«Einen Geheimtipp kann ich nicht abgeben»
Herr Löffel, wie kommt man auf die Idee, ein Holzautorennen zu veranstalten?
Urs Löffel: Rennen mit sogenannten Pinewood-Cars werden in den USA regelmässig von Pfadfindergruppen durchgeführt. Ich hab mein erstes Rennen aber in Winterthur gesehen – und fand es total gut. Vor 16 Jahren veranstaltete ich dann an einer Jubiläumsfeier des Dorfvereins das erste Pinewood-Derby.
Wie waren die Reaktionen?
Die Kinder hatten natürlich Freude. Die Erwachsenen haben erst die Nase gerümpft, das sei ja bloss Kinderkram. Aber dann wurde doch über Aerodynamik und Gewichstverteilung gefachsimpelt. Das hat mir gefallen, denn ich wollte ja etwas für alle Generationen machen.
Haben die Erwachsenen – also ich meine vor allem die Männer – allenfalls sogar ein wenig mehr Freude an den Rennen als die Kinder?
Es gibt tatsächlich diverse Männer und auch Frauen, die jeweils beim Derby mitmachen. Die Begeisterung ist aber wohl ausgeglichen.
Starten Sie selber auch?
Ich bastle vor dem Rennen meisten schnell-schnell noch ein Auto zusammen und fahre dann ausser Konkurrenz mit, wenn in einem Durchgang noch ein Teilnehmer fehlt.
Haben Sie einen Tipp, wie das Auto besonders schnell wird? Auf Youtube gibt es ja zahlreiche Tutorials zum Thema.
Man sollte darauf achten, dass die Rädli gerade montiert sind, ansonsten kann ich keinen Geheimtipp geben. Mir scheint, dass es mehr oder weniger Zufall ist, wer gewinnt. Das passt ganz gut, schliesslich soll das Derby ein Anlass wider dem tierischen Ernst sein.
Aber Regeln gibt es schon, oder?
Der Radabstand und der Abstand zum Boden sollte nicht verändert werden, weil die Autos auf Spurleisten fahren. Dann gilt ein Höchstgewicht von 140 Gramm. Sollten es mal ein paar Gramm mehr sein, ist das aber nicht schlimm. Da die Bahn eine kleine Gegensteigung aufweist, bedeutet mehr Gewicht nicht unbedingt ein Vorteil.
In den USA sind vielerorts Hightech-Bahnen im Einsatz – in Fällanden auch?
Anfangs habe ich jeweils die Bahn des Winterthurer Veranstalters gemietet, die hatte eine Lichtschranke. Später hat mir ein Kollege eine eigene aus Holz gebaut, zwölf Meter lang, ohne elektronische Zeitmessung. Das ist viel spannender, weil nicht die Zeit im Vordergrund steht, sondern der Rang – vergleichbar etwa mit einem herkömmlichen Skirennen und Skicross, bei dem vier Fahrer gleichzeitig starten.
Gibt es keinen Streit, wenn das Resultat nicht eindeutig ist?
Wir haben jeweils drei Zielrichter im Einsatz. Und im Zweifelsfall werten wir auch zwei Autos im ersten Rang.
Um was geht es da eigentlich?
Beim Pinewood-Car-Race fahren mehrere Holzautölis nebeneinander auf einer abfallenden Rampe um die Wette. Meistens werden sie aus Bausätzen gefertigt, die aus einem Holzklotz und vier Rädern mit Achsen bestehen. Gemäss Wikipedia fand das erst Pinewood-Derby 1953 in Manhattan Beach in Kalifornien statt. Die Rennen sind vor allem unter US-Pfadfindern beliebt. Zahlreiche lokale Gruppen führen ihre Derbys durch, zumeist mit viel Show und Trara. Und natürlich gibt es auch eine Landes- und Weltmeisterschaft.
Das 9. Fällander Pinewood-Car-Derby findet am Sonntag, 29. März, um 13.30 Uhr in der Zwicky-Fabrik statt. Ruhm und Ehre gibt es nicht nur für die schnellsten Autos, sondern auch in den Kategorien «schön» und «originell». Bausets für 10 Franken inklusive Anmeldung sowie weitere Infos zum Rennen gibt es unter uspoon@gmx.ch oder per SMS ( 076/567’99’69). Veranstalter Urs Löffel importiert die Bausätze direkt aus den USA. Für die Bearbeitung sei kein Spezialwerkzeug nötig; «ein Sackmesser und etwas Schleifpapier reichen».
