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Politik

Bürgerin wirft den Behörden intransparente Kommunikation vor

Das kantonale Labor stellte letzten Herbst Fäkalien im Trinkwasser in Schlatt fest. Die Bevölkerung hat man darüber bewusst nicht detailliert informiert.

Beim Pumpwerk in Unterschlatt wird nächste Woche eine neue UV-Anlage in Betrieb gehen.

Massimo Diana

Bürgerin wirft den Behörden intransparente Kommunikation vor

Das Wichtigste in Kürze

  • Das kantonale Labor hat letzten Herbst Fäkalien im Schlatter Trinkwasser nachgewiesen
  • Nächste Woche wird in Unterschlatt eine neue UV-Anlage in Betrieb gehen. Ab dann wird dem Trinkwasser kein Chlor mehr beigefügt
  • Da der Gemeinderat die Bakterien nicht beim Namen genannt hat, wirft eine Bürgerin diesem intransparente Kommunikation vor

 

Dreckiges Trinkwasser ist in vielen Ländern eine Realität. Nicht so in der Schweiz, denkt man. Hierzulande gilt sauberes Wasser als Selbstverständlichkeit. Dass dem nicht immer so ist, zeigt sich aber auch in unseren Breitengraden: Zum Beispiel in Schlatt. 

UV-Anlagen ab nächster Woche in Betrieb 

Dort hat das kantonale Labor vergangenen Herbst Fäkalien im Trinkwasser nachgewiesen – konkret handelt es sich um Enterokokken sowie das Kolibakterium. Um die Keime übergangsweise zu vernichten, hat die Gemeinde dem Trinkwasser Chlor beigemischt. Nun hat sich die Gemeinde drei Ultraviolett (UV)-Entkeimungsanlagen hierfür angeschafft.

«Die Chlorierung erfolgte zuletzt in der tiefst möglichen Dosierung.»

Dieter Schellenberg, Tiefbauvorstand in Schlatt

«Nächsten Dienstag sollen die ersten zwei beim Pumpwerk in Unterschlatt in Betrieb gehen», sagt Tiefbauvorstand Dieter Schellenberg. Installiert seien sie bereits. Sobald die Anlagen laufen, kommt auch kein Chlor mehr zum Einsatz.

«Die Chlorierung erfolgte zuletzt in der tiefst möglichen Dosierung», sagt Schellenberg. Seit die Bakterien im Oktober nachgewiesen wurden, hat man in Unterschlatt, Oberschlatt und Nussberg Chlor hinzugefügt, um die Trinkwasserqualität zu sichern. 

Thema sorgte für reichlich Gesprächsstoff

Der Chlorgeschmack ist gewöhnungsbedürftig. Vereinzele Bürger mochten ihn nicht und tranken deshalb bloss noch Mineralwasser. Aber nicht nur das Trinkwasser hinterliess im 700-Seelen-Dorf einen fragwürdigen Nachgeschmack: Auch die Kommunikation des Gemeinderats. Das Trinkwasserproblem sorgte in der Gemeinde in den vergangenen Monaten für reichlich Gesprächsstoff.

An der Budget-Gemeindeversammlung letzten Dezember löste die Thematik mehr Fragen und Diskussionen aus, als alle anderen Traktanden zusammen. Bis heute ist die Ursache für die Verunreinigung unbekannt. Der Grund für die Verunsicherung dürfte auch in der zurückhaltenden Kommunikation des Gemeinderats liegen. 

Informationen zurückgehalten

Die Schlatterin Brigitta Hochstrasser zeigte sich angesichts der Kommunikation des Gemeinderats in den vergangenen Monaten irritiert. Die mittlerweile pensionierte Pflegefachfrau konfrontierte die lokale Behörde an der Budget-Gemeindeversammlung mit mehreren Fragen zum verunreinigten Trinkwasser. Ihr Vorwurf lautete: Der Gemeinderat hat nicht transparent kommuniziert. Und daran hält sie nach wie vor fest. 

«Fakt ist aber: Es handelt sich um Fäkalien.»

Brigitta Hochstrasser, Bürgerin von Schlatt 

«Obwohl das kantonale Labor letzten Herbst vier koloniebildende Einheiten des Bakteriums Enterokokken sowie auch des Kolibakteriums im Trinkwasser nachweisen konnte, hat er in seinem Flugblatt, das letzten Oktober an die Bevölkerung verteilt wurde, nichts davon erwähnt», sagt Hochstrasser. 

Waltenstein machte es besser 

Das habe sich auch an der Gemeindeversammlung nicht geändert. An dieser habe der  Gemeinderat lediglich von verunreinigtem Trinkwasser gesprochen. «Fakt ist aber: Es handelt sich um Fäkalien», sagt Hochstrasser. Sie ist der Meinung, dass man dadurch in der Bevölkerung Verunsicherung gestiftet habe. 

Als positives Vorzeigebeispiel transparenter Kommunikation verweist Hochstrasser auf die Wasserversorgungsgenossenschaft Waltenstein, die ebenfalls zur Gemeinde Schlatt gehört. Dort seien die Bewohner Ende letztes Jahr mit einem Schreiben informiert worden, dass Messungen in den Quellfassungen Unterschlatt und der Eulachquelle in Waltenstein erhöhte Chlorothalonil Sulfonsäure Werte ergeben hatten.

«Intransparenz war nie unser Ziel. Auf Anfragen der Bevölkerung haben wir stets offen kommuniziert.»

Dieter Schellenberg

«Im Unterschied zum Schreiben, welches der Gemeinderat Schlatt herausgab, hat man dort aber die Bürger transparent informiert», so die Meinung von Hochstrasser. Sie ist umso erstaunter über die fragwürdige Kommunikation des Gemeinderats, weil die Problematik nicht neu ist. «Bereits 2018 hatte das kantonale Labor erhöhte Mengen an Fäkalien im Trinkwasser in Schlatt festgestellt. Und schon damals hatte der Gemeinderat die Bevölkerung nicht informiert.»

Kommunikation erfolgte in Absprache mit kantonalem Labor

Gemeinderat Dieter Schellenberg entgegnet auf den Vorwurf der beschönigenden Kommunikation: «Der Grund, dass wir die Fäkalien im Flugblatt nicht beim Namen genannt haben, ist ein einfacher: Das geschah in Absprache mit dem kantonale Labor», sagt Schellenberg.

Er fügt aber hinzu: «Intransparenz war nie unser Ziel. Auf Anfragen der Bevölkerung haben wir stets offen kommuniziert und auch entsprechend Unterlagen zu Verfügung stellt.» Nadine Gerber vom kantonalen Labor sagt dazu: «Die Information der Bevölkerung ist Sache der Wasserversorgung. Wir empfehlen dieser immer transparent über die Qualität des Wassers zu informieren. Die Information soll möglichst verständlich für die Bevölkerung geschrieben werden.»

Kommunikationsschwierigkeiten hin oder her. Ab nächster Woche soll das Trinkwasser wieder Chlor- und möglichst fäkalienfrei sein.
 

Hohe Kosten

Die Trinkwasserverunreinigung kommt für die Gemeinde auch finanziell teuer. Die Mehrkosten, welche dadurch entstanden sind, belaufen sich auf rund 127‘000 Franken. Den Betrag hat der Gemeinderat Anfang Februar als gebundene Ausgaben bewilligt. Dazu gehören die Arbeiten der Handwerker, die Integration der neuen Anlagen in die bestehenden sowie auch der Bau der Stromleitung in Oberschlatt für das dortige Reservoir. 

Bei der Inbetriebnahme der zwei UV-Anlagen in Unterschlatt handelt es sich bloss um den ersten Schritt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird dann auch noch eine weitere UV-Anlage beim Reservoir in Oberschlatt in Betrieb gehen, dort gibt es aber gegenwärtig noch keine Elektrizität. «Die Stromleitung beim Reservoir ist zurzeit in der Projektierungsphase», sagt Schellenberg. 

Neben den UV-Anlagen hat sich die Gemeinde auch zwei Trübungsmessanlagen beschafft. Mit ihnen kann genau gemessen werden, wie klar das Wasser ist. Eine hat man bereits beim Pumpwerk in Unterschlatt installiert, die zweite ist für das Reservoir in Oberschlatt vorgesehen. 

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