Wie viel Solarstrom ist in Uster möglich?
Ustermer sollen mehr Solarstrom beziehen. Gemeinderat Patricio Frei (Grüne) will, dass mindestens 15 Prozent der Elektrizität aus Ustermer Solarenergie stammt. Der Anteil des Solarstrom in der Standardversorgung soll erhöht werden (siehe Box). Bis wann das Ziel erreicht werden soll, lässt er offen. Ein entsprechendes Postulat hat Frei dem Stadtrat zur Prüfung vorgelegt. Der Stadtrat hat Freis Vorstoss der Energie Uster AG weitergeleitet – die Stadt ist Mehrheitsbesitzerin des Unternehmens. Dieses liefert den Strom für die meisten Ustermer Haushalte.
Philippe Joss, Geschäftsleitungsmitglied der Energie Uster AG, sagt: «Für 15 Prozent Solarstrom müssten grosse Mengen Solarstrom beschafft werden. Dieser Markt ist fragmentiert und der administrative Aufwand für die Beschaffung wäre sehr gross.» Es müssten 1000 bis 1500 einzelne Verträge mit kleinen Solarproduzenten abgeschlossen werden. Die Umsetzung ist auch aufwendig.» Möglicherweise versage der Markt bei der Lieferung oder den Konditionen. Das Hauptanliegen von Patricio Frei, lokalen Solarstrom in Uster zu produzieren, unterstütze das Unternehmen aber grundsätzlich. «Ein Ausbau in Uster ist sinnvoller als irgendwo in der Schweiz oder im EU-Raum.»
Geballte Solarenergie im Buchholz
Doch wie steht es eigentlich um die Sonnenenergie in Uster? Joss sagt, dass heute aktuell drei Prozent der Energie aus lokalen Solarkraftwerken gewonnen werde. Die sieben grössten Solaranlagen in Uster gehören der Energie Uster (siehe Grafik). Über ein Viertel des gesamten Ustermer Sonnenstroms wird im Buchholz produziert. «Die grossen Dächer der Sportanlagen und das starke Netz sind dafür bestens geeignet», sagt Joss. «Bei den Sportanlagen Buchholz ist ein richtiger Solar-Hotspot entstanden – Uster steht bei der Solastromproduktion sehr gut da», sagt Joss.
Heute seien in Uster besonders Solanlagen auf grossen Flachdächern und einem starken Netzanschluss verbreitet. Weiter würden die Panels neben der Süd-Ausrichtung auch vermehrt in Richtung Westen und Osten ausgerichtet. «So erzeugen die Anlagen neben der Mittagsspitze auch am Morgen und am Abend am Strom», sagt Joss. Vor allem ältere Anlagen seien auf die Mittagssonne ausgerichtet.
Auf Privatdächern entsteht Energie
Geht man von einem durchschnittlichen Stromverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts von 4500 Kilowattstunden pro Jahr aus, liefern die Anlagen Energie für rund 331 Haushalte. Das ist aber weniger als diejenige, die von Ustermer Privatdächern stammt (siehe Tabelle). Den grössten Teil des produzierten Stroms verkaufen die Einwohner dem Unternehmen. Privatpersonen bekommen heuer 8,5 Rappen pro Kilowattstunde verkauften Fotovoltaik-Strom. Die Energie Uster AG unterstützt Private finanziell beim Bau von Fotovoltaik-Anlagen über den sogenannten Ökofonds.
«Wie in Uster die Sonnenenergie genutzt wird, ist nicht zufriedenstellend.»
Patricio Frei (Grüne), Gemeinderat
Doch die Stromzusammensetzung Unternehmens zeigt, dass der Anteil der Solarenergie verglichen mit der Wasserkraft-Energie gering ausfällt. Der Strom aus Wasserkraft macht rund 92 Prozent aus. Allerdings werden davon nur gerade 14 Prozent in der Schweiz produziert, der Löwenanteil stammt aus der EU.
Die Ustermer Gewässer können keine bedeutende Stromleistung liefern, sagt Joss. Dafür seien die Bäche zu klein und die Höhendifferenz zu gering. Die einzigen Kraftwerke stehen am Aabach. «Je nach Witterungsverhältnisse produzieren diese zwischen 1800 und 2200 Megawattstunden jährlich.» Dies entspricht aber immerhin zwischen 1,5 und 1,9 Prozent des gesamten Ustermer Stroms.
Wind in Uster kein Thema
Windstrom habe dagegen auf Gemeindegebiet kein Potential, sagt Joss. Im Gegensatz zur Wasserkraft wird nur sehr wenig davon importiert. Der Anteil des Windstroms am sogenannten geförderten Strom liegt im promillebereich. Der geförderte ökologische Strom von rund 5.6 Prozent wird den schweizerischen Energieanbietern vom Bund auferlegt, um die Energiestrategie voranzutreiben.
Der gesamte Strom der Energie Uster AG stammt aus erneuerbarer Quelle. Das findet auch Gemeinderat Patricio Frei vorbildlich. Um die vom Schweizer Stimmvolk beschlossene Energiewende in unserem Land voranzubringen, brauche es aber auch auf lokaler Ebene ein kräftiges Wachstum der erneuerbaren Energien. «Wie in Uster die Sonnenenergie genutzt wird, ist nicht zufriedenstellend», sagt Frei, «Uster hat ein Riesenpotential für Solarstrom. Viele Dächer sind noch ungenutzt.»
Zeughaus mit potential
Für die Solarenergie sieht Frei in ganz Uster enormes Potential. Dabei stützt er sich auf die Angaben über das Solarpotential auf der kantonalen GIS-Plattform: Darauf ist vermerkt, wie viel Solarstrom jedes Dach in Uster liefern könnte. «Gemäss GIS liegt auf einem einzigen Dach des Zeughauses genügend Energie brach, um den Jahresverbrauch von 40 Haushaltungen zu decken», sagt Frei.
Der Stadtrat indes, zieht nach den Ausführungen der Energie Uster AG das Fazit. So schreibt dieser, dass es bereits heute in Uster ein hoher Solarstrom-Anteil gebe. Weiter sei die Beschaffung von zusätzlicher Solarenergie auf dem Schweizer Markt administrativ aufwändig. «Es ist über längere Zeit nicht sichergestellt, dass genügend Solarstrom vorhanden ist und tatsächlich beschafft werden kann», schreibt der Stadtrat und empfiehlt dem Parlament das Postulat abzulehnen.
Solarstrom als Standard für Ustermer Konsumenten
Gekoppelt an die Forderung nach mehr Solarstrom will Gemeinderat Patricio Frei (Grüne), dass für die Ustermer Privathaushalte künftig ein höherer Solarstromanteil als Standard gilt. Wer das nicht will, muss sich beim Stromanbieter, also beim Energieversorger Energie Uster AG, melden. Heute ist es genau umgekehrt: Will ein Konsument einen höheren Sonnenergie-Anteil in seiner Strommischung, muss er sich beim Anbieter melden. Frei schätzt, dass die Konsumenten mit Mehrkosten von 12 Prozent für den höheren Sonnenenergie-Anteil rechnen müssen. «Ein durchschnittlicher Haushalt bezahlt so statt 905 Franken jährlich 1016 Franken.»
Die Energie Uster AG kommt auf ähnliche Zahlen. Allerdings beurteilt das Geschäftsleitungsmitglied Philippe Joss das von Frei vorgeschlagene Vorgehen als «nicht optimal». «Dieses Modell kann bei Kunden zu Ärger und einem Vertrauensverlust führen. Kunden wenden sich oft vom Energieprovider ab, wenn das Modell erkannt wurde.» Dies ist in der Zeit der Strommarktöffnung sehr heikel. Weiter sollen Kunden mit beschränkten finanziellen Mitteln nicht in Zugzwang gebracht werden.
