürcher Oberland über 20 Mensen und Personalrestaurants.
Grosser Andrang zu Stosszeiten
Für Fremdlinge ist der moderne Neubau erstmal ein Irrgarten. Immerhin ist der Weg zur Mensa beschildert. Die Gänge sind seltsam verwaist, sodass sich die Frage aufdrängt, ob die Schule wegen des Coronavirus ausfällt. Bald ist aber ein dumpfes Stimmenwirrwarr zu vernehmen, das immer lauter wird. Da stecken die Schüler also alle: In der Mensa des BZU sind die 350 Plätze ziemlich gut gefüllt – Virus hin oder her.
Gemäss der Restaurantmanagerin Stephanie Schiess gebe es gerade zwischen 12 und 12.30 Uhr manchmal einen Ansturm, und es müsse mit einer Warteschlange gerechnet werden. Länger als zehn Minuten muss Schiess zufolge aber auch während der Stosszeiten kaum jemand anstehen. Mittags verkauft das Team jeweils zwischen 250 und 350 Mahlzeiten.
Mensa soll Treffpunkt werden
An den Randzeiten sei die Mensa jedoch spärlicher besucht. Unter der Woche hat sie täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Die Restaurantbetreiber wünschen sich, dass sich das Restaurant – gerade auch vormittags und nachmittags – auch unter externen Gästen mehr etabliert. «Unser Restaurant soll zu einem Treffpunkt in Uster werden», sagt sie.
Seit der Eröffnung sei die Mensa für alle Gäste gedacht – für Schüler, Mütter mit Kindern, Familien und Pensionierte zum Beispiel. Was die Kantine attraktiv mache, sei die lockere Atmosphäre, das freundliche Team und nicht zuletzt der günstige Preis und die Qualität. «Ein solches Preis-Leistungs-Verhältnis findet man sonst selten. Das Essen ist nicht auf typischem Mensa-Niveau.»
«In einer Schule zu essen ist wohl vielen etwas fremd.»
Stephanie Schiess, Restaurantmanagerin
Schiess zufolge wissen viele aber gar nicht, dass die Mensa des BZU auch ein öffentliches Restaurant ist. Sie sagt: «In einer Schule zu essen ist wohl vielen etwas fremd.» Zwar kämen mittlerweile bereits mehr externe Leute als noch im Sommer, die sich aufs Schulterritorium wagen. Trotzdem wünschen die Betreibenden, künftig noch mehr auswärtige Gäste begrüssen zu dürfen.
Frisches Mensa-Flair
An diesem Mittag sitzen an den Tischen grossmehrheitlich Schüler. Dazwischen ist vereinzelt aber auch älteres Klientel zu entdecken – vielleicht Lehrpersonen und Angestellte, vielleicht auch externe Personen.
Der Speisesaal sieht aus, wie man sich eine Mensa vorstellt: Funktional, mit langen Tischreihen, grellen Lampen und schlichter Einrichtung. Durch Fensterfronten und hohe Decken wirkt der Raum trotzdem freundlich und hell. In der Mitte befindet sich ausserdem ein etwas alternativer Coworking-Space mit einer Holzkabine.
Dass die Kantine belebt ist, zeigt sich auch auf einer reich bekritzelten Tafel, wo Schüler ihre Essens- und sonstige Wünsche anbringen können. Sprüche wie «Manuel stinkt» geben ausserdem amüsante Einblicke in die Schülerwelt. An mehreren Orten stehen Abfallstationen mit getrennter Alu- Pet- und Papierentsorgung.
Nachhaltigkeit und Eigenständigkeit
Auf Nachhaltigkeit werde grossen Wert gelegt, sagt Schiess. So achte man neben der fachgerechten Mülltrennung auch auf Bio- und Fairtradelabels, kaufe regionale und saisonale Produkte und reduziere Foodwaste auf ein Minimum.
Die Menüs werden laut Schiess jede Woche vom Küchenchef persönlich zusammengestellt. «In der Planung und Durchführung sind wir sehr frei», sagt sie. So funktioniere das Restaurant weitgehend eigenständig.
«Eindeutige Aufwertung »
An den Theken ist der Ansturm ist bereits vorbei. Wie jeden Tag stehen neben einem Salatbuffet und einem Take-Away mit Getränken und Sandwiches mehrere Gerichte zur Auswahl – eines davon ist vegetarisch. Heute gibt es zum Beispiel Gemüse-Empanadas mit Ebly und Quarksauce. Geschöpft wird nicht in weisse 0815 Ikea-Teller, sondern in farbiges, hochwertig aussehendes Tongeschirr. Das Menü, welches die Schüler für neun Franken bekommen, kostet für Externe zwei Franken mehr.
Was die Qualität des Essens betrifft, so spricht eine eine anwesende ehemalige Schülerin, die noch die alte BZU-Mensa vor dem Umbau kannte: «Das ist eine riesige Aufwertung gegenüber von früher. Damals war die Mensa ein richtiges Trauerspiel.» Nicht nur der Geschmack überzeuge sie heute mehr, sondern auch die Atmosphäre in der Mensa.
Auch Naatan Lohrer, Schüler des BZU, ist mit dem Essen und den Preisen zufrieden. Lediglich die Platzverhältnisse seien teilweise eng – was unter den heutigen Umständen ein grösseres Problem sein könnte, als auch schon.