Ist die «Heimat» bald elektrisch unterwegs?
In der Schweiz soll die Schifffahrt sauberer werden. Mit neuen Vorschriften will der Bundesrat ab April den Schadstoffausstoss der Schiffe senken (siehe Box). Unter anderem sollen die Motoren mit Katalysatoren aufgerüstet werden.
Weil aber bereits zugelassene Schiffsmotoren von der Verschärfung der Abgasvorschriften nicht betroffen sind, kann Allen Fuchs, Verwaltungsratspräsident der Schifffahrtsgenossenschaft (SGG), erstmal aufatmen. «Für uns besteht kein Handlungsbedarf, solange die Motoren ihr Lebensende noch nicht erreicht haben.»
Elektromotor ein Thema
Dies bestätigt auch Michael Müller, Mediensprecher des Bundesamts für Verkehr (BAV): «Motoren, die bereits in Betrieb sind, müssen nicht nachgerüstet werden.»
Strengere Abgasvorschriften mit Ausnahmen
Der Bundesrat will die gewerbliche Schifffahrt auf Schweizer Seen und Flüssen sauberer machen, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Diese Woche hat er an einer Sitzung beschlossen, die Abgasvorschriften zu verschärfen und an die Vorgaben der EU anzugleichen. Mit der Senkung des Grenzwerts für Stickoxide wird der Einbau von Katalysatoren erforderlich, wie sie bei Lastwagen bereits üblich sind. Schiffsmotoren, die in der Schweiz schon im Einsatz sind, dürfen weiter betrieben werden. Für Fahrgastschiffe und Frachtschiffe gelten die neuen Vorschriften ab dem 1. April.
Wann das Lebensende der Motoren erreicht sein wird, kann Fuchs nicht sagen. «Ich wäre froh, wenn dies nicht so bald der Fall ist.» Er kann die Verschärfung der Abgasvorschriften verstehen. Dass nach dem Strassenverkehr nun auch für die Schifffahrt strengere Vorschriften gelten, sei für ihn klar. Bei der SGG habe man bereits vor ein paar Monaten über eine Reduktion der Schadstoffemissionen gesprochen. «Wir denken über einen Elektroantrieb des Motorschiffs Heimat nach.» Beim zehn Tonnen schweren Schiff mit Baujahr 1933 sei ein Umbau möglich.
Teure Umrüstung für SGG
Doch dafür müsse wohl eine «stolze Summe» aufgewendet werden, glaubt Fuchs. Er rechnet mit mehreren 100‘000 Franken. Ohne Spendensammlung könne ein solcher Betrag nicht aufgebracht werden. «Vielleicht ist im heutigen Klimaerwärmungs-Hype das Sammeln einfacher.»
«Ökodiesel ist teuer und kann für unsere Motoren leider nicht verwendet werden.»
Allen Fuchs, Verwaltungsratspräsident der Schifffahrtsgenossenschaft (SGG)
Der Ustermer Gemeinderat Marco Ghelfi (Grüne) steht dieser Idee positiv gegenüber. «Wenn das Schiff mit lokalem Wasserstrom versorgt wird, wird dessen CO2-Bilanz deutlich verbessert.» Dazu könnte das Schiff mittels Photovoltaik oder kleineren Windrädern auch während Standzeiten am Steg zusätzlich mit Strom versorgt werden.
Passagiere belasten Umwelt
Für Ghelfi sind auch historische Dampfschiffe wie die «Greif» ein wichtiges Kulturgut und Zeitzeugen der Technologie-Entwicklung. Die mit Kohle betriebene «Greif» belaste die Umwelt nicht so stark, wie es beispielsweise all die Passagiere tun, welche von weither mit dem Auto an den Greifensee fahren, sagt Ghelfi.
Laut SGG-Verwaltungsratspräsident Fuchs ist die Elektrifizierung der Schiffe noch ein Unterfangen mit vielen Unbekannten. Und im Gegensatz zur «Heimat» komme bei den beiden grössten Exemplaren der dreiteiligen Flotte ein reiner Elektromotor nicht infrage. Schon allein wegen der Grösse der dafür benötigten Batterie. Allenfalls sei ein Hybridmotor, also ein Zusammenspiel zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor, für die Schiffe «David Herrliberger» und «Stadt Uster» zu einem späteren Zeitpunkt möglich.
Derzeit werden diese am Greifensee-Ufer in Maur mit vielen Freiwilligen revidiert. Allen Fuchs betont, dass der Schadstoffausstoss der Flotte immer schon ein Thema gewesen sei. «Wir tanken freiwillig mit schwefelarmem Diesel.» Für noch weniger Schadstoffe würde der sogenannte Ökodiesel sorgen. «Doch dieser Kraftstoff ist teuer und kann für unsere Motoren leider nicht verwendet werden», sagt Fuchs.
