Pionierprojekt des Werkheim Uster nimmt konkrete Formen an
In Uster wird schon bald ein revolutionäres Inklusions-Projekt Realität. In einer Gewerbeliegenschaft im Lorenquartier sollen künftig Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen verschiedene Dienstleistungen für die dort eingemieteten Firmen erbringen.
Hinter dieser Idee steht das Werkheim Uster, wo sich die Verantwortlichen schon länger Gedanken darüber machten, wie Menschen mit einer Behinderung künftig zeitgemäss in den sich stetig wandelnden Arbeitsmarkt integriert werden können.
«Der Kauf der Liegenschaft ist definitiv ein Meilenstein in unserer Geschichte.»
Patrick Stark, Geschäftsleiter Werkheim Uster
Nun macht man Nägel mit Köpfen. Vor kurzem hat das Werkheim für die Umsetzung seiner Vision die Liegenschaft Industriepark 1-3 im Ustermer Lorenquartier erworben, wie die Institution am Dienstag mitteilte.
«Ideales Objekt»
«Der Kauf der Liegenschaft ist definitiv ein Meilenstein in unserer Geschichte», sagt Werkheim-Geschäftsleiter Patrick Stark. «Er ermöglicht uns, auch für Menschen mit einem höheren Unterstützungsbedarf inklusive Arbeitsplätze zu schaffen.» Als die Idee im vergangenen Jahr konkrete Formen annahm, habe man sich auf die Suche nach einer geeigneten Liegenschaft gemacht.
«Dass wir nun derart schnell und erst noch in Uster ein so ideales Objekt gefunden haben, ist natürlich ein Glücksfall», sagt Stark. Das Gebäude erfülle sehr viele Kriterien, die auf der Wunschliste standen: Einen attraktiven Standort, bereits eingemietete Firmen und noch genügend leerstehende Räume für das Werkheim.
Das Lorenquartier sei optimal, weil sich hier bereits vier Werkheim-Wohngruppen befänden. «Wir wollen mit unserem Gewerbezentrum auch dazu beitragen, dass das aufstrebende Quartier weiter belebt wird und sich weiterentwickeln kann», so Stark.
Zur Höhe des Kaufpreises für das Gebäude macht der Werkheim-Geschäftsleiter keine konkreten Angaben. «Wir konnten aber einen vernünftigen Preis aushandeln», sagt er. Die Finanzierung sei keine grosse Belastung für das Werkheim Uster. Als Eigenmittel konnten teils Spenden eingesetzt werden, die für solche Investitionen vorgesehen waren. Zudem profitiere man vom günstigen Zinsniveau und von den Mieteinnahmen der Liegenschaft.
«Damit Uster zur ‹Stadt für alle› wird, sollen alle Menschen ganz selbstverständlich zusammen lernen, arbeiten und leben.»
Barbara Thalmann (SP), Ustermer Stadtpräsidentin
Erfreute Stadtpräsidentin
Das geplante Gewerbezentrum sorgt auch bei Usters Stadtpräsidentin und Werkheim-Stiftungsrätin Barbara Thalmann (SP) für Freude: «Damit Uster zur ‹Stadt für alle› wird, sollen alle Menschen ganz selbstverständlich zusammen lernen, arbeiten und leben. Das Gewerbezentrum leistet hierzu einen wertvollen und wegweisen Beitrag.»
Dieses Zusammenspiel von gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen unterstütze zudem auch das zentrale Anliegen der neuen Ustermer Vernetzungsplattform Plan U. «Auf diese Weise wird die Attraktivität des Standorts Uster gefördert», sagt Thalmann.
Detailkonzept wird erarbeitet
Geplant ist, dass die geschützten Arbeitsplätze des Werkheim-Standorts Turicum in Niederuster in die neue Liegenschaft verlegt werden. Dazu sollen die leeren Räumlichkeiten, die heute noch nicht ausgebaut sind, auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. «Alle rund 70 Mitarbeiter werden voraussichtlich im Jahr 2021 umziehen», sagt Stark.
Bevor es aber soweit ist, wird nun zuerst ein Detailkonzept erarbeitet. Daran beteiligt sind sowohl interne als auch externe Experten. Für die Konzeptausarbeitung und die konkrete Planung will sich das Werkheim die dafür nötige Zeit nehmen. «Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir am Standort Turicum noch einen laufenden Mietvertrag haben und deshalb nicht unter Zeitdruck stehen», erklärt Anita Kupper, Kommunikationsverantwortliche beim Werkheim Uster.
«Unsere Vision zielt dahin, dass die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen für die Firmen vor Ort einfachere Arbeiten erledigen können.»
Patrick Stark, Geschäftsleiter Werkheim Uster
In diesem Konzept sollen die möglichen Dienstleistungen für die eingemieteten Firmen und die Art der agogischen Begleitung festgehalten werden. Zugeschnitten auf den konkreten Bedarf der Mitarbeitenden mit einer Beeinträchtigung sowie der Partnerfirmen.
Positive Reaktionen
«Unsere Vision zielt dahin, dass die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen für die Firmen vor Ort einfachere Arbeiten erledigen können. Dabei werden sie falls nötig von Job-Coaches unterstützt», sagt Patrick Stark. Das könne vom Empfang der Kunden und deren Begleitung zur entsprechenden Firma über das Betreiben der Gastronomie bis hin zu Speditions- oder Reinigungsarbeiten reichen. «Durch die örtliche Nähe wird nicht nur die Betreuung einfacher, sondern es kommt auch täglich zu spannenden Begegnungen.» Davon würden beide Seiten profitieren.
Mit den Mietern der Liegenschaft hat das Werkheim bereits das Gespräch gesucht und laut Stark «erste positive Resonanz» erhalten. Derzeit sind dies vornehmlich Firmen aus der handwerklichen Branche. Für einige weitere Unternehmen dürfte es auch nach dem Einzug des Werkheims noch Platz haben. «An entsprechenden Anfragen, auch von Start-ups, sind wir interessiert», sagt Stark.