Tonnenschwere Schiffe schweben durch die Luft
Der gelbe Pneukran hebt das 48-Tonnen-schwere Schiff scheinbar mühelos aus dem Greifensee. Beinahe waagrecht hängt am Mittwochmorgen die 26 Meter lange «David Herrliberger» in der Luft über dem Steg in Maur. Dann wird das zweitgrösste Gefährt der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee (SGG) vorsichtig auf eine Wiese gehievt. Dort bleibt es, solange die Unterhaltsarbeiten am Schiff dauern.
Die Vorbereitungen liefen allerdings nicht ganz so reibungslos. Wegen des Sturms Petra musste die Auswasserung um einen Tag verschoben werden. SGG-Verwaltungsratspräsident Allen Fuchs sagt: «Wir hätten die Schiffe gerne bereits gestern an Land gebracht, doch wegen des Sturmes war das zu gefährlich.» Die Grenze für diese Arbeit liege bei einer Windgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometer.
Taucher im Einsatz
Die Folgen des Sturms erschweren auch am Mittwoch die Arbeit des Tauchers, der vor dem Anheben unter Wasser den Sitz der beiden Gurte am Schiffsrumpf überprüft. Pascal Kaufmann, Schiffskapitän auf dem Zürichsee und Hobbytaucher, sagt in Vollmontur: «Wegen des gestrigen Sturms und des Regens konnte ich heute nur ein bis zwei Meter weit sehen.»
Dass die «David Herrliberger» waagrecht mit dem Kran über den Maurmer Boden gehoben werden kann, wie an diesem Morgen, war vor fünf Jahren noch anders. Allen Fuchs erinnert sich: «Beim letzten Mal war das Schiff ein bisschen aus dem Gleichgewicht – das Heck war vor dem Bug aus dem Wasser.»
Es ist erst das zweite Mal nach 2015, dass das 2006 erbaute Schiff ausgewassert wird. «Damals fehlte der Erfahrungswert», sagt Fuchs. In diesem Jahr habe man deshalb die Markierung für die Anbringung der Krangurte versetzt. Wichtig sei, dass diese genau auf die sogenannten Querspannten zu liegen komme. Diese sind aus Stahl, und alle zwei Meter über die gesamte Schiffslänge verteilt. «Ansonsten würde die Schiffsschale zerdrückt.»
Defektes Ruder
Die Schiffe werden alle sechs Jahre revidiert. Eigentlich hätten die beiden grössten Schiffe «Stadt Uster» und «David Herrliberger» erst 2021 überholt werden sollen. Weil aber das Bugstrahlruder der «Stadt Uster» defekt ist, werden die Schiffe bereits heuer aus dem See gehievt. Der Bugstrahler ermöglicht eine seitliche Fahrt und verkleinert den Wendekreis. SGG-Verwaltungsrat Benno Hüppi sagt, dass das Gerät schon 25 Jahre alt sei, und deswegen abgenutzt sei.
Bei der Revision gibt es viel zu tun: Die Schiffsrümpfe müssen abgedampft, geschliffen und neu angestrichen werden. Für diese Arbeiten zählt die Schifffahrts-Genossenschaft auf die Hilfe von Freiwilligen. «So wollen wir die Kosten in Grenzen halten», sagt Hüppi. 200‘000 Franken kostet die Revision mit Reparatur dennoch. Die SGG ist stolz, dass sie diesmal die Kosten mit eigenen Mittel – gebildet mit Rückstellungen –finanzieren kann. Anders war das 2015, als verschiedene Gemeinden um den Greifensee einen Kostenanteil von 170‘000 Franken übernahmen.
Überwiegend seien es Pensionierte, die sich für die Freiwilligenarbeit meldeten. Aber auch einige SGG-Mitarbeiter würden ihre freien Tage dafür opfern. «Die Malerarbeiten an den Bereichen, die Unterwasser sein werden, können auch von Freiwilligen ausgeführt werden», sagt Hüppi. Zumal eine fachmännische Begleitung dabei sei.
96-Tönner gestrandet
Hüppi hofft, dass keine weiteren Defekte auftauchen. In den letzten 25 Jahren sei das aber nie der Fall gewesen. Dafür sorgten auch die technischen Mitarbeiter, die die Schiffe während des Jahres warten, sagt Hüppi.
Die Trockenlegung der 95 Tonnen schweren «Stadt Uster» verläuft ebenfalls reibungslos und ist kurz nach dem Mittag abgeschlossen. Bereits am Nachmittag beginnen Helfer mit dem Hochdruckreiniger den Rumpf der beiden Schiffe zu säubern. Die folgenden Arbeiten werden in einem provisorisches Zelt durchgeführt. Von Montag bis Freitag wird daran gearbeitet. Bis am 13. März, so hofft Hüppi, sollen die Schiffe einsatzbereit sein. Dann werden sie wieder eingewassert und einen Tag später – anlässlich des Tags der offenen Türen – soll planmässig die neue Saison beginnen.
