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«Gegen Testosteron ist kein Kraut gewachsen»

Zwei Kantonsräte fordern, Bordelle wegen des Coronavirus zu schliessen. Ingo Heidbrink vom Schwerzenbacher Club Globe hält von solchen Massnahmen wenig. Er findet, dass man der Katastrophe sowieso nicht mehr entrinnen kann.

Zwei EVP-Kantonsräte fordern die Schliessung von Bordellen wie der Club Globe in Schwerzenbach. , Anlass ist für die Politiker das Coronavirus., Im Club Globe hält man von solchen Massnahmen wenig.

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«Gegen Testosteron ist kein Kraut gewachsen»

Herr Heidbrink, zwei EVP-Kantonsräte verlangen, dass Bordelle wegen des Coronavirus temporär geschlossen werden. Haben Sie davon gehört?
Ingo Heidbrink: Ich habe es gelesen. Aber denen geht es doch nicht um Corona. Sie wollen damit nur wieder ein generelles Prostitutionsverbot durchsetzen.

Mag sein. Aber Sie können ja wohl nicht bestreiten, dass in Ihrem Geschäft der Zwei-Meter-Abstand, der aktuell wegen des Virus gefordert wird, nicht durchgesetzt werden kann.
Natürlich nicht. Aber dann müsste man auch die klassische Massage verbieten. Da kommt man sich genauso nah.

Sie haben also auch keine hygienischen Massnahmen getroffen?
Nein. All diese Massnahmen nützen doch gar nichts. Man kann die Sache nur hinauszögern – kommen wird sie trotzdem. Die Leute haben das Gefühl, sie hätten immer alles im Griff. Sie müssen endlich einmal lernen, den Tatsachen ins Auge zu schauen. Das Virus wird irgendwann jeden von uns befallen und es wird auch viele Tote geben. Der Bund kann seine Massnahmen unmöglich über längere Zeit aufrechterhalten. Und auch das Gesundheitssystem wird irgendwann überlastet sein. Nur gibt das im Moment niemand zu.

Aktuell braucht es für Veranstaltungen ab 150 Personen eine Bewilligung. Wie viele Leute befinden sich zu Spitzenzeiten im «Globe»?
Nicht mehr als 80.

Ist das Virus bei Ihren Arbeiterinnen kein Thema?
Gar nicht. Die Mehrheit der Frauen ist zwischen 20 und 25 Jahren alt. Denen kann das Virus ja fast nichts anhaben. Die Mortalitätsrate ist so gering. In diesem Alter läuft alles wunderbar. Der Körper ist noch kräftig und deshalb stellt man sich auch keine Fragen.

Und was ist mit Ihnen? Sie sind 55, bereitet Ihnen das Virus keine Sorgen?
Natürlich mache ich mir Gedanken. Aber schauen Sie, in meinem Alter kann man genauso gut an Krebs erkranken.

Werden Sie wegen des Vorstosses nun in irgendeiner Form aktiv?
Die Politik muss diese Debatte führen, nicht ich.

Haben Sie keine Angst, dass die Debatte zu Ihren Ungunsten ausfallen könnte?
Ich bin jetzt seit 30 Jahren in diesem Geschäft. Ich wusste von Anfang an, dass ein generelles staatliches Verbot jederzeit kommen kann. Momentan ist das aber schwer vorstellbar. Es gibt in der Schweiz keine Mehrheit, die für ein Prostitutionsverbot wäre – und sowieso würde das nichts nützen.

Wieso?
Dann passiert das gleiche wie in Schweden: Die Prostitution verschiebt sich einfach in den Untergrund. Sagen Sie mir: Warum gehen denn die Männer ins Puff?

Sagen Sie es mir.
Wegen des sexuellen Triebs. Ohne diesen würde die Menschheit aussterben. Gegen das Testosteron ist kein Kraut gewachsen.

Der Besitzer der Villa 45 in Wetzikon geht wegen des Virus von Umsatzeinbussen von bis zu 30 Prozent aus. Können Sie das bestätigen?
Das ist bei mir genau gleich. Bei den Saunaclubs rechnet man mit 40 Prozent weniger Umsatz, im Einzelservice mit 20 Prozent. Im Schnitt sind das etwa 30 Prozent.

Kommen Sie über die Runden?
Ein paar Jahre kann ich überleben. Und sonst gehe ich halt etwas früher in Pension?Ich habe in den vergangenen Jahren schön zusammengespart.

Vorstoss im Kantonsrat
Die EVP-Kantonsräte Tobias Mani (Wädenswil) und Barbara Günthard (Winterthur) fordern in einer Anfrage, dass der Regierungsrat die temporäre Schliessung von Sexbetrieben beschliesst. Sie begründen das mit der Corona-Pandemie: Ihrer Meinung nach sind Prostituierte potenziell besonders stark von einer Ansteckung durch das Virus betroffen. Deshalb, so die Politiker, solle die Gesundheitsdirektion das Sexgewerbe mit einem temporären Verbot versehen.

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