Die Dame, die an der Zentralstrasse 20/22 in Uster steht, ist viel älter, als ein Passant mit einem flüchtigen Blick vermuten würde. Sie ist über 400 Jahre alt. Die Dame ist eigentlich ein Wohnhaus neben dem Aabach. Verborgen in einem Kleid aus den 1960er Jahren, steht seit 1619 das Mauerwerk des zweiteiligen Gebäudes, das derzeit umgebaut wird. Für Uster ist das eine bedeutende Entdeckung, weil es nachweislich das älteste noch stehende Wohngebäude auf Stadtgebiet ist.
Auch Christiane Thomas, Architektin eines für Denkmalpflege und Baugeschichte spezialisierten Architekturbüros in Zürich, war über den neusten Befund überrascht. «Auf dem Türsturz des Hauses war die Jahreszahl 1842 eingebracht. Doch anhand der Hölzer im Wohnhaus konnten wir sehen, dass das Haus älter sein muss.» Die Oberfläche des Holzes und dessen Verarbeitung seien erste Hinweise darauf gewesen.
Das Gülleloch im Keller
Während im Keller die elektrischen Spitzmaschinen hämmern, zeigt Christiane Thomas die Spuren des einstigen Zwecks des Hauses. In einer Ecke ist, einer archäologischen Ausgrabung gleich, ein Güllenloch freigelegt. «Das dieser Bereich des Hauses mal ein Stall gewesen ist, davon zeugen auch Überreste eines Futtertroges», sagt Thomas.

